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FOOD TODAY 08/2010

Veränderung braucht Motivation

73_4_smallViele chronische Gesundheitsprobleme hängen mit veränderbaren Lebensweisen wie ungesunder Ernährung und mangelnder körperlicher Aktivität zusammen. Manche Verhaltensmuster sind jedoch besonders schwer zu ändern, auch wenn die betroffene Person erkennt, dass sie damit ihre Gesundheit gefährdet. Dem Gesundheitspersonal kommt eine entscheidende Rolle zu, wenn es darum geht, ihre Patienten zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Gute Ratschläge allein reichen jedoch nicht.
Motivierende Beratung

Traditionellerweise klingen die Ratschläge von Ärzten und Gesundheits- einrichtungen in Sachen gesunder Lebensweise immer eher nach „Anweisungen”, mit denen die Patienten bezüglich notwendiger Veränderungen informiert und instruiert werden.1 Während dieser autoritäre Ansatz für manche Menschen richtig sein mag, erhöht er bei anderen ungewollt deren inneren Widerstand.2

Eine nachhaltige Verhaltensveränderung lässt sich wirksamer erzielen, wenn man die Motivation dazu im Patienten selbst hervorruft, anstatt sie ihm aufzuzwingen.1 Das veränderte Verhalten muss an individuelle Belohnungen gekoppelt sein, die den Bedürfnissen, Interessen und Emotionen des einzelnen Patienten entsprechen. Patientenzentrierte Techniken wie motivierende Gespräche und gemeinsam erarbeitete Ziele tragen dazu bei, die innere Motivation zu stärken und nachweislich bessere Gesundheitserfolge zu erzielen.3-5 Solche Techniken ermutigen den Patienten zu eigenständigen Entscheidungen darüber, welche Veränderungen für ihn notwendig sind und wie er diese erreichen kann.

Bereit, willens und in der Lage

Jede Verhaltensveränderung ist ein schrittweiser Prozess, der über mehrere Phasen erreicht wird, die der Patient durchlaufen muss.6 Nicht alle Risiko- personen sind jedoch wirklich „bereit” für eine Veränderung, sodass diesbezügliche Interventionen für jedes Individuum entsprechend maßgeschneidert werden müssen. Das Problem bewusst zu machen und relevante Informationen in einer nicht konfrontierenden Art und Weise zu liefern, kann dazu beitragen, die Bereitschaft des Patienten für Veränderungen zu steigern.5

Gesundheitliches Verhalten ist bestimmt dadurch, inwieweit die Person damit verbundene Probleme versteht und sich bewusst ist, wie wichtig diese für ihre persönliche Situation sind. Um etwas verändern zu wollen, muss der Patient verinnerlicht haben, dass ihn seine Lebensweise für ein besonderes Gesundheitsproblem anfällig macht, dass das Problem potenziell ernst ist und dass der Nutzen aus einer Veränderung den damit verbundenen Aufwand bei weitem übersteigt.7 Auch soziale Faktoren wie gesellschaftliche Normen oder die Einstellung von Freunden und Familie können die Bereitschaft einer Person für eine Änderung der Lebensweise beeinflussen.

Versagensangst kann eine bedeutende Hemmschwelle für Veränderung sein. Das Gesundheitspersonal hat die wichtige Aufgabe, das Vertrauen der Patienten in ihre Fähigkeit, ein bestimmtes Ziel erreichen zu können, zu fördern. Dies beinhaltet nicht nur Bestärkung und konstruktives Feedback, sondern auch, den Menschen jene Fähigkeiten und Ressourcen an die Hand zu geben, die sie für einen Erfolg benötigen.

„Zielsetzung und Massnahmenplanung” beschreibt ein Werkzeug, das Patienten helfen kann, sich gesünder zu ernähren und sich mehr zu bewegen, insbesondere wenn dies in Zusammenarbeit mit einem Gesundheitsexperten erfolgt.4,8 Dabei sind Massnahmenpläne mit einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit vorzuziehen, denn sogar die kleinsten Erfolge können die Motivation und Selbstachtung der Patienten steigern. Als Richtlinie für das Stecken adäquater Ziele wurde die Abkürzung „SMART“ geschaffen. Die einzelnen Buchstaben stehen für die Kriterien, die bei der Zielsetzung zu beachten sind: S = spezifisch, M = messbar, A = angemessen, R = relevant und T = terminiert.9

