Seit nahezu 50 Jahren ist bekannt, dass pflanzliche Sterole und Stanole, auch Phytosterole und Phytostanole genannt, den Blutcholesterinspiegel senken können, indem sie die Absorption von Cholesterin im Darm teilweise blockieren. Inzwischen sind sie in einer Reihe von Lebensmitteln für diejenigen verfügbar, die ihren Cholesterinspiegel senken wollen.
Pflanzensterole und Pflanzenstanole besitzen eine dem Cholesterin sehr ähnliche chemische Struktur. Natürlicherweise findet man Sterole in geringen Mengen in Gemüse, Früchten, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Pflanzenölen und anderen pflanzlichen Quellen. Daneben sind sie elementarer Bestandteil pflanzlicher Zellmembranen. Stanole werden in Spuren in ähnlichen Lebensmitteln gefunden, für den kommerziellen Gebrauch werden sie allerdings durch die Hydrogenese von pflanzlichen Sterolen gewonnen. Bei einer typischen westeuropäischen Ernährungsweise werden täglich etwa 20-50 mg Stanole und 150-400 mg Sterole aufgenommen. In diesen geringen Mengen haben sie keine bedeutenden klinischen Effekte auf die Cholesterinabsorption.
Der Nutzen von Sterolen und Stanolen liegt im Senken der Blutcholesterinwerte
Die Beziehung zwischen einem erhöhten Blutcholesterinspiegel, im Besonderen erhöhtes LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein) und einem erhöhten Risiko koronarer Herzkrankheiten (CHD) ist wissenschaftlich belegt. Durch eine gesunde, ausgewogene Ernährungsweise (niedrig an gesättigten Fetten und Cholesterin mit einer optimaler Zufuhr an Omega-3 und Omega-6 mehrfach-ungesättigten Fettsäuren, aber reich an Obst und Gemüse) und regelmäßige körperliche Aktivität, können der Cholesterinspiegel und damit kardiovaskuläre Risiken reduziert werden.
Durch zahlreiche klinische Studien gibt es umfangreiche Belege dafür, dass pflanzliche Sterole und Stanole sowohl den Gesamtcholesterinspiegel als auch das LDL-Cholesterin senken können, indem sie die Absorption des Cholesterins teilweise verhindern. Dieser Effekt kann zusätzlich durch Maßnahmen wie der Einhaltung einer fettreduzierten Diät und/oder dem Einsatz von cholesterinsenkenden Mittel wie Statinen verstärkt werden.
Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass eine Senkung des Blutcholesterinspiegels durch den täglichen Verzehr von 1-3g Pflanzensterolen oder Stanolen erreicht werden kann. Bei einem Verzehr von über 3g konnte hingegen keine weitere Senkung des Cholesterinspiegels nachgewiesen werden. Ein täglicher Verzehr von 2g Pflanzensterolen oder Pflanzenstanolen führt zu einer 10%igen Senkung des LDL-Cholesterins. Eine 15%ige Senkung des LDL-Cholesterins kann durch die Kombination des Verzehrs von 2g Pflanzensterolen oder Pflanzenstanolen und einer herzfreundlichen Ernährungsweise mit geringen Anteilen gesättigter Fettsäuren erzielt werden. Basierend auf epidemiologischen Daten schätzt man, dass eine 10%ige Senkung des LDL-Cholesterins das lebenslange Risiko koronarer Herzkrankheiten um 20% senken kann.
Sicherheitsaspekte
Ein umfassendes Sicherheitsbewertungs-Programm (und eine Anerkennung von Pflanzensterolen als Novel Food) sowie umfassende Erfahrungen mit dem sicheren Einsatz seit 1999 in verschiedenen europäischen Ländern haben die Sicherheit von Pflanzensterolen und Pflanzenstanolen bestätigt.
Allerdings kann der tägliche Verzehr von 2-3g Sterolen und Stanolen über einen Zeitraum von einem bis zwölf Monaten zu einer geringen Abnahme des Carotinoidgehaltes im Plasma führen. Dies kann jedoch durch den Verzehr einer carotinoidreichen Ernährung mit einem hohem Gehalt an dunkelgrünem, gelben und orangenem Obst und Gemüse (empfohlene 5 Portionen am Tag) ausgeglichen werden.
Produktregulationen und Kennzeichnungsaspekte
Da der tägliche Verzehr von über 3g Sterolen und Stanolen im Ergebnis nicht zu einer weiteren Cholesterinsenkung führt und zudem die Beta-Carotin-Werte im Blut senken kann, empfiehlt das wissenschaftliche Komitee für Lebensmittel (Scientific Commitee on Food), Verzehrsmengen von über 3g am Tag vorsorglich zu vermeiden. Als Ergebnis hat die Europäische Kommission den Zusatz von pflanzlichen Sterolen und Stanolen zu einer Reihe von Lebensmitteln wie Margarinen, Salatdressings, Milch, fermentierter Milch, Jogurt und käseartigen Produkten, Soja-Getränke und würzige Soßen zugelassen. Dabei müssen sie so erhältlich sein, dass sie leicht in Portionen zu je maximal 3g am Tag (wenn eine Portion am Tag verzehrt wird) oder je 1g (wenn 3 Portionen am Tag verzehrt werden) geteilt werden können.
Die Kennzeichnungsrichtlinie der Kommission besagt, dass jedes Produkt das Pflanzensterole oder Pflanzenstanole enthält, klar als solches gekennzeichnet sein sollte. Ebenfalls sollten sie mit Erklärungen über ihre Verträglichkeit und Verwendung versehen sein (beispielsweise: Verzehr hauptsächlich gedacht für Personen, die Ihren Blutcholesterinspiegel senken möchten; Patienten die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, sollten das Produkt nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden; das Produkt ist ernährungsphysiologisch ungeeignet für die Ernährung schwangerer und stillender Frauen sowie Kindern unter 5 Jahren).
Literatur
- De Jong, Plat, J and Mensink, RP (2003) Metabolic effects of plant sterols and stanols (review). Journal of Nutritional Biochemistry, 14: 362-9.
- European Commission (2002) General view of the Scientific Committee on Food on the long-term effects of the intake of elevated levels of phytosterols from multiple dietary sources, with particular attention to the effects of beta-carotene.
- Katan, MB, Grundy, SM, Jones P et al (2003) Efficacy and safety of plant stanols and sterols in the management of blood cholesterol levels. Mayo Clinic Proceedings, 78: 965-78.
- Law, M (2000) Plant sterol and stanol margarines and health. Lancet 320: 861-4.
FOOD TODAY 09/2005