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EU-Projekte - Sonderausgabe 06/2011

Wie man Fettleibigkeit bei Kindern vermeiden kann – Neues von der IDEFICS-Studie

Kinder zu vermehrter körperlicher Aktivität anzuregen, indem man ein Umfeld mit ausreichenden Grünflächen, Sportmöglichkeiten und Spielplätzen schafft, kann ein einfaches Mittel zur Bekämpfung von Fettleibigkeit bei Kindern darstellen. Ebenso müssen Eltern aber auch sicherstellen, dass ihre Kinder während der Nacht ausreichend Schlaf bekommen. Dies sind die neuesten Ergebnisse des von der Europäischen Kommission geförderten Projekts IDEFICS (Identification and Prevention of Dietary- and Lifestyle-Induced Health Effects in Children and Infants).

Bereits in den Jahren 2007 und 2008 berichteten wir von den Zielen sowie den ersten Ergebnissen der großen, europaweit angelegten IDEFICS-Studie.1,2 Ziel dieses Projekts ist es, die Auswirkungen von Ernährung, Lebensweise und sozialem Umfeld auf die Gesundheit von europäischen Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren zu erforschen. Die Wissenschaftler haben spezifische Interventionsmethoden zur Reduzierung der Prävalenz von ernährungs- und lebensstilbedingten Krankheiten entwickelt und implementiert und werten diese derzeit aus. Kürzlich wurden wichtige neue Ergebnisse dieser Studie veröffentlicht.3

Zunahme des Taillenumfangs von Nord nach Süd
Wie die Studie gezeigt hat, ist etwa jedes fünfte Kind in Europa übergewichtig oder fettleibig. Generell sind mehr Mädchen als Jungen unter 10 Jahren übergewichtig. Unter den IDEFICS-Interventionsländern war die Prävalenz fettleibiger Kinder in den südlichen Regionen Europas höher (bis zu 20%) als in den nördlichen Regionen (unter 5%) (siehe Abb. 1). Dies deckte sich mit der Tatsache, dass im südlichen Teil Europas die Kinder häufiger beim Essen fernsehen als im Norden; nur etwa ein Viertel der schwedischen Kinder tat dies manchmal oder häufig, gegenüber drei Vierteln der italienischen Kinder. Ob das Essen während des Fernsehens tatsächlich einen an der Entwicklung von Fettleibigkeit ursächlich beteiligten Faktor darstellt, bleibt noch zu untersuchen.

Abb. 1 Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern in den IDEFICS-Interventionsländern

Wie die IDEFICS-Studie auch zeigte, tranken schwedische Kinder die bei weitem geringste Menge an gezuckerten Getränken wie Limonaden. Zudem aßen Kinder aus Schweden – in Übereinstimmung mit den kulturellen Gewohnheiten – laut eigener Aussage nie mehr als drei Süßigkeiten pro Woche, und nur 1% der Kinder gab an, öfter als dreimal pro Woche Schokolade und Schokoriegel zu essen. Auch Kekse und Kuchen wurden nur in sehr geringen Mengen gegessen. Fast 40% der schwedischen Kinder berichteten, mindestens einmal täglich frisches Obst zu essen. Zudem hatten sie mit beinahe 60% den höchsten Verzehr an rohem Gemüse; eigenen Aussagen zufolge aßen die Kinder mindestens ein- bis dreimal pro Woche rohes Gemüse. Dieses Essverhalten entspricht am ehesten den Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung, mit reichlich Obst und Gemüse und dem nur gelegentlichen Genuss von Süßigkeiten und Schokolade.

Im Durchschnitt berichteten etwa die Hälfte der Kinder im Vorschulalter (2 bis 6 Jahre), dass sie mindestens einmal pro Tag gekochtes Gemüse aßen; eine Ausnahme bildeten die Kinder aus Zypern und Italien, bei denen der Anteil nur bei 20% lag. Da der Verzehr von gekochtem Gemüse bei älteren Kindern geringer war, sollten die Anstrengungen darauf gerichtet werden, den Gemüsekonsum zumindest über die Zeit beizubehalten, wenn nicht sogar zu steigern.

