Nahrungsmittel und Gesundheit: wir setzen diese Serie mit einem Artikel über den Eisenmangel, eines der wichtigsten Ernährungsprobleme, fort.
Der Eisenmangel, im weiteren Sinne als Anämie bezeichnet, ist heute die wichtigste Ursache für den Mangel an Mikronährstoffen. 20 % der Weltbevölkerung, d. h. 1,2 Mrd. Menschen, leiden daran. Obwohl wir ca. 1/3 unseres Eisenbedarfs in Form von "häminischem" Eisen tierischen Ursprungs aus Fisch und Fleisch zu uns nehmen, stammt die Mehrheit unseres Bedarfs aus "nicht häminischen" Quellen pflanzlichen Ursprungs, vor allem aus Getreide und Gemüse. Das Hauptproblem des "nicht häminischen" Eisens liegt in der Tatsache, daß es vom Organismus im Vergleich zum "häminischen" Eisen sehr schlecht absorbiert wird. Zahlreiche Lebensmittelkomponenten blockieren die Absorption: dazu gehören die Phytinsäure (ein Bestandteil der Ballaststoffe), Oxalsäure (die in bestimmten Gemüsen zu finden ist) und Mineralstoffe (wie Kalzium). Nur einige Nährstoffe fördern die Eisenaufnahme, wovon der wichtigste das Vitamin C ist. Wenn Lebensmittel mit Eisen angereichert sind, handelt es sich um die "nicht häminische " Form. Aber dieser Eis nzusatz ist nicht ausreichend, um die Anämie zu besiegen, denn er kann sowohl für den Verbraucher als auch für die Lebensmittel selbst verschiedene Nachteile mit sich bringen: schlechter Geschmack, ja selbst Toxizität aufgrund eines zu starken Anteils an ranzigen Fetten. Die Lebensmittelhersteller müssen sich davon überzeugen, daß die zur Anreicherung der Lebensmittel eingesetzte Eisenquelle vom Organismus richtig aufgenommen wird. Lebensmittel, die die Absorption blockieren, müssen eingeschränkt, und solche, die sie fördern, verstärkt hergestellt werden. Die Verbraucher sollten darauf achten, in ihrer Ernährung ein Gleichgewicht zwischen "häminischem" und "nicht häminischem" Eisen zu finden.
Häufigkeit des Eisenmangels
Anämie / Angaben in Prozent (Schätzung)
| | Kleinkinder | Kinder | Frauen |
| 0-4 Jahre | 5-12 Jahre | 15-49 Jahre |
| Weltweit | 43 | 37 | 35 |
| Südasien | 56 | 50 | 58 |
| Afrika | 56 | 49 | 44 |
| Lateinamerika | 26 | 26 | 17 |
| Industrieländer | 12 | 7 | 11 |
FOOD TODAY 04/1998