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EUFIC REVIEW 10/2012

Vorteile und Sicherheit von kalorienarmen Süßstoffen

Kalorienarme Süßstoffe werden zum Teil als moderne Inhaltsstoffe betrachtet, obwohl sie bereits seit über einem Jahrhundert verwendet werden. In Europa und auf der ganzen Welt unterliegen kalorienarme Süßstoffe ebenso wie andere Lebensmittelzusatzstoffe einem strengen Bewertungsprozess. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit legt Grenzwerte für die zulässige tägliche Aufnahme fest und überprüft neue Hinweise auf etwa auftretende Sicherheitsprobleme. Diese Sicherheitsmaßnahmen können die Öffentlichkeit dahingehend beruhigen, dass zugelassene kalorienarme Süßstoffe unbedenklich sind.
 
1. Was sind kalorienarme Süßstoffe?
 
Kalorienarme Süßstoffe sind Inhaltsstoffe, die um ein Vielfaches süßer als Zucker (Saccharose) sind. Beispiele dafür sind unter anderem Acesulfam-K, Aspartam, Saccharin, Stevia und Sucralose, die jeweils zwischen 150- und 600-mal süßer als Saccharose sind, und Neotam, das zwischen 7.000- und 13.000-mal süßer ist (Tabelle 1). Die Süßungsintensität von kalorienarmen Süßstoffen ist von ihrer jeweiligen Süßkraft und der Konzentration abhängig, in der sie verwendet werden. Der Kaloriengehalt variiert zwischen 0 und 4 Kilokalorien pro Gramm, aber alle erzeugen in der Praxis sehr wenige Kalorien, weil sie den Produkten nur in winzigen Mengen hinzugefügt werden. Kalorienarme Süßstoffe findet man hauptsächlich in Erfrischungsgetränken, Nachspeisen, Molkereiprodukten, Süßwaren, Kaugummis und heißen Schokoladengetränken. Die meisten davon sind auch als Süßstoffe für den Esstisch erhältlich und werden in Tee und Kaffee oder anderen Nahrungsmitteln verwendet, wie beispielsweise Obst und Frühstückscerealien.
  
Tabelle 1: Beispiele für kalorienarme Süßstoffe 
 
Name
Süßkraft im Vergleich zu Saccharose
Entdeckungsjahr
In der EU
 verwendet seit
 
Acesulfam-K (E950)
150-200-mal süßer
1966
1983
Aspartam (E951)
150-200-mal süßer
1965
1983
Cyclamat (E952)
30-50-mal süßer
1937
1954
Neotam (E961)
7.000-13.000-mal süßer
1990
2010
Saccharin (E954)
300-400-mal süßer
1879
1887
Stevia (E960)
200-300-mal süßer
1901*
2011
Sucralose (E955)
 
400-600-mal süßer
 
1976
2000
 
*Steviolglycoside sind die natürlichen süßen Komponenten in den Blättern der Stevia-Pflanze
 
 Kalorienarme Süßstoffe gibt es bereits seit über einem Jahrhundert. Saccharin wurde 1879 von Constantin Fahlberg entdeckt, einem Chemiker an der Johns Hopkins University in den USA. In Zeiten der Zuckerknappheit wurde es in großem Umfang verwendet, beispielsweise im Ersten Weltkrieg. In einigen Ländern wurden Erfrischungsgetränke nach 1945 mit Kombinationen aus Saccharose und Saccharin gesüßt, aber die Diät- und Light-Getränke haben erst Anfang der 80er Jahre Beliebtheit errungen, als Aspartam eingeführt wurde. Innerhalb der letzten dreißig Jahre ist der Verkauf von kalorienarmen Erfrischungsgetränken in Europa um mehr als das 15-fache gestiegen.1 In einigen Ländern sind die kalorienarmen Versionen bekannter Marken zu Verkaufsschlagern geworden.
 
Kalorienarme Süßstoffe werden in den unterschiedlichsten Nahrungsmitteln und Getränken und aus den unterschiedlichsten Gründen eingesetzt. Unter anderem legen die Verbraucher Wert darauf, ihr Gewicht zu kontrollieren, und die Hersteller wollen eine Auswahl verschiedener Kaloriengehalte in ihren Produkten anbieten. Ein weiterer Grund ist der verbesserte Geschmack kalorienarmer Süßstoffe. Während es bei den frühen Süßstoffen gewisse Geschmacksprobleme gab, insbesondere bei Verwendung als einziger Süßstoff in einem Produkt, hat die Einführung der neueren kalorienarmen Süßstoffe das Geschmacksprofil verbessert. Außerdem werden Mischungen verschiedener Süßstoffe verwendet, weil dies ein höheres Maß an Süßkraft erbringt, als von der Menge der enthaltenen Einzelsüßstoffe geboten: das Ganze ist mehr als die Summe aller Teile.
 
