LEBENSMITTELSICHERHEIT & QUALITÄT
LEBENSMITTELTECHNOLOGIE
ERNÄHRUNG
GESUNDHEIT & LEBENSSTIL
ERNÄHRUNGSBEDINGTE KRANKHEITEN
CONSUMER INSIGHTS
(Nur in Englisch)
FOOD FOR THOUGHT
(Nur in Englisch)
EU INITIATIVEN
(Teilübersetzt)
IM RAMPENLICHT

Was eine “individualisierte Ernährung” für Sie tun könnte…

42_3_bigIhr aktueller Ernährungs-TÜV ist fällig. Sie nehmen die Chipkarte mit Ihrem DNA-Profil, das Ihren genetischen Fingerabdruck darstellt und gehen damit zur nächsten Ernährungsberatung, um dort einen Tropfen Blut abzugeben. Ihr Blut wird analysiert und mit Ihrer DNA verglichen. Nach einer kurzen Wartezeit erhalten Sie einen auf Ihr spezielles genetisches Profil maßgeschneiderten Ernährungsplan, indem Ihr gesamter Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen perfekt ausbalanciert ist. Ihr Plan ist nicht vergleichbar mit dem Ihres italienischen Freundes oder dem seines Kollegen, der ein Gastarbeiter der zweiten Generation ist. Selbst Ihrem Bruder, der einen viel hektischeren Lebensstil als Sie führt, wurde eine komplett andere Liste an Lebensmitteln empfohlen. Was im Moment noch nach Zukunftsmusik klingt, wird nach Einschätzungen von Wissenschaftlern in Zukunft technisch möglich sein.

Noch vor gar nicht so langer Zeit waren die Forschungsbereiche Ernährung und Genetik klar getrennt. Doch nun gibt es immer mehr Interaktionen denn die Wissenschaftler untersuchen jetzt das Zusammenspiel von Genen und Ernährung. Dieses neue Forschungsfeld, auch unter dem wissenschaftlichem Begriff Nutrigenomics oder dem verbraucherfreundlicheren Begriff „Individualisierte Ernährung“ bekannt, liefert bereits einige viel versprechende Informationen, die uns helfen können Ernährungstipps im Sinne der Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung effizienter zu gestalten.

Doch dies ist keine einfache Aufgabe. Beispiel Herzkrankheiten: Es gibt nicht nur ein Gen, welches für das Herz-Kreislaufsystem verantwortlich ist – mindestens 20.000 Gene sind involviert. Obwohl jedes Gen nur einen kleinen Effekt hat, können bestimmte “Markergene” einen generellen Hinweis auf einen möglichen Risikofaktor zur Entwicklung von Herzkrankheiten geben. So wurde beispielsweise ein Gen identifiziert, das den Cholesterinspiegel im Blut reguliert. Neben den üblichen Variationen dieses Gens gibt es zwei Abweichungen, die entweder für ein erhöhtes Risiko eines hohen Cholesterinspiegels verantwortlich sind oder die Betroffenen davor schützen.

Man hat herausgefunden, dass die Genvariante, die für eine Veranlagung zu einem erhöhten Cholestrinspiegel verantwortlich ist, keine Auswirkungen hat, wenn die mit dem Lebensstil verbundenen Risikofaktoren niedrig sind, beispielsweise wenn die Betroffenen viel Sport treiben und auf eine fettarme Ernährung achten. Auf der anderen Seite kann dieses Gen zu einem erhöhten Cholesterinspiegel führen, wenn die mit dem Lebensstil verbundenen Risikofaktoren hoch sind, beispiels-weise wenn die Betroffenen rauchen, sich wenig bewegen und viele gesättigte Fettsäuren zu sich nehmen.

Es wurde auch gezeigt, dass innerhalb einer Gruppe, die über einen längeren Zeitraum einer bestimmten therapeutischen Diät folgen, um den Cholesterinspiegel im Blut zu senken, einige Personen eine dramatische positive Stoffwechselreaktion haben, bei anderen jedoch keine Reaktion zu erkennen ist. Es ist klar, dass für diejenigen, bei denen sich keine Reaktion zeigt, die Auseinandersetzung mit einer solchen Diät vergebliche Mühe ist, während sich bei den Personen mit einer deutlichen Reaktion der Aufwand lohnt. Der Schlüssel liegt in einer bestimmten Genvariation, die allen mit einer deutlichen Reaktion gemein ist. Wenn diese Information erst einmal zur Verfügung steht, wäre es möglich den Personen, die am meisten davon profitieren, die Ernährungshinweise zu geben.

Neben Herzkrankheiten wurden auch andere Gene gefunden, die für die Ernährung von Bedeutung sind1. Gene, die den Folsäuremetabolismus kontrollieren konnten mit Symptomen wie Neuralrohrdefekten in Verbindung gebracht werden und es wurde eine Reihe von Genen identifiziert, die für die Aufnahme und Regulation von Eisen im Blut verantwortlich sind. Aus Zwillings- und Geschwisterstudien gibt es auch Hinweise darauf, dass genetische Faktoren eine zentrale Rolle für die Knochendichte und Knochenstruktur spielen.

Es gibt keinen Zweifel, dass unsere genetische Ausstattung uns eine Veranlagung für unterschiedliche Reaktionen auf Umweltfaktoren schafft. Zukünftige Forschung wird es uns ermöglichen herauszufinden, wie wir unsere Ernährung am besten unserer Umwelt und unserer Physiologie anpassen. Jose Ordovas, Professor für Ernährung und Gene an der Tufts Universität in Boston, USA sagt dazu 2: “Es ist keine Frage von Veranlagung oder Ernährung, sondern wie wir unsere Veranlagung am besten ernähren.”

Referenzen

  • Elliot R and Jin Ong T (2002) Nutritional genomics a clinical review. British Medical Journal. 324: 1438-1442
  • Nutrition Society Summer Meeting (2003) Individual variability in the nutritional response. Kings College London. (http://www.nutritionsociety.org/news/newsPage.html).

FOOD TODAY 03/2004

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

Drucken DRUCKEN
Als PDF herunterladen ALS PDF HERUNTERLADEN
AN EINEN FREUND SENDEN AN EINEN FREUND SENDEN
Verwandte Dokumenten VERWANDTE DOKUMENTEN (4)
Verwandte Websites VERWANDTE WEBSITES (17)
Related News RELATED NEWS (1)
Glossar (Nur in Englisch) GLOSSAR (Nur in Englisch)
   
VERWANDTE DOKUMENTEN
VERWANDTE WEBSITES
RELATED NEWS
CS-Cestina DE-Deutsch EL-Ελληνικά EN-English ES-Español FR-Français IT-Italiano PL-Polski SK-Slovenský
FOOD TODAY THE BASICS EUFIC REVIEW EUFIC FORUM MINI GUIDE 10 TIPS