Nach Meinung von Gesundheitsexperten ist es besser, 20 Minuten lang zügig zu gehen oder Macarena zu tanzen als heftige Leibesübungen auszuführen. Das Erste wird Ihnen besser bekommen.
Um über eine bestimmte Zeit sein Gewicht zu halten, muß die "abgegebene Energie die aufgenommene Energie kompensieren". Anders gesagt, jede Gewichtszunahme (und Zunahme der damit verbundenen Gesundheitsrisiken) ist auf eine unausgewogene Ernährung und/oder auf fehlende körperliche Betätigung zurückzuführen. Hierzu ist zu bemerken, daß die europäische Ernährung, bei der durchschnittlich 40 % der Kalorien aus Fetten stammen, bei Menschen mit fehlender Bewegung zu einer übermäßigen Ernährung führen kann. Um dieses Risiko auszuschalten, sollte die Nahrung mehr Kohlenhydrate und weniger Fette enthalten. Darüber hinaus ist eine gewisse körperliche Betätigung in welcher Form auch immer erforderlich.
Die meisten Leute schaudern bei dem Gedanken an körperliche Betätigung, die sie in ihrem Unterbewußtsein mit Anstrengung und Schmerzen verbinden. Dabei ist bewiesen, daß es nur darum geht, eine Gewohnheit anzunehmen und ... beizubehalten. Dick Cavill von der Health Education Authority in London stellt fest, daß die Ergebnisse des dreijährigen Programms "Active for Life" für Erwachsene in Großbritannien sehr ermutigend sind. "Man muß die Menschen zunächst motivieren und dann zu einer gemäßigten täglichen Aktivität wie z. B. Tanzen oder Wandern, die weniger abschreckend wirken als der Sport, anregen. Das Geheimnis liegt darin, lieber eine gemäßigte körperliche Betätigung regelmäßig durchzuführen als mit Sport zu beginnen und dann wieder aufzuhören."
Was versteht man unter körperlicher Betätigung ?
Körperliche Betätigung ist die Gesamtenergie, die durch Bewegung verbrauchte wird. Das Anwendungsgebiet dieser Definition geht weit über den Sport hinaus. Aus entsprechenden Studien geht hervor, daß es nicht nötig ist, viel Sport zu treiben, um seine Gesundheit zu verbessern. Daher raten die Gesundheitsfachleute zu einer gemäßigten körperlichen Aktivität wie zügiges Marschieren, wozu jedermann fähig ist.
Die Regierungen der europäischen Länder, die sind sich des direkten Zusammenhangs zwischen mangelnder körperlicher Betätigung und schlechter Gesundheit bewußt geworden sind, haben daher verschiedene Programme zur Förderung körperlicher Aktivitäten ins Leben gerufen. Während sich die Ernährungsgewohnheiten der Europäer wenig ändern, beobachtet man seit ca. zehn Jahren einen Wandel ihrer Einstellung gegenüber körperlichen Aktivitäten. Nur wenige Menschen haben am Arbeitsplatz die für ihre Gesundheit notwendige Bewegung. Aufgrund der Zunahme sitzender Beschäftigung werden die Europäer immer übergewichtiger. Nationale Umfragen zeigen, daß sich nur 20 bis 30 % der Bevölkerung die zur Erhaltung ihrer Gesundheit notwendige Bewegung verschaffen.
Der Nutzen der körperlichen Aktivität
Vermehrte körperliche Aktivität "zahlt sich aus". Die physische und psychische Gesundheit verbessert sich, das Risiko des Übergewichts geht ebenso zurück wie die damit verbundenen Krankheiten. Regierungen, Gesundheitsbehörden, Schulen, Unternehmen und die Industrie haben insgesamt bei der Förderung eines gesünderen und aktiveren Lebensstils eine Rolle zu spielen. In den Niederlanden arbeitet Bart Coumans, Projektleiter im niederländischen Nationalen Olympischen Komitee, an "Netherland on the Move" mit, einem Programm zur Förderung der Bewegung in Holland, das sich über sieben Jahre erstreckt. Er sagt dazu: "Je mehr sich die Menschen bewegen, ohne jedoch eine äußerst anstrengende körperliche Aktivität auszuüben, desto gesünder sind sie."
Jede Altersgruppe kann aus gesteigerter körperlicher Betätigung Nutzen ziehen. Jugendliche können und sollten dadurch zu einer gesunden Lebensweise finden. Erwachsene können ernsthafte, auf ihren Lebensstil zurückzuführende Probleme vermeiden. Und ältere Menschen haben bessere Perspektiven hinsichtlich Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Tägliches zügiges Marschieren scheint eine vernünftige Aktivität zu sein, zu der jedermann fähig ist.
FOOD TODAY 04/1998