Neben den kalorienarmen Süßstoffen werden auch Polyole in Süßwaren, Kaugummi und Nachspeisen verwendet. Polyole, wie beispielsweise Maltiol, Isolmalt, Sorbitol, Mannitol und Xylitol, haben ca. 2,4 Kilokalorien pro Gramm (8,4 kJ/g), im Gegensatz zu den 4 Kilokalorien pro Gramm (16,8 kJ/g) in Diätzuckern und Sacchariden. Die Ausnahme bildet Erythritol, ein Füllsüßstoff mit 0 Kalorien, der in Europa seit 2006 zugelassen ist.2 Das Polyol soll in den Produkten nicht nur die Süße ersetzen, sondern auch viele andere funktionale Eigenschaften von Zucker übernehmen, unter anderem das Gefühl im Mund, die Farbe, den Aufbau und die Eigenschaften im Hinblick auf den Feuchtigkeitsrückhalt.
 
2. Die Rolle in der Ernährung
 
Menschen sind von Geburt an prädisponiert, den süßen Geschmack zu erkennen und zu bevorzugen.3 Dies und die angeborene Ablehnung von Bittergeschmack werden als die physiologischen Anpassungen betrachtet, die es den Frühzeitmenschen gestatteten, zwischen potenziell gefährlichen und potenziell nahrhaften Nahrungspflanzen zu unterscheiden. Muttermilch erhält ihren süßen Geschmack größtenteils aus den darin enthaltenen 7,2 % Laktose (Milchzucker). Im Vergleich dazu: Apfelsaft und Orangensaft enthalten fast 10 % Zucker. Studien haben gezeigt, dass innerhalb der gesamten Kindheit eine hohe Bevorzugung von süßem Geschmack besteht, die zum Ende der Jugend bis ins Erwachsenenalter abnimmt.4 Menschen aller Altersgruppen haben jahrhundertelang ihre Nahrungsmittel mit Honig und Früchten gesüßt.
 
Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von erschwinglichen Nahrungsmitteln im zwanzigsten Jahrhundert, und dies insbesondere in höchster Qualität, verschwanden die Probleme, die mit dem Kalorienmangel in der Ernährung zusammenhingen, fast völlig aus den entwickelten Ländern. Gleichzeitig wurden viele Bereiche im Leben der Menschen weniger arbeitsintensiv, was dazu führte, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung mehr Kalorien aufnahm, als er verbrannte. Dies ist der wichtigste Grund für das zunehmende Auftreten von Übergewicht und Fettsucht, die spezielle Auswirkungen auf die Gesundheit haben und bis heute ein großes Problem darstellen. In diesem Kontext und angesichts des angeborenen Wunsches der Menschen nach süßem Geschmack können Nahrungsmittel und Getränke mit kalorienarmen Süßstoffen einen sinnvollen Beitrag zur Ernährung leisten.
 

Gewichtskontrolle

Für eine erfolgreiche Gewichtsreduzierung muss ein Energiedefizit innerhalb einer gesunden, ausgeglichenen Ernährung geschaffen werden, indem man eine niedrigere Energieaufnahme mit einem höheren Energieverbrauch kombiniert. Eine erfolgreiche langfristige Diät profitiert auch von der Einbindung schmackhafter Nahrungsmittel und Getränke, und für viele Menschen sind gesüßte Produkte ein wichtiger Teil davon. Produkte, in denen einige oder alle Kalorien durch den Einsatz von kalorienarmen Süßstoffen reduziert werden, können gewichtsbewussten Verbrauchern eine praktische Lösung bieten, die auf der im Endprodukt realisierten Kalorienreduzierung basiert.
 