Praktische Richtlinien
  • Identifizieren Sie das Zielverhalten, das der Gesundheit des Patienten förderlich ist.
  • Besprechen Sie den Zusammenhang zwischen Verhalten und Gesundheit und erörtern Sie, wie der Patient seine eigene Situation individuell wahrnimmt.
  • Ermitteln Sie die Bereitschaft des Patienten für Veränderungen basierend auf dem Grad seines inneren Widerstands, und passen Sie Ihre Beratung entsprechend an.
  • Vermeiden Sie jegliche wertenden oder konfrontativen Äußerungen und raten Sie bei hohem Widerstand nicht beharrlich zu Veränderung.
  • Erkennen und fühlen Sie mit den eigenen Motivationen, Gefühlen und Ansichten der Patienten. Ermuntern Sie Patienten, das Für und Wider einer Verhaltensveränderung in eigenen Worten auszudrücken und abzuwägen.
  • Leiten Sie Patienten bei der Formulierung ihres eigenen Aktionsplans, sobald sich der Entschluss zur Veränderung abzeichnet.
  • Bestärken Sie sie, sich SMART-Ziele (bis zu drei) zu setzen, basierend auf Verhaltenszielen, die sich leicht in die aktuelle Lebensweise integrieren lassen und bei denen eine hohe Erfolgschance besteht. Unterstützung durch Familie, Freunde oder andere Patienten kann zum Erreichen der gesetzten Ziele beitragen.
  • Erörtern Sie mögliche Hindernisse bei der Zielerreichung und zeigen Sie Lösungen auf zum Umgang mit diesen Problemen.
  • Stellen Sie verschiedene Informationsquellen zur Unterstützung des Patienten in diesem Prozess bereit. Personalisierte, computergenerierte Materialien können hilfreich sein.
  • Halten Sie persönlichen Kontakt, geben Sie Feedback und fördern Sie die eigenständige Überwachung der Fortschritte.
  • Seien Sie sich bewusst, dass Rückfälle häufig sind und keine Gefährdung des Gesamtprozesses bedeuten. Besprechen Sie Optionen für den Umgang des Patienten mit nicht erreichten Zielen.

Vom wertungsfreien, nicht autoritären Ton der genannten Motivationstechniken kann wahrscheinlich jeder Therapeut profitieren. Es sollte jedoch klar sein, dass der kompetente Einsatz dieser Motivationstechniken Zeit und Entschlossenheit erfordert. Interessierten Therapeuten wird geraten, sich für diese Aufgabe Anleitung und Training bei entsprechenden Experten zu holen.

Literatur
  1. Rollnick S et al. (2005). Consultations about changing behaviour. BMJ 331:961-963.
  2. Miller WR. (2005). Enhancing patient motivation for health behavior change. Journal of Cardiopulmonary Rehabilitation 25:207-209.
  3. Rubak S et al. (2005). Motivational interviewing: a systematic review and meta-analysis. British Journal of General Practice 55: 305-312.
  4. Handley M et al. (2006). Using Action Plans to Help Primary Care Patients Adopt Healthy Behaviors: A Descriptive Study. Journal of the American Board of Family Medicine 19:224-231.
  5. Britt E et al. (2004). Motivational interviewing in health settings: a review. Patient Education and Counseling 53:147-155.
  6. Prochaska JO et al. (1992). In search of how people change: Applications to addictive behaviours. American Psychology 47: 1102-1114.
  7. Elder JP et al. (1999). Theories and Intervention Approaches to Health-Behavior Change in Primary Care. American Journal of Preventive Medicine 17:275-284.
  8. MacGregor K et al. (2006). Behavior-Change Action Plans in Primary Care: A Feasibility Study of Clinicians. Journal of the American Board of Family Medicine 19:215-223.
  9. Siegert RJ and Taylor WJ. (2004). Theoretical aspects of goal-setting and motivation in rehabilitation. Disability and Rehabilitation 26:1-8.
ÜBER EUFIC
EUFIC, das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel, ist eine gemeinnützige Organisation, die den Medien, Gesundheits- und Ernährungsfachleuten, Erziehern und meinungsbildenden Einrichtungen wissenschaftlich fundierte Informationen über Nahrungsmittelsicherheit und -qualität sowie Gesundheit und Ernährung auf eine für Konsumenten verständliche Weise liefert.

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Letzte Aktualisierung der Website: 20/06/2016
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