Im Gegensatz zum Volksglauben, daß Nahrungsmittel, die Lebensmittelzusätze und künstliche Aromastoffe enthalten, Allergien verursachen, sind die meisten Lebensmittelallergien auf natürliche Nahrungsmittel zurückzuführen.
Im Gegensatz zum Volksglauben, daß Nahrungsmittel, die Lebensmittelzusätze und künstliche Aromastoffe enthalten, Allergien verursachen, sind die meisten Lebensmittelallergien auf natürliche Nahrungsmittel zurückzuführen.
Tatsache ist, daß jedes Nahrungsmittel, das Proteine enthält, bei manchen Menschen potentiell allergische Reaktionen auslösen kann. Die wichtigsten Kulturpflanzen enthalten Zehntausende von Proteinen, wovon allerdings nur einige allergene Eigenschaften besitzen. Die Proteine in Erdnüssen, Kuhmilch, Eiern, Weizen, Sojabohnen, Nüssen, Fisch und Meeresfrüchten verursachen 90 % aller Lebensmittelallergien in Europa.
"Eine Allergie ist eine anormale Reaktion des Körpers auf eine oder mehrere Substanzen, die bei den meisten Menschen keine Symptome auslösen", erklärte Willy de Greef von der ALSS (Applied Life Science Strategies) in einem kürzlichen Überblick zu diesem Thema.
Strenge Verfahren
Auch wenn Allergien weitgehend erblich sind, wurde die Frage aufgeworfen, ob mit Einführung der Gentechnologien - die neue Proteine in die Pflanzen einbringt - nicht die Gefahr besteht, daß Proteine mit allergischen Eigenschaften versehentlich in die genmodifizierte Pflanze eingebracht werden. Angesichts diesen Befürchtungen wurden unter anderem von der WHO, der OECD und der amerikanischen FDA Empfehlungen für strenge Verfahren bei der Durchführung von Sicherheitsstudien herausgegeben. Die Untersuchung von Allergien als ein Gesundheitsproblem hat während der letzten zwei Jahrzehnte enorme Fortschritte gemacht. Daher stehen nunmehr zahlreiche Methoden zur Beurteilung neuer Produkte zur Verfügung, mit denen sich feststellen läßt, ob genmodifizierte Pflanzen oder andere neue Nahrungsmittel eine bekannte Allergenquelle enthalten oder nicht.
Es werden jeweils drei strenge Testreihen durchgeführt; und wenn bei einer von ihnen eine positive Reaktion auftritt, wird die Arbeit an dem betreffenden genmodifizierten Produkt normalerweise nicht fortgesetzt. Würde die Pflanze jedoch kommerzialisiert, wäre eine Etikettierung der aus der genmodifizierten Pflanze hergestellten Lebensmittel notwendig, um die Verbraucher vor den Allergenen zu warnen.
De Greef unterstreicht jedoch, daß es trotz dieser umfangreichen Beurteilungsverfahren zur Minimierung der Möglichkeit des Einbringens allergener Proteine in genmodifizierte Pflanzen "unmöglich ist, eine absolute Garantie dafür abzugeben, daß kein Mensch auf ein Nahrungsmittel allergisch reagiert". Diese Tests sind jedoch zweifellos die strengste zur Verfügung stehende Methode, um die Gefahr zu reduzieren, daß eine unerwartete Allergie in genmodifizierten Pflanzen und neuen Nahrungsmitteln auftaucht.
Wer braucht Allergene ?
Die andere Seite der Medaille, erklärt de Greef, liegt darin, daß, wenn die Gentechnologie dafür verwendet werden kann, um "einer Pflanze nützliche Proteine zuzuführen, sie vielleicht auch dazu verwendet werden kann, um die allergenen Proteine zu entfernen, wenn sie in der Pflanze keine unerläßliche Funktion einnehmen. Allerdings ist es unwahrscheinlich", fährt er dann fort, "daß Allergene eine wichtige Funktion einnehmen, denn die meisten von ihnen sind Speicherproteine, das bedeutet, sie dienen nur als Nahrungsreserven für die keimende Saat. Das heißt, daß diese neue Anwendung der Gentechnologie dazu dienen könnte, alternative, nicht allergische Versionen bestimmter Nahrungsmittel für Leute, die unter Lebensmittelallergien leiden, bereitzustellen."
Zur Zeit wird eine Zusammenstellung von Datenbanken der wichtigsten allergenen Proteine in Pflanzen erstellt, was ein erster Schritt für die Entwicklung allergenfreier Sorten ist. Beispiele dafür sind GenBank, EMBL, PIR und SwissProt. Der nächste Schritt wird darin bestehen, den Gencode für das spezielle allergene Protein zu identifizieren und zu isolieren und dann ein System zu konstruieren, bei dem die Bildung dieses Proteins vermieden werden kann.
Das am weitesten fortgeschrittene Projekt dieser Art wird in Japan durchgeführt, wo nach Auskunft von de Greef, die Wissenschaftler "auf dem besten Wege sind, einen genmodifizierten Reis ohne seine wichtigsten Allergene zu entwickeln". Dieser neue Reis würde für manche Menschen in Südostasien, die heute an Allergien auf dieses Grundnahrungsmittel ihrer täglichen Ernährung leiden, eine große Erleichterung bedeuten.
FOOD TODAY 06/1998