Es gibt immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass kalorienarme Nahrungsmittel und Getränke die Gewichtskontrolle der Menschen unterstützen.5-10 In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde festgestellt, dass der Austausch von beigefügtem Zucker durch Süßstoffe in kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken sich vorteilhaft auf den BMI (Body Mass Index) auswirkt.6 Darüber hinaus ergab eine Überprüfung (bei der 16 randomisierte kontrollierte Studien untersucht wurden), dass die Auswahl von Nahrungsmitteln und Getränken mit Aspartam anstatt der normal gezuckerten Produkte zu einer Reduzierung der Energieaufnahme und des Körpergewichts führt (der geschätzte Gewichtsverlust für einen Erwachsenen mit einem Gewicht von 75 kg betrug 0,2 kg/Woche).7,8 Die Bedeutung randomisierter kontrollierter Studien wurde vor kurzem hervorgehoben.11 Darüber hinaus können kalorienarme Süßstoffe die Einhaltung der Diät unterstützen, weil damit mehr Auswahl und Vielfalt möglich wird.
 
Obwohl wissenschaftliche Belege darauf hindeuten, dass kalorienarme Nahrungsmittel und Getränke die Gewichtskontrolle der Menschen unterstützen, muss darauf hingewiesen werden, dass kalorienarme Nahrungsmittel allein keine Lösung für die Fettleibigkeit darstellen, weil sie den Appetit nicht unterdrücken.8 Aus diesem Grund ist es wichtig, dass kalorienarme Nahrungsmittel und Getränke einen Teil einer ausgeglichenen Ernährung und eines gesunden Lebensstils bilden, einschließlich regelmäßiger sportlicher Aktivität. Dieser Ansatz wird in der Literatur bekräftigt.8,9
 

Diabetes

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden mehr als 346 Millionen Menschen weltweit unter Diabetes, wobei Typ-2-Diabetes die häufigere Form ist.12 Die Ernährungsberatung für Menschen mit Diabetes entspricht den Empfehlungen für gesundes Essen für die allgemeine Öffentlichkeit. Die Rückkehr zu einem gesunden Körpergewicht ist jedoch für Diabetiker extrem wichtig, weil sie dazu beiträgt, ihre höheren Risikofaktoren auszugleichen, wie beispielsweise Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 
Untersuchungen haben ergeben, dass die Verwendung von kalorienarmen Süßstoffen Menschen mit Typ-2-Diabetes helfen kann, ihr Körpergewicht zu kontrollieren.13,14 Produkte wie beispielsweise Erfrischungsgetränke, Joghurt, Nachspeisen und Süßwaren mit kalorienarmen Süßstoffen spielen eine große Rolle bei der Bereitstellung unterschiedlicher Kalorienbereiche innerhalb der Nahrungsmittelkategorien, wodurch den Menschen eine breitere Auswahl für die Ernährung bereitsteht. Organisationen wie die American Diabetes Association und Diabetes UK legen dar, dass mit kalorienarmen Süßstoffen gesüßte Produkte dazu beitragen können, das Verlangen nach Süßem zu regeln, ohne die Blutzuckerpegel zu gefährden. Diesbezüglich wird geraten, die Gesamtzusammensetzung von Produkten auf verbleibende glykämische Zutaten zu überprüfen, aber auch auf die tatsächlich aufgenommenen Kalorien zu achten.
 
In der Medizin ist man sich allgemein einig, dass kalorienarme Süßstoffe die Nahrungsmittelauswahl verbessern können,. Sie ermöglichen Menschen mit Diabetes, süße Nahrungsmittel und Getränke zu genießen und dabei ihre Blutzuckerkontrolle nicht zu beeinträchtigen.14-17
 

Zahngesundheit

Zahnkaries wird durch mangelnde Mundhygiene verursacht, wenn Saccharide im Mund durch natürlich vorkommende Bakterien zersetzt werden, wobei Säure produziert wird. Ein Teil dieser Säure kann durch Speichel neutralisiert werden, aber wenn keine ausreichende Zahnhygiene besteht, verursacht die verbleibende Säure eine Demineralisierung der Zähne und führt zu Karies. Kalorienarme Süßstoffe können jedoch nicht durch Mundbakterien in Säuren umgewandelt werden. Aus diesem Grund tragen sie nicht zur Zahnfäule bei.18 Wenn Sie eine vollständige Mahlzeit zu sich nehmen, können aber auch andere Komponenten der Nahrungsmittel zur Zahnfäule beitragen, die Mundhygiene bleibt also von großer Wichtigkeit.
 
