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Müssen wir Angst vor dem Essen haben?

Essen wird heutzutage als gefährliche Angelegenheit betrachtet. Immer häufiger sorgen Nahrungsmittelskandale für Schlagzeilen, und es scheint, dass die Liste der Lebensmittel, die uns krank machen, stetig länger wird. Statistiken zur öffentlichen Gesundheit verzeichnen einen Anstieg der Erkrankungen, die durch Mikroorganismen in verdorbenen Lebensmitteln verursacht werden. Das tatsächliche Ausmaß der Erkrankungen scheint sogar noch höher zu liegen.

Sollten wir also Angst vor dem Essen haben? In Europa gibt es reichlich Nahrungsmittel von guter Qualität. Dank wissenschaftlicher Forschung, neuer Technologien und strikter Zulassungsbestimmungen ist der Verzehr weitgehend sicher. Warum machen wir uns dann so viele Sorgen? Jeder von uns muss essen. Das macht das Thema Essen so wichtig für uns, und Berichte über Lebensmittelskandale provozieren da eine emotionale Reaktion. Regierungen, Wissenschaft und Industrie werden oftmals für ihr Versagen kritisiert, der Angst der Verbraucher nicht rasch und überzeugend genug zu begegnen. Andererseits können Fakten von den Medien übertrieben dargestellt werden - um der guten Story Willen.

Ein weiterer Grund für die Beunruhigung der Öffentlichkeit ist die Tatsache, dass moderne Kommunikationsmittel die weite und schnelle Verbreitung von Nachrichten ermöglicht - insbesondere von schlechten Nachrichten. Dank der Aufmerksamkeit der Medien in Bezug auf Lebensmit-telerkrankungen werden die Verbraucher sich zunehmend der mit den Nahrungsmitteln verbundenen mikrobiellen Risiken bewusst. Dies wiederum führt zu einer verstärkten Berichterstattung. "Magenverstimmungen", die früher gar nicht beachtet worden wären, werden heutzutage von den Medien als Fälle von Lebensmittelvergiftung aufgegriffen.

Gewiss stellen durch Mikroorganismen verursachte Lebensmittelerkrankungen ein echtes Problem dar. Mikroorganismen sind ein natürlicher Bestandteil unserer Welt. Der einzige Weg, sie zu reduzieren, besteht in der Einhaltung spezieller Maßnahmen in der Versorgungskette und der Aufbewahrung und Zubereitung zu Hause. Ein Fehler in der Versorgungskette - und viele Menschen sind betroffen. Solche Ereignisse machen gewöhnlich Schlagzeilen. Allerdings kann auch eine schlechte Hygienepraxis zu Hause zu Lebensmittelvergiftungen und Infektionen führen.

Der Lebensstil ändert sich. Moderne Verbraucher sind viel zu beschäftigt, um ihre Zeit in der Küche zu verbringen. Möglicherweise haben sie die Grundregeln über Lebensmittelhygiene vergessen. Dennoch erwarten sie, dass der Nahrungmittelverzehr sicher ist. Viele Lebensmittel enthalten von Natur aus einige Mikroorganismen und rohe Lebensmittel können sogar pathogene Keime enthalten. Hinzu kommt, dass viele Lebensmittel, die den Ansprüche der Verbraucher nach Bequemlichkeit und Frische genügen (zum Beispiel eingefrorene Nahrungsmittel), eine sorgfältige Handhabung im gesamten Verlauf der Verteilungskette und zu Hause verlangen.

Auch die Konsumenten selbst ändern sich. Mit zunehmender Lebenserwartung steigt die Zahl immungeschwächter und älterer Menschen. Sie sind dann besonders anfällig für Lebensmittelerkrankungen.

Dies bedeutet nicht, dass unsere Nahrung heute weniger sicher ist. Trotz der weitläufigen öffentlichen Meinung und der häufigen Medienberichte über unsere abnehmende Lebensmittelsicherheit sind die Nahrungsmittel, die wir heute kaufen, sicherer als je zuvor, und wir sollten keine Angst haben, sie zu genießen. Allerdings sehen wir die Lebensmittelsicherheit als garantiert an und vergessen manchmal unsere eigene Rolle bei der sicheren Aufbewahrung und Handhabung unserer Nahrung zu Hause.

Informationen für die Verbraucher und die Aufklärung über die aktive Rolle, die wir selbst beim Umgang mit unseren Lebensmitteln spielen, gehören zu den wichtigen strategischen Maßnahmen, um mit den sich ändernden Zeiten und Technologien Schritt zu halten.

FOOD TODAY 05/2000

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

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