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FOOD TODAY 05/2008

„Sucht“ oder „Gier“ nach Lebensmitteln?

Food TodayEinige Menschen glauben, dass fett- oder zuckerreiche Nahrung süchtig machen und somit die Verbraucher zu übermäßiger Nahrungsaufnahme und zu Fettleibigkeit verleiten kann. Bedeutet dies, dass Nahrung auf dieselbe Art betrachtet werden sollte wie Alkohol oder Zigaretten? Oder handelt es sich eher um eine Verwechslung von „Sucht“, „Gier“ und „Essstörung“?

Warum wird im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme manchmal von „Sucht“ gesprochen?

Sucht bedeutet zwanghafte Aufnahme einer Substanz, ihren unkontrollierten Konsum sowie das Vorhandensein von Entzugserscheinungen (wie Ängstlichkeit oder Reizbarkeit), wenn der Zugang zu der Substanz nicht möglich ist. Menschen, die an Essstörungen wie „Heißhungerattacken“, Bulimia nervosa und Anorexia nervosa leiden, neigen dazu, Symptome zu zeigen, die denen ähneln, wenn der Körper auf Drogenkonsum bzw. auf zwanghaftes Essen reagiert.

Es wird angenommen, dass für das Gefühl von Lust, das bei der Aufnahme von Nahrung sowie beim Drogenkonsum entsteht, gemeinsame Leitungsbahnen im Gehirn verantwortlich sind. So haben Studien mit Laborratten ergeben, dass durch die wiederholte, übermäßige Aufnahme von Zucker Dopamin-Rezeptoren im Gehirn sensibilisiert werden können (Dopamin wird im Gehirn hergestellt, wenn wir Lust empfinden), was auf ähnliche Art auch beim Missbrauch illegaler Drogen geschieht. Studien an Menschen mittels bildgebender Verfahren, welche die Darstellung der Strukturen und Funktionen des Gehirns ermöglichen, weisen auf Ähnlichkeiten der physiologischen Antworten hin, wie sie bei der Vorfreude auf schmackhafte Nahrung einerseits und auf illegale Drogen andererseits gegeben werden. So wird zum Beispiel Dopamin in jeweils denselben Hirnregionen freigesetzt.

„Esssucht“ Meist unzutreffend

Trotz dieser Gemeinsamkeiten zwischen Essen und Drogenkonsum sollten die meisten als „Esssucht“ klassifizierten Fälle nicht als Suchtverhalten betrachtet werden. Essen ist ein komplexes Verhalten, in das neben dem Lust-Belohnungs-System viele verschiedene Hormone und Mechanismen im Körper einbezogen sind. Die neueste Forschung hat aufgezeigt, wie unterschiedlich einige Neurotransmitter auf Drogen oder intensiven Drang nach Essen reagieren.1 Nebenbei bemerkt: Geradezu jedes Lustgefühl, das wir erfahren – Schönheit, Musik, Sex, sogar Anstrengung – ist mit ähnlichen Dopaminwogen verbunden wie sie durch eine fettreiche Mahlzeit entstehen. Da wir das jedoch Lust und nicht Sucht nennen, haben Wissenschaftler andere Erklärungen vorgeschlagen. Das starke Verlangen nach lusterzeugender Nahrung (wie Schokolade) steht im Konflikt mit der kulturell auferlegten Begrenzung der Nahrungsaufnahme, so dass das Verlangen nach dem Nahrungsmittel stärker betont wird und somit als Sucht gedeutet werden kann (z. B. sog. „Schokoholismus“). Es könnte aber auch sein, dass das Gehirn einiger Individuen Nahrungsreize ähnlich wie Suchtreize verarbeitet, so dass es einen stärkeren Trieb gibt, unterschiedliche Mengen oder Arten von Nahrung aufzunehmen.

Essgier und Essstörungen

Der Begriff „Essgier“ ist oft angemessener als „Esssucht“. Es ist „ein intensives Verlangen, ein bestimmtes Nahrungsmittel oder einen bestimmten Nahrungstyp zu konsumieren, dem zu widerstehen schwierig ist“. Eigentlich kommt Essgier häufig vor. Fast alle Frauen und die meisten Männer erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine Art Essgier. Am häufigsten hört man von der Gier nach Schokolade (40 % der Frauen) oder, eher allgemein, nach fettreicher, zuckerreicher oder kohlenhydratreicher Nahrung.

Essgier ist bedeutsam, da sie eine Rolle beim exzessiven Essen wie bei Heißhungerattacken, Bulimie oder Fettleibigkeit spielen kann, wobei das Ausmass offen bleibt. Es gibt verschiedene Theorien zur Erklärung der Beziehung zwischen Essgier und Essstörungen; je nach Autor legen sie die Betonung auf den physiologischen Haushalt, auf Lernmechanismen samt sensorischer Aspekte der Nahrung oder auf andere psychologische Prinzipien, die mit Emotionen zu tun haben. Beispielsweise wurde angenommen, dass Individuen in ihrer Bemühung, die Stimmung zu heben, Kohlenhydrate verspeisen – der zugrunde liegende Mechanismus ist eine Erhöhung des Serotoninspiegels im Gehirn (Serotonin ist eine Substanz, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Stimmung und Appetit spielt). In ähnlicher Weise ging man von der Annahme aus, dass psychoaktive Substanzen in der Schokolade Gier verursachen, jedoch wurde anhand von Forschungen nachgewiesen, dass sensorische Eigenschaften der wichtigste Bestimmungsfaktor für das Verlangen nach Schokolade zu sein scheinen.

Was bedeutet das für die meisten Menschen?

Auch wenn der Begriff „Sucht“ unangemessen ist, richtet er das Denken auf einen wichtigen Aspekt des gesunden Essverhaltens, nämlich die Fähigkeit, die Kontrolle über die eigene Ernährung aufrechtzuerhalten.

Während Bewegung und gesunde Essgewohnheiten im allgemeinen die besten Mittel sind, um gesund zu bleiben, könnten aktuelle neurowissenschaftliche Forschungen und die Tatsache, dass der die Nahrungsaufnahme am stärksten beeinflussende Gehirnkreislauf auch den peripheren Lipidstoffwechsel regelt, Gesundheitsexperten dabei helfen, Menschen besser zu unterstützen, deren Essgewohnheiten im Widerspruch zu ihren Absichten stehen.2

Literatur

  1. Fallon S et al (2007). Food reward-induced neurotransmitter changes in cognitive brain regions. Neurochemical Research 32: 1772-1782.
  2. Nogueiras R et al (2007). The central melanocortin system directly controls peripheral lipid metabolism. The Journal of Clinical Investigation. doi:10.1172/JCI31743
  3. Rada P, Avena NM and Hoebel BG (2005). Daily bingeing on sugar repeatedly releases dopamine in the accumbens shell. Neuroscience. 134:737-44.
  4. Rogers PJ and Smit HJ (2000). Food Craving and Food «Addiction». A Critical Review of the Evidence From a Biopsychosocial Perspective. Pharmacology Biochemistry and Behaviour. 66:3-14.
  5. Yanovski S (2003). Symposium: Sugar and Fat-From Genes to Culture. Sugar and Fat: Cravings and Aversions. Journal of Nutrition 133:835S-837S.
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Letzte Aktualisierung der Website: 17/04/2014
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