Kalorienarme Süßstoffe unterstützen nicht nur die Zahngesundheit, sondern können auch genutzt werden, um den Geschmack von Zahncremes, Mundwassern und Fluorid-Ersatz zu verbessern, wodurch diese allgemein mehr verwendet werden.  Und tatsächlich hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Behauptung bestätigt, dass Kaugummi mit kalorienarmen Süßstoffen dazu beiträgt, die Zahnmineralisierung beizubehalten und Säuren zu neutralisieren.19
  
3. Sicherheit
 

Zulässige Tagesdosis (Acceptable Daily Intake, ADI), Regulierung und Zulassung

Alle kalorienarmen Süßstoffe in der europäischen Nahrungsmittelproduktion wurden strengen Sicherheitstests unterzogen. Die Zulassung und die Nutzung von kalorienarmen Süßstoffen werden, wie alle anderen Nahrungsmittelzusätze, auf EU-Ebene abgeglichen und durch die Beratung von der EFSA gesteuert. Die Hersteller von Inhaltsstoffen können sich erst an die EFSA wenden, um einen kalorienarmen Süßstoff bewerten zu lassen, nachdem umfangreiche Sicherheitstests durchgeführt wurden. Der Antrag muss technische Details zu dem Produkt enthalten, ebenso wie umfangreiche Daten aus Sicherheitsstudien. Bei der von der EFSA vorgenommenen Sicherheitsbewertung wird eine zulässige Tagesdosis (ADI) für jeden kalorienarmen Süßstoff festgelegt. Der ADI ist ein Leitfaden für die Menge eines kalorienarmen Süßstoffs, die während der Lebensdauer eines Menschen bedenkenlos täglich konsumiert werden kann. Er wird als Bruchteil (normalerweise ein Hundertstel) der Menge berechnet, die sich in Tierversuchen als sicher herausgestellt hat. Studien bestätigen, dass die Menge des tatsächlich aufgenommenen kalorienarmen Süßstoffs unter dem ADI liegt.20
 
Nachdem ein Lebensmittelzusatz von der Europäischen Kommission zugelassen wurde, erhält er eine E-Nummer (E steht für Europa). Die E-Nummer ist deshalb ein Hinweis, dass ein Inhaltsstoff zugelassen wurde und sicher für den menschlichen Verbrauch ist. Dies hilft, Sprachbarrieren in einem so vielfältigen Markt wie der Europäischen Union zu überwinden. Alle zugelassenen kalorienarmen Süßstoffe haben eigene E-Nummern im Bereich E900-999.
 

Behauptungen zu nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit

In den letzten Jahrzehnten wurde immer wieder behauptet, dass kalorienarme Süßstoffe zahlreiche negative Auswirkungen auf die Gesundheit hätten. In den Medien und online werden vereinzelt Berichte veröffentlicht, die nicht fundiert sind, die Verbraucher aber zweifeln lassen, ob kalorienarme Süßstoffe wirklich sicher sind. Die Verantwortlichkeit, neue Beweise zur Sicherheit im Hinblick auf Nahrungsmittelzutaten zu überprüfen, fällt in den Aufgabenbereich der EFSA, und die Meinungen zu Süßstoffen werden bei Bedarf überprüft. Der Rat der EFSA für die Europäische Kommission bleibt unverändert: Die Verwendung von zugelassenen kalorienarmen Süßstoffen in Nahrungsmitteln und Getränken innerhalb der zulässigen Tagesdosis stellt keine Bedrohung der menschlichen Gesundheit dar.
 
Eine der Unterstellung im Hinblick auf kalorienarme Süßstoffe ist, dass sie mit Krebs beim Menschen in Verbindung gebracht werden können. Diese Bedenken werden jedoch von ausreichend kontrollierten Studien nicht gestützt. Beispielsweise hat ein italienisches Forscherteam die Aufnahme von kalorienarmen Süßstoffen bei Patienten mit unterschiedlichen Krebsformen ausgewertet.21 Daten wurden über einen Zeitraum von 13 Jahren und zu fast 9.000 Fällen gesammelt und mit Daten aus Kontrollstudien verglichen. Nach Berücksichtigung anderer Faktoren, wie beispielsweise Rauchen, wurde das Krebsrisiko nicht mit dem Verbrauch von kalorienfreien Süßstoffen in Verbindung gebracht. Bei der Einordnung des Verbrauchs kalorienarmer Süßstoffe nach dem Süßstofftyp (z. B. Saccharin, Aspartam usw.) gab es ebenfalls keine signifikanten Zuordnungen zu irgendwelchen Krebsarten.
 