Schlanksein durch ausreichenden Schlaf
Eines der Schlüsselergebnisse der IDEFIC-Studie war, dass sich ein enger Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit herausstellte. Die Forscher zählten die Schlafstunden von Montag bis Donnerstag als Maß für die übliche Schlafdauer. Kinder im Vorschulalter, die weniger als 9 Stunden pro Nacht schliefen, wiesen ein signifikant höheres Risiko für Übergewicht auf. Bei Schulkindern, die weniger als 11 Stunden schliefen, war dieses Risiko um 40% erhöht, und bei Kindern mit weniger als 9 Stunden Schlaf pro Nacht sogar um 300% höher. Die potenzielle Schlafzeit wurde in der Regel mit Fernsehen oder Videospielen verbracht. Das traf vor allem auf Jungen zu. Somit kann eine der Strategien im Kampf gegen Fettleibigkeit im Kindesalter darin bestehen, dafür zu sorgen, dass die Kinder ausreichend Schlaf bekommen. Die mit Fernsehen und elektronischen Medien verbrachte Zeit zu verringern scheint ein offensichtlicher Ansatzpunkt.

Bewegungsfreundliches Umfeld
Die IDEFICS-Studie hat gezeigt, dass Kinder, die sich mehr bewegen (Sport treiben, zu Fuss oder mit dem Fahhrad zur Schule) und weniger als 14 Stunden pro Woche vor dem Bildschirm (TV, DVD, Computer) verbringen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit übergewichtig oder fettleibig waren. Zur Beurteilung der körperlichen Kondition wurden die Kinder aufgefordert, an einem Lauftest teilzunehmen. Erwartungsgemäß war die Kondition der Jungen besser als die der Mädchen. Vergleicht man 6- und 9-Jährige, scheint es allerdings, dass das Konditionsniveau bei Mädchen und Jungen mit dem Alter abnimmt.

Es liegt somit auf der Hand, dass wir die Kinder zu vermehrter körperlicher Aktivität anregen müssen. Die Forscher untersuchten 344 Schulkinder in Deutschland, um herauszufinden, ob deren tägliches Aktivitätspensum in einem Zusammenhang mit den in ihrem Umfeld vorhandenen Bewegungsmöglichkeiten stand. Die „Bewegungsfreundlichkeit” des Umfelds der Kinder wurde auf der Basis verschiedener Faktoren definiert, und zwar, der Verbindung von Straßenzügen, der Dichte des Fuß- und Radwegnetzes, der Anzahl/Entfernung von Spielplätzen sowie dem Vorhandensein von Grünflächen und Sportanlagen. Nach Aussage der Eltern beschäftigten sich Kinder, die in einer bewegungsfreundlichen Gegend wohnten (d.h. mit leichtem Zugang zu Spielplätzen und Sportanlagen im Freien), im Durchschnitt 15 Minuten länger im Freien als Kinder in Gegenden mit geringer Bewegungsfreundlichkeit. Diese Information ist für die politischen Entscheidungsträger in Gemeinden und für die Planer von neuen Wohngebieten und Umweltstrukturen von besonderer Bedeutung. Wenn wir unsere Kinder zu mehr körperlicher Aktivität animieren möchten, müssen wir ihnen ein Umfeld schaffen, das dies auch ermöglicht.

Die Bedeutung der Familie
Neben Schlaf und körperlicher Aktivität spielt auch der familiäre Hintergrund eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit im Kindesalter. Bildungs- und Einkommensniveau der Eltern stehen in klarer Relation zum Gewichtsstatus eines Kindes: Für Kinder von Eltern mit niedrigem Einkommen bestand ein 50% höheres Risiko, übergewichtig oder fettleibig zu werden als für Kinder aus finanziell besser gestelltem Elternhaus. Dies lässt sich teilweise mit der geringeren Qualität der Ernährung in Familien mit niedrigem Einkommen erklären. Auch für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ist das Risiko, Fettleibigkeit zu entwickeln, erhöht, obwohl dies nicht in allen Ländern der Studie beobachtet werden konnte. Bemerkenswert ist auch, dass Kinder alleinerziehender Eltern eher zu Fettleibigkeit neigten als Kinder aus Familien mit beiden Elternteilen. Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil übergewichtig oder fettleibig war, neigten ebenso eher zu Übergewicht oder Fettleibigkeit.

Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Geschmackspräferenzen
Die IDEFICS-Wissenschaftler untersuchten auch die Geschmacksvorlieben von 1575 Kindern im Alter zwischen 6 und 9 Jahren. Jedem Kind wurden zwei Versionen eines Lebensmittels angeboten, und das Kind sollte dann jene Version wählen, die ihm lieber war. Die Lebensmittelpaare bestanden entweder aus zwei Crackern oder zwei Gläsern Apfelsaft, wobei ein Lebensmittel/Getränk jeweils ein normales Basisprodukt war, während das zweite modifiziert war. Bei den modifizierten Lebensmitteln handelte es sich einerseits um Cracker mit extra hohen Gehalten an Fett, Salz oder Mononatriumglutamat, andererseits um Apfelsaft mit Zuckerzusatz oder Geschmacksverstärkern. Wie sich herausstellte, bevorzugten übergewichtige oder fettleibige Kinder eher den Saft mit Zuckerzusatz als die normalgewichtigen Kinder. In gleicher Weise wählten mehr übergewichtige und fettleibige Kinder den Cracker mit hohem Fettgehalt. Jene Kinder, die den fettreichen Cracker bevorzugten, aßen auch während der Woche mehr fettreiche Speisen. Keines der Kinder zeigte eine Präferenz für Cracker mit extra hohem Salz- oder Mononatriumglutamatgehalt. Diese Ergebnisse fielen in allen an der Studie teilnehmenden europäischen Ländern gleich aus.

Sorge um Herzgesundheit muss früh beginnen
Die bereits bei Kleinkindern beobachtete hohe Prävalenz von Übergewicht und Fettleibigkeit wird sich im späteren Leben auf die Prävalenz von Herzerkrankungen auswirken. Die meisten fettleibigen Kinder bleiben auch als Erwachsene fettleibig. Zudem kommen viele dieser Kinder aus Familien mit einer Vorgeschichte an Herzkrankheiten. Deshalb ist es besonders wichtig, dass man bereits bei Kindern das Risiko für eine spätere Herzerkrankung ermittelt. Die Forscher der IDEFICS-Studie entwickelten ein Punkteschema zur Beurteilung des gehäuften Risikos für Herzkrankheiten, wobei Blutdruck, Blutzuckerwerte, Blutfette und Körpergewicht der Kinder berücksichtigt wurden. Mithilfe dieses Bewertungsschemas kann bereits im frühen Kindesalter abgeschätzt werden, wie hoch das Risiko einer Herzerkrankung im späteren Leben ist. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei einem signifikanten Anteil der im Rahmen der IDEFICS-Studie untersuchten Kinder bereits eine Häufung mehrerer Risikofaktoren für eine Herzerkrankung vorlag. Dies ist Anlass zur Sorge und zeigt, dass schon im frühen Kindesalter der Entwicklung von Fettleibigkeit vorgebeugt werden muss, da dies letztlich hilft, eine spätere Herzerkrankung zu verhindern.

