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Fettleibigkeit: Aktuelle Forschungsergebnisse

Fettleibigkeit und ihre Folgen bedrohen Gesundheit und Lebensqualität von immer mehr Menschen in Europa. Die Regierungen der einzelnen Länder und die Europäische Kommission haben daher umfangreiche Mittel ausgewiesen, um zu ermitteln, wie sich die negative Entwicklung umkehren lässt. Der Wissensstand über körpereigene Systeme zur Gewichtskontrolle und deren genetische Beeinflussung ist zwar bereits sehr hoch. Aber die aktuelle Zunahme von Fettleibigkeit wird überwiegend durch Lebensstil, Ernährungsweise und das Maß an körperlicher Bewegung bedingt. Daher gilt es nun, mehr über die genauen Faktoren herauszufinden, die Fettleibigkeit begünstigen. Diese Daten dienen wiederum als Basis für vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle von der EU geförderte Forschungsprojekte auf diesem Gebiet.

Ernährung im frühen Kindesalter

Man nimmt an, dass die Ernährung im Mutterleib und in der frühen Kindheit den späteren Gesundheitszustand und die weitere Entwicklung des Kindes beeinflussen. Insgesamt drei Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Ernährung der Mutter und des Kindes. Ziel ist zu ermitteln, wie die Ernährungsweise in den ersten Lebensjahren das Risiko, später fettleibig zu werden oder an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Geisteskrankheiten zu erkranken, begünstigt. Das Projekt EARNEST untersucht dabei den Mechanismus, der die Weichen für die Gesundheit im Erwachsenenalter stellt und ob sich dieses festgeschriebene Programm ändern oder umkehren lässt. Im Rahmen des NUTRIX-Projektes wurde erforscht, wie das Wachstum von Föten unter ungünstigen pränatalen oder postnatalen Ernährungsbedingungen zur Ausprägung von Fettleibigkeit im Erwachsenenalter führt. Die EU Childhood Obesity Group untersucht, wie der Proteingehalt von Säuglingsnahrung mit den frühen Einflussfaktoren für Fettleibigkeit zusammenhängen könnte.

Ernährung im Jugendalter

Die Teenagerjahre sind eine Phase der Veränderung und viele lebenslange gesunde und ungesunde Gewohnheiten bilden sich in dieser Zeit heraus. Gerade deshalb ist das Jugendalter ein wichtiger Zeitpunkt, um ein positives Gesundheitsverhalten und einen gesunden Lebensstil zu entwickeln und zu unterstützen. Das Projekt HELENA ist darauf angelegt, die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten von europäischen Jugendlichen zu erfassen und weiterzuentwickeln. Im Rahmen der dreijährigen Studie untersucht das Projektteam insbesondere Bewegungsverhalten, Lebensmittelauswahl und Vorlieben beim Essen. Das daraus gewonnene Wissen soll die Entwicklung von effektiveren, computergestützten Lernmitteln für die Zielgruppe ermöglichen.

Zusammensetzung der Ernährung

Die Hauptnährstoffzusammensetzung der Ernährung, deren Auswirkung auf die Gewichtsregelung in Wechselwirkung mit den Genen ist nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema. In diesem Bereich sind zurzeit mehrere Projekt aktiv. So erforscht DIOGENES die Rolle von Kohlenhydraten - und dabei insbesondere den glykämischen Index (GI) - sowie von Proteinen bei der Prävention von Gewichtszunahme und speziell dem Jojo-Effekt nach einer Diät. Der GI gibt an, wie schnell der Blutzuckerspiegel nach Aufnahme eines bestimmten Lebensmittels im Vergleich zu einem Standardlebensmittel steigt und gibt damit an wie schnell Kohlenhydrate verdaut und in den Blutkreislauf aufgenommen werden. LIPGENE dagegen ermittelt, ob die Zusammensetzung von Nahrungsfetten die Insulinresistenz beeinflusst und ob dieser Prozess wiederum durch einen Gendefekt gesteuert wird. Insulinresistenz ist eine der ungünstigen Auswirkungen von Fettleibigkeit.

Verhaltensaspekte

Um herauszufinden, welche Testpersonen durch eine Gewichtszunahme besonders gefährdet sind, schließen viele der Studien psychologische und/oder Verhaltensaspekte mit ein. Die Factors in Healthy Eating Studie befasst sich ganz speziell mit den sozialen, psychologischen und genetischen Gegebenheiten, die einen Menschen für Essstörungen prädisponieren. Das Projekt hat bereits Risiko- und Schutzfaktoren bei Einzelpersonen und in Familien ermittelt, die für eine Gewichtsabnahme bei jungen fettleibigen Patienten relevant sind. Auch sind bereits potenzielle Gene, die Menschen anfällig für Essstörungen machen könnten, identifiziert.

Künftige Strategie

Zukünftige Gesundheitsmaßnahmen werden von den Ergebnissen der Studien beeinflusst werden. Die Forschungsresultate werden

  • dazu beitragen, die optimale Ernährung für Mütter und Kinder zu finden, so dass die Kinder keinen Phänotyp entwickeln, der sie prädisponiert zuviel zu essen und fettleibig zu werden;
  • das Wissen über das optimale Gleichgewicht von Energieaufnahme und körperlicher Aktivität sowie die Umstände unter denen Gewichtszunahme und anderen chronischen Krankheiten vorgebeugt werden kann, stärken;
  • es ermöglichen, Personen mit einem hohen Risiko für Essstörungen zu identifizieren und ihnen zu helfen;
  • uns zeigen, wie Jugendliche motiviert werden können, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Projekten und zum aktuellen Stand der Forschung gibt es auf jeweiligen Internetseiten (siehe unten).

 

Weiterführende Links:

  • EARNEST (Frühkindliche Programmierung der Ernährung)
    www.metabolic-programming.org
  • NUTRIX (Ernährung und Syndrom X)
    www.nutrix.be
  • EU Childhood Obesity group (Fettleibigkeit bei Kindern: frühe Programmierung durch frühkindliche Ernährung?)
    www.childhood-obesity.org
  • HELENA (Gesunder Lebensstil in Europa durch Ernährung in der Jugend)
    www.helenastudy.com
  • DIOGENES (Das Fettleibigkeitsproblem im Visier: die Suche nach neuen Erkenntnissen und Herangehensweisen zur Vorbeugung)
    www.diogenes-eu.org
  • LIPGENE (Ernährung, Genomics und das Metabolische Syndrom: eine ganzheitliche Analyse von Ernährung, Landwirtschaftlichen Erzeugnissen, sozialen und ökonomischen Aspekten)
    www.lipgene.tcd.ie

FOOD TODAY 06/2006

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

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