Die am häufigsten verwendeten kalorienarmen Süßstoffe sind Saccharin und Aspertam. Die Sicherheit von Saccharin wurde in den frühen 70er Jahren nach Tierversuchen in Frage gestellt, die ein vermehrtes Auftreten von Blasenkrebs aufzeigten. Nachfolgende Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Wirkung spezifisch für männliche Ratten und nicht relevant für den Menschen war. Epidemiologische Studien haben nachfolgend keine signifikante Verknüpfung zwischen dem Verbrauch von Saccharin und Blasenkrebs ergeben, selbst bei Personen mit hohem Verbrauch. Die Forschung in den letzten 25 Jahren hat die Hypothese nicht gestützt, dass Saccharin Krebs beim Menschen verursacht.22
 
Auch Aspartam wurde in Frage gestellt, insbesondere in Europa, nachdem man bei Tierversuchen in Italien festgestellt hatte, dass es eine mögliche Verknüpfung zwischen Aspartam und Lymphdrüsenkrebs bei Ratten gab. Die EFSA führte detaillierte Überprüfungen der Daten durch und kam zu dem Ergebnis, dass die Forschung maßgebliche Mängel aufwies und die Untersuchungen keinen Beweis dafür erbrachten, dass Aspertam Krebs verursacht. Die Meinung der EFSA zur Sicherheit von Aspartam für den menschlichen Konsum blieb damit unverändert und die EFSA bestätigte, dass der ADI von 40 mg/kg Körpergewicht angemessen sei.23 Dieses Ergebnis wurde durch weitere Überprüfungen bestätigt.24,25 Darüber hinaus arbeitete die EFSA im Mai 2010 mit einer Gruppe nationaler Experten aus EU-Ländern zusammen, um alle veröffentlichten Unterlagen zu Aspartam seit 2002 zu überprüfen. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, dass keine neuen Belege identifiziert worden waren, aufgrund derer die EFSA die frühere Meinung hätte revidieren müssen, dass Aspartam sicher für die Verwendung in Nahrungsmittel- und Getränkeprodukten bei Aufnahmen unterhalb des ADI ist.26
 
Aspartam sollte jedoch von Personen mit der seltenen genetische Erkrankung namens Phenylketonurie (PKU) vermieden werden. Etwa eine von 10.000 Personen ist davon betroffen. Aspartam enthält zwei Aminosäuren, eine davon ist Phenylalanin. Phenylalanin ist eine essenzielle Aminosäure, d. h. wir müssen sie über unsere Ernährung aufnehmen, um gesund zu bleiben. Menschen, die unter PKU leiden, können Phenylalanin nicht vollständig umwandeln und müssen eine spezielle Diät einhalten, um zu wachsen und sich normal zu entwickeln. Phenylalanin ist in den meisten Proteinen enthalten, und Aspartam stellt eine geringfügige Quelle dar. Dennoch werden Produkte, die mit Aspartam gesüßt sind, als Phenylalaninquelle gekennzeichnet. Für Menschen, die nicht unter PKU leiden, ist Phenylalanin ein normaler und wesentlicher Bestandteil der Ernährung.
 
4. Ansichten von Verbrauchern
 
Laut einer 2009 von Harris Interactive für Tate & Lyle in fünf europäischen Ländern durchgeführten Umfrage achten Verbraucher auf gesunde Nahrungsmittel, wollen jedoch nicht auf den Geschmack verzichten.27 Für die Untersuchung wurden 18 bis 65 Jahre alte Personen in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien befragt. Mehr als die Hälfte wünschten sich gesunde Produkte, die ihnen helfen, ihr Gewicht zu kontrollieren, und nur 20 % erklärten, dass sie auf Geschmack verzichten würden, um ein gesünderes Produkt zu erhalten. In diesem Kontext können wohlschmeckende Produkte mit kalorienarmen Süßstoffen maßgeblich dazu beitragen, die Menschen bei einer reduzierten Kalorienaufnahme zu unterstützen.
 
