Die viel beachtete Lebensmittelkrise, die Europa erschüttert, führte zu einer intensiven Diskussion über die Sicherheit unserer Lebensmittel. Sie war auch der Auslöser für die Schaffung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA). EFSA wird für die wissenschaftliche Bewertung von Risiken verantwortlich sein, während Entscheidungen über den Umgang mit Risiken Sache des europäischen Gesetzgebers und der europäischen Politiker bleiben wird. Risiken werden in einem Risikoanalyse genannten Rahmen bewertet und gemanagt. Dieser Artikel erklärt, was es mit dieser Risikoanalyse auf sich hat.
Sind wir uns darüber im Klaren, was wir mit “Risiko” meinen? Eine der Definitionen lautet „die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines nachteiligen Ereignisses, einer Gefahr oder eines Schadens und ihres Ausmaßes“. Risiken zu bewerten und zu entscheiden, wie mit ihnen in komplexen und umfangreichen Maßstäben der Europäischen Union am besten umgegangen wird, ist eine enorme Herausforderung. Es ist schwierig, alle Aspekte eines Risikos abzuschätzen oder alle Konsequenzen der Maßnahmen zu überblicken. Es wird dabei immer wieder Wissenslücken oder Unsicherheiten geben. Diesem soll die „Risikoanalyse“ vorbeugen. Die Risikoanalyse ist ein systematisches Verfahren, um Risiken umfassender zu bewerten, komplexe Zusammenhänge transparent zu machen und Unsicherheiten oder Wissenslücken anzusprechen. Dies erleichtert Entscheidungen für das Risiko-Management und die Risikokommunikation. Die Risikoanalyse setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Risikobewertung, Risikomanagement und Risikokommunikation.
Risk Assessment
In a food context, risks involve potential impacts on consumers. Possible hazards in foods are infectious micro-organisms, chemicals occurring as contaminants (e.g. cleaning compounds) or physical agents (e.g. glass). While all effort is made to minimise hazards occurring, food safety is not an absolute and hazards can occur. Risk assessment follows a structured approach to estimate the risk and to obtain insight in the factors that influence the risk in a positive or negative sense. A risk can be estimated in absolute terms (e.g. estimating the number of consumers getting ill per year from eating certain products) or in relative terms (e.g. comparing the safety of one product with that of another).
Risikobewertung
Im Zusammenhang mit Lebensmitteln schließen Risiken potenzielle Auswirkungen auf Verbraucher mit ein. Mögliche Gefahren in Lebensmitteln sind infektiöse Mikroorganismen, Verunreinigungen mit Chemikalien (z. B. Reinigungsmittel) oder mit Fremdkörpern (z. B. Glas). Auch wenn alles zur Gefahrenminimierung getan wird, ist eine absolute Lebensmittelsicherheit nie gegeben und Gefährdungen können auftreten. Die Risikobewertung folgt einem strukturiertem Ansatz, das Risiko einzuordnen und einen Einblick in die das Risiko positiv oder negativ beeinflussenden Faktoren zu bekommen. Ein Risiko kann in absoluten Maßen geschätzt werden (z. B. durch Schätzen der Anzahl an Verbrauchern, die pro Jahr durch den Verzehr bestimmter Produkte erkranken), oder in relativen (z. B. durch Vergleich der Sicherheit des einen Produktes mit der eines anderen).
Risikomanagement
Risikomanager führen die Risikoanalyse durch. Sie entscheiden, ob eine Risikobewertung nötig ist, um ein Problem zu lösen, und unterstützen die Gutachter bei ihrer Arbeit. Wenn die Risikobewertung abgeschlossen ist, nutzen die Risikomanager die Ergebnisse um über den Umgang mit dem Risiko zu entscheiden. Wenn das Risiko reduziert werden muss, hat das Risikomanagement die geeignetste(n) Maßnahme(n) dafür zu wählen.
Risikokommunikation
Bei der Risikoanalyse sind verschiedene Arten der Kommunikation wichtig. Fachliche Diskussionen finden zwischen Gutachtern und Risikomanagern (Behörde, Politik, Handel und Industrie) statt. Wenn über den besten Umgang mit einem Risiko entschieden werden muss und wenn es zur Umsetzung der Entscheidungen kommt, ist die Kommunikation zwischen den Risikomanagern, der Öffentlichkeit und dem privaten Sektor sehr wichtig. Diese Diskussion ist weit weniger fachlich und kann zum Beispiel ökonomische, soziale und ethische Themen umfassen. Um eine Entscheidung zu treffen, die den Zielen aller Interessenvertreter entspricht und für alle akzeptabel ist, muss das Risikomanagement eine gute Risikokommunikation gewährleisten. Viele Menschen glauben, dass die Risikokommunikation nicht mehr sei als eine Art Public Relations-Maßnahme. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass sich die Risikokommunikation aus sich selbst heraus entwickelt hat, vor allem aus der Lehre über die Risikowahrnehmung. Die Lehre der Risikowahrnehmung beruht auf einer Vielzahl ursprünglich psychologischer Studien, die vor ungefähr 50 Jahren begannen und untersuchten, warum Menschen manche Risiken ander wahrnehmen als andere. Diese Forschungen zeigten, dass die Menschen auf unfreiwillig eingegangene Risiken besorgter reagieren als auf freiwillig eingegangene, und auch mehr auf technologische als auf natürliche Gefahren. Solche Ergebnisse nahmen erheblichen Einfluss auf die Risikokommunikation mit der Öffentlichkeit. Die ursprünglichen Strategien der Risikokommunikation verliefen von oben nach unten, zum Beispiel vom Gesetzgeber zur Öffentlichkeit. Heutzutage wird eine dialogische Kommunikationsform bevorzugt, die die Öffentlichkeit und die Interessenvertreter ermuntert, aktiv am Kommunikationsprozess mitzuwirken.
EUFIC verfolgt die Entwicklungen der Risikoanalyse im europäischen Lebensmittelbereich intensiv. Die Risikokommunikation ist für unsere Organisation von besonderem Interesse. Wir werden Ihnen darüber und über andere auf Risiken bezogene Aktivitäten in den folgenden Monaten berichten.
Referenzen
ILSI, Food Safety Management Tools, J.L.Jouve, M.F.Stringer and A.C. Baird Parker, April 1998
FOOD TODAY 06/2003