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FOOD TODAY 03/2004

Orthorexia nervosa – wenn gesundes Essen nicht länger gesund ist

Food TodayZunehmend ist eine neue Art der Essstörung zu beobachten, bei der die Betroffenen eine Besessenheit für eine gesundheitsfördernde Ernährung entwickeln. Laut der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung nimmt die Häufigkeit dieser als “Orthorexie” oder “Orthorexia nervosa” (vom griechischen “orthos” = richtig und “orexis” = Appetit) bezeichneten neuen Essstörung bedenkliche Ausmaße an.

Im Bestreben, sich von einer bestimmten Essstörung zu kurieren, oder einfach nur aus einem extremen Verlangen nach einer gesunden Ernährung, entwickeln die von Qrthorexia nervosa Betroffenen ihre eigenen spezifischen Essgewohnheiten. Die Ausarbeitung eines den selbst auferlegten Ernährungsvorschriften folgenden Diätplans nimmt zunehmend Zeit in Anspruch und die Betroffenen müssen ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus planen. Sie neigen dazu, beim Ausgehen eine “Überlebensration” ihrer eigenen Lebensmittel mitzunehmen, da sie aus Furcht vor Fett, Chemikalien oder anderen speziellen Phobien die sonst überall erhältlichen Lebensmittel nicht essen können.

Eine starke Willenskraft ist notwendig, um die eigenen Regeln einzuhalten. Orthorektiker haben ein hohes Selbstgerechtigkeitsgefühl und fühlen sich anderen, die sich nicht im gleichen Maße selbst kontrollieren, überlegen. “Jemand der den ganzen Tag damit verbringt nur Tofu und Quinoa Kekse zu essen, kann sich so heilig fühlen wie jemand, der sein ganzes Leben der Unterstützung der Obdachlosen gewidmet hat” sagt Dr. Steve Bratman, der die Orthorexie 1997 als erster beschrieb. Werden die Essschwüre jedoch gebrochen und erliegen sie dem Verlangen nach einem “verbotenem” Essen, fühlen sie sich schuldig und schändlich. In der Folge bestrafen sie sich mit immer strikteren Essensregeln oder gar Abstinenz. Dieses Verhalten ähnelt dem von Mager- oder Fettsüchtigen, mit dem Unterschied, dass bei Othorektikern nicht die Menge des Essens im Vordergrund steht, sondern die angenommene Qualität der Lebensmittel.

In Europa werden wir unaufhörlich mit Informationen überschüttet, was “gut” und was “schlecht” für uns ist. Lebensmittelskandale und die zunehmenden Bio-Lebensmittel machen den Verbrauchern die Entscheidung über ihre Lebensmittelwahl noch komplexer. Dr. Bettina Isenschmid, Beraterin für Essstörungen am Berner Inselspital glaubt, dass diese Fokussierung auf gute und schlechte Lebensmittel problematisch ist und zu einem zunehmend gestörten Verhältnis zu Lebensmitteln in der westlichen Welt führt. Gesundheitsaspekte sind heutzutage für viele Europäer ein wesentlicher Aspekt bei der Menüplanung. Doch wie kommen wir zu einer richtigen Balance zwischen gesunder Ernährung und zwanghaftem „Gesundessen“?

Wie bei Ernährungsfragen üblich, ist auch hier Maßhalten angesagt. Änderungen in den Ernährungsgewohnheiten sollten langsam vollzogen werden und zum Lebensstil und dem Geschmack der betroffenen Person passen. Eine gesündere Ernährung sollte einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, ohne die Freuden des Lebens und der Geselligkeit bei Tisch einzuschränken. Um herauszufinden, ob jemand nur auf eine gesunde Ernährung achtet oder bereits eine Besessenheit entwickelt, sollten Sie den „Bratman Test für Orthorexie“ probieren (siehe Kasten).

Weitere Informationen:

Französisches Institut für Gesundheitserziehung: www.ineps.sante.fr
Schweizerische Vereinigung für Ernährung: www.sve.org
Auszüge aus dem Buch “Health Food Junkie” von Dr. Steve Bratman: http://www.orthorexia.com/

Der Bratman Test für Orthorexie
  • Denken Sie mehr als 3 Stunden am Tag über Ihre Ernährung nach?
  • Planen Sie Ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus?
  • Ist Ihnen der ernährungsphysiologische Wert Ihrer Mahlzeit wichtiger als die Freude an deren Verzehr?
  • Hat die Steigerung der angenommenen Lebensmittelqualität zu einer Minderung Ihrer Lebensqualität geführt?
  • Sind Sie in letzter Zeit mit sich strenger geworden?
  • Steigert sich Ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung?
  • Verzichten Sie auf Lebensmittel, die Sie früher gerne gegessen haben, um nun “richtige” Lebensmittel zu essen?
  • Haben Sie durch Ihre Essensgewohnheiten Probleme auszugehen und distanzieren Sie sich dadurch von Freunden und Familie?
  • Fühlen Sie sich schuldig wenn Sie von Ihrer Diät abweichen?
  • Fühlen Sie sich glücklich und unter Kontrolle wenn Sie sich gesund ernähren?

Wenn Sie 4 oder 5 dieser Fragen bejahen, ist es Zeit mehr Gelassenheit in Bezug auf Ihre Ernährung zu zeigen. Wenn Sie alle Fragen bejahen haben Sie bereits eine Besessenheit für gesunde Lebensmittel entwickelt

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Ernährungsbedingte Krankheiten, Körperliche Aktivität, Essverhalten, Lebensmittelwahl
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EUFIC, das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel, ist eine gemeinnützige Organisation, die den Medien, Gesundheits- und Ernährungsfachleuten, Erziehern und meinungsbildenden Einrichtungen wissenschaftlich fundierte Informationen über Nahrungsmittelsicherheit und -qualität sowie Gesundheit und Ernährung auf eine für Konsumenten verständliche Weise liefert.

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Letzte Aktualisierung der Website: 25/05/2016
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