Einzelheiten der Studie
Insgesamt nahmen 16224 Kinder im Alter zwischen 2 und 10 Jahren sowie deren Eltern an dieser großen, europaweit angelegten Studie teil.4 Folgende Länder beteiligten sich an der Studie: Belgien, Schweden, Estland, Deutschland, Ungarn, Spanien, Zypern und Italien. Somit waren die verschiedenen Regionen Europas gut vertreten. Die Forscher erhoben von Kindern und Eltern zahlreiche Daten, von einfachen Fragebögen zu Essgewohnheiten über Messungen von Blutdruck und Körpergewicht bis zu Blut- und Harnuntersuchungen. Von 5000 Kindern wurden DNA-Proben für genetische Studien gewonnen. Das Bündeln aller Informationen aus den verschiedenen Forschungszentren stellte eine große Herausforderung dar, vor allem bei der Gestaltung der Ernährungsumfrage, da zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede hinsichtlich der Verfügbarkeit von Lebensmitteln und der Ernährungsmuster bestehen. Den Forschern gelang es jedoch, alle Messungen aus den verschiedenen Ländern so zu standardisieren, dass eine hohe Datenqualität erreicht werden konnte und ein Vergleich zwischen den einzelnen Ländern möglich war. Solche standardisierten Messungen sind besonders wichtig, da sie auch für zukünftige multinationale Studien herangezogen werden können.

Die Endphase der IDEFICS-Studie
Die IDEFICS-Studie geht weiter und befindet sich nun in der Endphase. Derzeit untersuchen die Forscher, inwieweit die Ernährungsmuster der Kinder das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit beeinflussen. Erfasst werden übliche Ernährungsmuster, die in der Folge daraufhin analysiert werden, ob sie im Zusammenhang mit Gewichtsveränderungen bei diesen europäischen Kindern stehen. So sollen Ernährungsempfehlungen abgeleitet werden, die Kindern eher erlauben, ihr Normalgewicht zu halten.

Außerdem werden die Forscher anhand der angelegten Gendatenbank untersuchen, inwieweit ein genetisch bedingter Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und damit verbundenen Erkrankungen wie Insulinresistenz besteht, wobei weitere Lebensstilfaktoren berücksichtigt werden.

Schließlich werden die Forscher nach der Implementierung verschiedener Veränderungen in Ernährung und Lebensweise die Kinder noch länger- fristig beobachten. Sie möchten herausfinden, welche Veränderungen wirksam sind und welche Initiativen am meisten zur Prävention von Übergewicht, Fettleibigkeit und damit verbundenen Krankheiten beitragen. Auf diese Weise wird man nach Abschluss der Studie in der Lage sein, neue Präventionsstrategien einschliesslich Richtlinien und Empfehlungen herauszugeben.

Weitere Informationen
www.ideficsstudy.eu
IDEFICS bedankt sich für die grosszügige finanzielle Unterstützung durch das Sechste Rahmenprogramm der Europäischen Kommission, Vertragsnummer 016181-2.

Literatur

  1. Food Today n° 57 (2007). Ein gesunder Lebenswandel – Die Entwicklung einer europäischen Interventionsstrategie. Verfügbar unter www.eufic.org/article/de/page/FTARCHIVE/artid/gesund-Lebenswandel-Entwicklung-europaeische-Interventionsstrategie/ 
  2. Food Today n° 63 (2008). Förderung von gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität bei Kindern. Verfügbar unter: www.eufic.org/article/de/page/FTARCHIVE/artid/Foerderung-von-gesunder-Ernaehrung-und-koerperlicher-Aktivitaet-bei-Kindern/ 
  3. Identification and prevention of dietary- and lifestyle-induced health effects in children and infants. Int J Obes 35(s1). Verfügbar unter: http://www.nature.com/ijo/journal/v35/n1s/index.html?WT.ec_id=IJO-201104
  4. W Ahrens, K Bammann, A Siani, K Buchecker, S De Henauw, L Iacoviello, A Hebestreit, V Krogh, L Lissner, S Mårild, D Molnár, L A Moreno, Y P Pitsiladis, L Reisch, M Tornaritis, T Veidebaum and I Pigeot on behalf of the IDEFICS Consortium. (2011). The IDEFICS cohort: design, characteristics and participation in the baseline survey. Int J Obes 35:S3-S15; doi:10.1038/ijo.2011.30
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Letzte Aktualisierung der Website: 17/04/2014
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