Die IDEFICS-Studie (Identification and prevention of Dietary- and lifestyle-induced health EFfects In Children and infantS) ist eine kürzlich gestartete 5-jährige epidemiologische Studie, die an verschiedenen Zentren europaweit durchgeführt und von der Europäischen Kommission finanziert wird. Diese Studie konzentriert sich auf Kinder im Alter von 2-10 Jahren und zielt auf ein besseres Verständnis der vielschichtigen Ursachen von Übergewicht und Fettleibigkeit im Kindesalter sowie auf die Prävention dieser Probleme und der daraus resultierenden Erkrankungen.
Die Langzeitfolgen der seit kurzem festgestellten dramatischen Zunahme von Übergewicht und Fettsucht bei Kindern in ganz Europa sind noch nicht abzusehen. Experten rechnen jedoch bei Kindern und Erwachsenen mit einer gleichzeitigen Zunahme der Verbreitung des metabolischen Syndroms (auch als X-Syndrom oder Insulinresistenz-Syndrom bezeichnet, eine Verknüpfung von Zuständen, wie abdominal betonte Fettleibigkeit, anormale Blutfette und/oder Blutzuckerwerte und/oder Bluthochdruck) sowie damit in Zusammenhang stehender Krankheiten, wie Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Um diese Zunahme von ernährungs- und lebensstilbedingten Erkrankungen zu verlangsamen und aufzuhalten, ist ein besseres Verständnis der Ätiologie notwendig. Außerdem muss erforscht werden, welche kulturellen, sozialökonomischen und lebensstilbedingten Umstände in Europa Auswirkungen auf das Körpergewicht haben und wie eine gesunde Lebensweise erlernt und Verhaltensmuster umgestellt werden können. Die Lösungen sollten europaweit anwendbar und kulturell anpassungsfähig sein.
Besseres Verständnis
Die Aktivitäten der IDEFICS-Studie sind auf zwei Bereiche ausgerichtet. Der erste Bereich zielt darauf ab, mehr über Ernährungsfaktoren, die soziale Umgebung und den Lebensstil zu erfahren, die sich auf die Gesundheit der Kinder in Europa auswirken. Dazu werden in neun Zentren groß angelegte Umfragen von Kindern im Alter von 2-4 Jahren und 6-8 Jahren durchgeführt. Diese finden zu Beginn der Studie und anderthalb Jahre später erneut statt. Eine dritte Umfrage zu spezifischen Fragen erfolgt nach zwei Jahren. Über Fragebögen für die Eltern, die körperliche Untersuchung und die Messung von Biomarkern der Kinder werden umfangreiche Informationen gesammelt. Es werden voraussichtlich 17.000 Kinder an der Hauptstudie teilnehmen, wobei in Untergruppen ausführlichere Daten durch weitere Studien ermittelt werden.
Geeignete Interventionsmethoden
Der zweite Bereich richtet sich auf die Entwicklung, Implementierung, Auswertung und Überprüfung verschiedener spezifischer Interventionsmethoden zur Reduzierung von ernährungs- und lebensstilbedingten Krankheiten und Beschwerden. Standardisierte, aber kulturell anpassungsfähige Interventionsmethoden werden in acht Zentren implementiert. Die Ergebnisse werden dann mit Bereichen verglichen, die keiner Intervention unterzogen wurden. Es kommen verschiedene Ansätze in Bezug auf Ernährung, sportliche Betätigung und Stressbewältigung zum Einsatz, wobei insbesondere benachteiligte Gruppen, etwa Personen aus sozial schwächeren Verhältnissen, allein erziehende Eltern und Einwandererfamilien, berücksichtigt werden. Ausgehend von Kindergarten und Schule werden auf mehreren Ebenen, wie Gemeinschaft, Schule, Haushalt und Einzelpersonen, Aktivitäten durchgeführt, und alle Programme werden sorgfältig ausgewertet, um Informationen zu Wirkung, Kosten, praktischem Nutzen, Durchführbarkeit und Akzeptanz zu erhalten.
Weitreichendes Fachwissen
Die Koordination des Projekts erfolgt durch das Bremer Institut für Präventivforschung und Sozialmedizin (Universität Bremen), das über Experten in Epidemiologie, Ernährungswissenschaft, Public Health Nutrition und Sozialwissenschaft verfügt. Die Partner des Instituts bereichern das Projekt um Fachwissen in folgenden Bereichen: Psychologie, Pädiatrie, Genetik, Ernährung, Lebensmitteltechnik und sensorische Wahrnehmung, Sport, Bioethik, Staatsphilosophie, Gesundheitswesen und Consumer Science.
Erwartete Ergebnisse
Die Forschungspartner arbeiten darauf hin, in einem Zeitraum von fünf Jahren nützliche und praktische Informationen zu sammeln, um Kinder dabei zu unterstützen, einen gesunden Lebensstil zu pflegen und das Risiko von Fettleibigkeit und den damit verbundenen Erkrankungen während der Kindheit oder im späteren Leben zu reduzieren. Es werden unter anderem folgende Ergebnisse angestrebt:
• Erhebung von Daten zu ernährungs- und lebensstilbedingten Krankheiten und deren Hauptrisikofaktoren, die einen europaweiten Vergleich ermöglichen,
• Informationen zu Risikofaktoren und Ursachen, wie Biomarker zu Belastungen, Auswirkungen und genetischen Faktoren,
• Kenntnisse zu internen und externen Auslösern der Nahrungsmittelauswahl von Kindern,
• Erarbeitung effektiver und kulturell anpassungsfähiger Interventionsstrategien, die europaweit im großen Rahmen angewandt werden können,
• Leitlinien zu Ernährung, Verhalten und Ethik für Entscheidungsträger, Mediziner und andere Interessenvertreter.
Referenz
Identification and prevention of Dietary- and lifestyle-induced health EFfects In Children and infantS (IDEFICS). European Commission Sixth Framework Programme. Contract n° 016181 (FOOD)
FOOD TODAY 05/2007