In einer 2010 von der EFSA durchgeführten Eurobarometer-Umfrage zu Risikothemen wurden über 26.600 Verbraucher im Alter von über 15 Jahren in 27 Mitgliedstaaten befragt.28 Auf die Frage nach speziellen Bedenken wurden zahlreiche Themen genannt, ohne dass ein Problem besonders hervorgetreten wäre. Nur 9 % der Verbraucher sagten aus, dass Nahrungsmittelzusätze ein Risiko darstellten (im Vergleich zu 19 %, die das Vorhandensein von chemischen Produkten, Pestiziden und toxischen Substanzen erwähnten, was die häufigste aller Antworten war).  Analog dazu wurden bei einer von der UK Food Standards Agency in 2012 durchgeführten Studie 2.141 Personen befragt, ob und wenn ja, welche Bedenken sie beim Thema Nahrungsmittel haben.29 28 % der Befragten nannten Zusätze; auf die Frage nach einer weiteren Ausführung spezifischer Bedenken nannte jedoch keiner von ihnen kalorienarme Süßstoffe.
 
Alle kalorienarmen Süßstoffe werden, ebenso wie alle anderen in der EU zugelassenen Nahrungsmittelzusatzstoffe, von der EFSA streng bewertet. In diesen Bewertungen werden die Ergebnisse aller wissenschaftlichen Untersuchungen sorgfältig überprüft und nach der Veröffentlichung relevanter neuer Studien aktualisiert. Auf diese Weise ist die Sicherheit zugelassener kalorienarmer Süßstoffe durch unabhängige Behörden garantiert. Im Fall von Aspartam basiert sie auf über 200 Untersuchungen. Kalorienarme Süßstoffe können deshalb als wertvolles und sicheres Hilfsmittel betrachtet werden, das den Verbrauchern die Möglichkeit bietet, Nahrungsmittel und Getränke mit unterschiedlichem Kaloriengehalt auszuwählen.
 
5. Die Zukunft
 
Es werden ständig neue Süßstoffe entwickelt. Ein neuer kalorienarmer Süßstoff ist Advantame, hergestellt aus einer Kombination aus Aspartam und der Vanille-Komponente Vanillin. Advantame wurde als Nahrungsmittelzusatzstoff in Australien und Neuseeland zugelassen (gemäß GMP).30 Seine Verwendung als Nahrungsmittelzusatzstoff wird auch von der US Food and Drug Administration31 und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft.32
 
Aufgrund der detaillierten rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Bewertung und Zulassung können wir also darauf vertrauen, dass kalorienarme Süßstoffe ein sicherer Bestandteil unserer Ernährung sind. Nahrungsmittel und Getränke mit kalorienarmen Süßstoffen werden weiterhin ein zunehmender Bestandteil der Ernährung in Europa sein und schaffen Auswahlmöglichkeiten für Menschen, die weniger Kalorien verbrauchen und ein gesundes Gewicht halten wollen.
 
References
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Nachtrag Januar 2014:
Die jüngste Bewertung von Aspartam durch die EFSA erfolgte am 10. Dezember 2013. Sie bildet einen Teil der Neubewertung aller Lebensmittelzusatzstoffe, die in der EU vor dem 20. Januar 2009 zugelassen wurden.
 
Die EFSA kam zu dem Schluss, dass Aspartam und seine Abbauprodukte im Körper (Phenylanalin, Asparaginsäure und Methanol) bei dem derzeitigen Zufuhrniveau für den menschlichen Verzehr unschädlich ist, und dass die derzeit zulässige Tagesdosis (Acceptable Daily Intake / ADI) von 40 mg pro kg Körpergewicht für die allgemeine Bevölkerung geeignet ist. Allerdings gilt die obige zulässige Tagesdosis (ADI) nicht für Patienten, die an Phenylketonurie (PKU) leiden, da sie auf eine strikte Einhaltung einer an Phenylanalin armen Ernährung angewiesen sind. Was Schwangerschaften betrifft, bemerkte die EFSA, dass durch die Exposition gegenüber Phenylanalin aus Aspartam bei der derzeit zulässigen Dosis (ADI) kein Risiko für den sich entwickelnden Fötus besteht (mit Ausnahme von Frauen, die an PKU leiden). Die EFSA stellt außerdem klar, dass die Abbauprodukte von Aspartam auch in anderen Lebensmitteln natürlich vorkommen, Methanol beispielsweise findet sich in Obst und Gemüse. Der Beitrag von Abbauprodukten von Aspartam zur gesamten Ernährung ist gering.
 
Für weitere Informationen:
 
 
Diese Pressemitteilung ist verfügbar in 11 Sprachen auf www.eufic.org (Czech, German, English,  Greek, Spanish, French, Hungarian, Italian, Polish, Portuguese and Slovak).
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Letzte Aktualisierung der Website: 26/05/2016
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