Die größte Aufmerksamkeit in Bezug auf Ernährung und Gesundheit richtete sich bisher auf das, was wir essen und wie dies das Risiko für verschiedene Krankheiten beeinflussen kann. Die Auswirkung körperlicher Aktivität auf die Gesundheit wurde traditionell wenig berücksichtigt. Dies ändert sich zusehends. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass sich Bewegung positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirkt und das Risiko chronischer Krankheiten senkt.
In einer kürzlich von EUFIC herausgegebenen Studie zu den Vorteilen körperlicher Aktivität weist Professor Ken Fox von der Universität Bristol (UK) darauf hin, dass Menschen, die vor allem im mittleren bis reifen Alter angemessen aktiv sind, einem nur halb so hohen Risiko eines verfrühten Todes oder schwerer Krankheit ausgesetzt sind. Der schützende Effekt körperlicher Ertüchtigung ist sogar vergleichbar mit dem des Nicht-Rauchens. Die Vorteile körperlicher Aktivität sind vielfältig und umfassen:
Verringertes Übergewichtsrisiko
Es gibt zunehmend Hinweise dafür, dass geringe körperliche Aktivität einer der Hauptfaktoren für ein zunehmendes Risiko für Übergewicht ist. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass ein aktiver und sportlicher Lebenswandel dazu beiträgt, Übergewicht zu vermeiden. Insbesondere scheint körperliche Aktivität gegen das typischerweise in mittlerem Alter auftretende Übergewicht zu helfen.
Geringeres Herzkrankheitsrisiko
Das Risiko eine Herzkrankheit zu bekommen ist für Menschen mit aktivem Lebensstil und angemessener sportlicher Betätigung nur halb so groß wie für Stubenhocker. Auch übergewichtige Menschen, die aktiv sind, haben ein kleineres Risiko an Herzkrankheiten oder Diabetes zu erkranken, als diejenigen, die keinerlei Sport treiben.
Diabetes
Mangelnde Bewegung ist einer der Hauptrisikofaktoren für Typ 2 Diabetes. Bei körperlich sehr aktiven Menschen liegt das Risiko an Diabetes zu erkranken um 33-50 Prozent niedriger. Bei Diabetespatienten wurde gezeigt, dass durch Sport die Blutzuckerwerte unter Kontrolle gehalten werden können.
Geringeres Krebsrisiko
Mäßige bis starke körperliche Aktivität senkt das Risiko an Darm-, Lungen oder Brustkrebs zu erkranken.
Muskel- und Knochengesundheit
Regelmäßige Bewegung führt zu stärkeren Muskeln, Sehnen und Bändern und festeren Knochen. Man hat herausgefunden, dass viele Sportarten (wie Joggen, Inline Skating und Tanzen) die Knochendichte Heranwachsender verbessern, die Knochendichte Erwachsener erhalten und den Verlust an Knochenmasse, der üblicherweise mit dem Alter auftritt (Osteoporose), verlangsamen kann.
Geistige Gesundheit
Zahlreiche Studien belegen, dass körperliche Aktivität das psychologische Wohlbefinden, die Art, in der wir mit Stress umgehen, und die Arbeitsweise unseres Gehirns (wie das Treffen von Entscheidungen, Planen und Kurzzeitgedächtnis) verbessert, Angstgefühle verringert und gesunde Schlafmuster fördert. Klinische Studien liefern Beweise dafür, dass Sport zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden kann. Bei älteren Menschen kann körperliche Aktivität helfen, das Risiko von Demenz und Alzheimer zu verringern.
Wieviel Sport brauchen wir?
Frühere Empfehlungen schrieben für die meisten Menschen ein tägliches Minimum von 20 Minuten recht intensiver körperlicher Aktivität vor. Heute, zwanzig Jahre später, haben Wissenschaftler und Gesundheitsexperten festgestellt, dass diese Art von Sport den meisten Menschen zu viel abverlangt. Man hat außerdem herausgefunden, dass man sich gar nicht so sehr anstrengen muss, um einen gesundheitlichen Nutzen aus körperlicher Aktivität zu ziehen.
Neuen Empfehlungen aus Großbritannien und den USA zufolge, sind regelmäßige Dosen sportlicher Aktivität von eher mittlerer Intensität anzuraten. Beispielsweise fördert tägliches 30 minütiges Laufen bei flottem Tempo die physische und mentale Gesundheit. Sport in mehreren kleineren Einheiten - etwa 2 oder 3 Mal je 10 Minuten - ist fast genau so effektiv wie die gleiche Aktivität an einem Stück. Dies lässt sich beim heutigen geschäftigen Lebensstil auch leichter realisieren. Für diejenigen, die geplante sportliche Aktivität verabscheuen oder keinen Sport treiben können, kann eine Verringerung der im Sitzen zugebrachten Tätigkeiten genau so förderlich sein. Wenn man einfach täglich nur eine Stunde lang steht, anstatt Fernsehen zu schauen, verbraucht man pro Jahr den Gegenwert von 1-2 kg Fett.
Übergewichtige Menschen sollten bei der Wahl ihrer körperlichen Aktivität mit Bedacht vorgehen um Gelenkschäden zu vermeiden. Schwimmen und Radfahren sind Beispiele für nicht gewichtsbelastende sportliche Aktivitäten und sind für stark übergewichtige Menschen die bessere Wahl.
Ein längeres Leben und mehr Lebensqualität
Man hat herausgefunden, dass regelmäßige körperliche Aktivität unser Leben um Jahre verlängern kann, indem das Krankheitsrisiko gemindert wird und auch die Lebensqualität (verbesserte mentale Gesundheit, Flexibilität und Ausdauer) verbessern kann. In der laufenden Forschung wird der körperlichen Aktivität und ihrer Rolle für die Gesundheit wesentlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden als in den vergangenen Jahren.
Für weitere Informationen lesen Sie den gesamten Bericht.
Literatur
- Biddle, S.J.H., Fox, K.R., & Boutcher, S.H. (2000). Physical activity and psychological well-being. London: Routledge.
- Blair, S.N. & Hardman, A. (1995). Special issue: Physical activity, health and well-being - an international scientific consensus conference. Research Quarterly for Exercise and Sport, 66 (4).
- Lee, I.M., & Skerritt, P.J. (2001). Physical activity and all-cause mortality: what is the dose-response relation? Medicine and Science in Sports and Exercise, 33, (Supp 6) S459-471..
- Lund Nilsen, T.I., & Vatten, L.J. (2001). Prospective study of colorectal cancer risk and physical activity, diabetes, blood glucose, and BMI: exploring the hyperinsulinemia hypothesis. British Journal of Cancer, 84, 417-422.
FOOD TODAY 06/2006