Seit dem 16. Jahrhundert besteht in Europa weitgehende Übereinstimmung über die verlockenden Eigenschaften des Kakaos. Um zu verstehen wie dieses Bild entstanden ist, muss man bis zu der Kultur der Indianer Zentralamerikas zurückblicken, die Kakao als Heilmittel ansahen.
Gold, Silber und Edelsteine waren nicht die einzigen Kostbarkeiten, die im frühen sechzehnten Jahrhundert von den spanischen Eroberern, angeführt von Hernando Cortés, zurück gebracht wurden. Sie entdeckten auch kleine braune Bohnen, aus denen die Indianer ein bitteres aber geschmackvolles Getränk zubereiteten, das sie „xocoatl" oder „chocolatl" nannten und aus denen die heutigen Begriffe „Kakao" und „Schokolade" hervorgegangen sind. Unter dem Aztekenkaiser Montezuma war das Kakaogetränk den Kriegern und der Elite vorbehalten und hatte einen hohen heiligen und zeremoniellen Stellenwert als „Getränk der Götter". Der schwedische Botaniker Linné, der von dem Ruf der Pflanze gehört hatte, ordnete die Spezies der Gattung Theobroma cacao L. zu - die „Speise der Götter".
Kakao erreichte die "alte Welt" im Jahr 1544, als die Bohnen dem zukünftigen König Philip II von Spanien überreicht wurden. Der spanische Adel war von dem Getränk so hingerissen, dass es fast einhundert Jahre lang vor Außenstehenden geheim gehalten wurde. Zu dieser Zeit muss Kakao mit ziemlicher Sicherheit fast wie Medizin geschmeckt haben und es wurde aufgrund seiner medizinischen und aphrodisierenden Wirkung getrunken! Neuigkeiten über dieses Getränk, dessen Geschmack jetzt häufig durch Zimt und Vanille verbessert wurde, verbreitete sich allmählich im restlichen Europa.
Als die spanische Prinzessin Anne im Jahre 1615 König Louis XIII von Frankreich heiratete, war das Kakaorezept Teil ihrer Mitgift. Der erste schriftlich überlieferte Kakaotrinker in Frankreich war Kardinal Richelieu, der das Getränk als Lebensmittel und als Verdauungshilfe schätzte.
Die Engländer mussten noch bis 1657 darauf warten, dass das Kakaogetränk in den Londoner „Chocolate-drinking Houses" (vergleichbar mit Kaffeehäusern) verkauft wurde. Samuel Pepys, ein berühmter Tagebuch-schreiber, besuchte diese modernen Treff-punkte, die zum Vorgänger vieler elitärer Herrenclubs wurden. So zum Beispiel der Garrick Club, der ursprünglich als „The Coca Tree Chocolate House" ins Leben gerufen wurde.
Im siebzehnten Jahrhundert begannen die Spanier Kakaobohnen auf der Insel Fernando Po (heute ein Teil von Equatorial Guinea) vor der Küste Afrikas anzubauen. Der Durchbruch des Kakaos als Welthandelsware begann um 1880, als die Briten Plantagen im heutigen Ghana gründeten. Die Westküste Afrikas ist bis heute Hauptanbaugebiet, allerdings wird Kakao inzwischen in Zentralamerika, Westindien und in Teilen Asiens wie beispielsweise Malaysia, Indonesien, und den Philippinen, als Handels-ware angebaut und stellt in diesen Ländern einen wichtigen nationalen Wirtschaftsfaktor dar.
Im Lauf der Geschichte wandelte sich der Kakao demnach vom teuren Luxusgut zu einem Produkt des Massenkonsums. Die heute weit verbreitete Verfügbarkeit spiegelt den Wandel der Natur und die Zusammensetzung der Produkte wieder. Aus der bitter schmeckenden Medizin ist ein köstliches Lebensmittel geworden, das durch den Einsatz neuer Technologien bezahlbar wurde. Kakao, das ehemahlig göttliche und königliche Getränk, wird bis heute weltweit geschätzt.
References
- Chocolate and Cocoa Health and Nutrition. (1999) Edited by Ian Knight. Blackwell Science Ltd, Oxford
- Davidson, A. Chocolate botany and early history. In The Oxford Companion to Food. (1999) Oxford University Press, Oxford
- Othick, J. (1976) The cocoa and chocolate industry in the nineteenth century. in The Making of the modern British Diet. Edited by Derek Oddy and D. S. Miller, Croon Helm, London
- Schenker, S. Chocolate. British Nutrition Foundation Bulletin (2000) 25, 199-200
FOOD TODAY 05/2001