Neue Forschungsergebnisse zeigen, welch entscheidende Rolle Mütter bei der Weitergabe vernünftiger Eßgewohnheiten an ihre Kinder, speziell an ihre Töchter, spielen.
Wenn Mütter zu Hause eine gesunde Einstellung zur Ernährung fördern, dann orientieren sich Kinder auch daran. Je früher man damit beginnt, desto besser, denn Kinder beginnen sehr schnell, von den Eltern zu lernen.
Die Vorliebe von Mädchen für Mode und Schminkgewohnheiten der Mutter ist ebenso gut dokumentiert wie der mütterliche Einfluß bei ihrer Einstellung in punkto Lebensmittel. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, daß bei übergewichtigen Müttern mit Kindern im Vorschulalter Gewichtsprobleme bei Töchtern im Vergleich zu Söhnen signifikant häufiger auftreten. Es zeigt sich, daß Eßgewohnheiten der Mütter vor allem an die Töchtergeneration weitergegeben werden.
Der Tatsache, daß die "Ernährungsgeschichte" der Mutter die "Ernährungszukunft" der Tochter werden kann, wird immer mehr Beachtung geschenkt. Diesen Zusammenhang finden Verhaltensforscher übrigens nicht weiter überraschend. Dr. Andrew Hill, Dozent für Verhaltensforschung an der Universität von Leeds weist daraufhin, wie wichtig es ist, daß Erwachsene sich vergegenwärtigen, wie leicht ihr Verhalten und ihre Meinungen von Kindern übernommen werden; ganz unabhängig davon, ob es sich um politische oder ethische Ansichten oder die Einstellung zu Essen und Gesundheit handelt.
Oft ist es gar nicht der direkte Einfluß, sondern auch unbewußt geäußerte Ansichten in punkto Essen. Eine Mutter mag ganz unbedarft sagen: - "ich hasse meine dicken Oberschenkel" - und sich anders ernähren als der Rest der Familie. Speziell Töchter setzen um, was sie sehen und hören, und machen schnell die Stellen an ihrem Körper aus, mit denen sie unzufrieden sind.
In anderen Fällen sind die Einflüsse sehr viel direkter und nicht nur auf die Mütter beschränkt. Familienmitglieder wünschen sich gut aussehende Töchter, und das bedeutet in den meisten Fällen vor allem erst einmal Schlanksein. Die 25 Jahre alte Nora Klein aus Bonn erinnert sich: "Meine Eltern waren wie die Ernährungs-Polizei. Beide beäugten bei jeder Mahlzeit kritisch, was ich aß; meine Mutter verhörte mich, was ich zwischendurch in der Schule gegessen hatte, und abends kontrollierte sie in der Küche, ob ich nach dem Abendessen noch mal am Kühlschrank war. Ich wurde regelrecht paranoid und kämpfe seitdem um eine vernünftige Einstellung zum Essen."
Auch die Medien und das gesellschaftliche Umfeld üben in gewisser Weise Druck auf Frauen und Mädchen aus: Nur wer schlank und fit ist, wird auch als gesellschaftsfähig angesehen. Wo auch immer der Einfluß herkommt, bewußt oder unbewußt aus dem persönlichen Umfeld oder aus Zeitschriften bzw. Fernsehen: Wichtig ist, daß den Müttern dieser Zusammenhang klar ist. Nur dann können die Eßgewohnheiten in vernünftige Bahnen gelenkt werden.
Literatur
- American Journal of Clinical Nutrition, April 99. Vol. 69 608-613. Like mother like daughter, familial patterns of overweight are mediated by mothers dietary disinhibitions. T. Cutting et al.
- Fisher JA, Birch 11. 3-5 year old children's fat preferences and fat consumption are related to parental adiposity. J Am Diet Assoc. 1995; 95: 759-764 .
FOOD TODAY 11/1999