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Risiko: Aktivitäten ins rechte Licht gerückt

32_2_bigDas Leben ist voll von Tätigkeiten, die unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflussen können. Täglich sind wir Risiken ausgesetzt, sei es beim Überqueren der Straße, beim Essen oder Autofahren. Doch dies sollte unsere täglichen Aktivitäten nicht beeinflussen. Obwohl einige von uns freiwillig Risiken eingehen, indem sie riskante Sportarten betreiben, kann es für die Mehrzahl schwierig sein zu entscheiden, über welches nicht so bekannte Risiko man beunruhigt sein sollte, welche man besser meiden und welche man akzeptieren sollte.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, gute, wissenschaftlich fundierte Informationen über die relativen Risiken verschiedener Tätigkeiten zu erhalten, insbesondere wenn es um sehr persönliche und angenehme Aktivitäten geht - wie Essen und Trinken. Untersuchungen sowohl in Europa als auch den USA zeigen, dass die Öffentlichkeit dazu neigt, die relativen Risiken der Lebensmittelsicherheit falsch einzuschätzen und beispielsweise Pestizidrückstände als größere Bedrohung der menschlichen Gesundheit einzustufen als krankheitserregende Mikroorganismen oder eine unausgewogene Ernährung. Doch Ernährungswissenschaftler und Gesundheitsexperten sind sich einig, dass das größte Gesundheitsrisiko, dem die meisten Menschen ausgesetzt sind, mangelnde sportliche Aktivität in Verbindung mit einer unausgewogenen Ernährung ist.

Als wie wahrscheinlich sind die Risiken einzustufen?

Noch gibt es keine präzisen Angaben über Risiken, die in Zusammenhang mit Lebensmitteln stehen, doch man kann Lebensmittelsicherheit und angemessene gesundheitsfördernde (oder risikosenkende) Verhaltensweisen rational einschätzen, wenn man die Risiken der Lebensmittelsicherheit im Kontext anderer Gesundheits- und Sicherheitsfragen betrachtet. So kann man sich einen Rahmen schaffen, um die Risiken der Lebensmittelsicherheit mit anderen Gesundheitsrisiken in Relation zu setzen.

Risiken als Wahrscheinlichkeitskonzept auffassen

Die meisten von uns haben wenig Erfahrung darin Größe und Gewichtung verschiedener Risiken einzuschätzen. Obwohl wir ein intuitives Gefühl dafür haben, dass einige Risiken kleiner oder größer sind als andere, hat die Forschung gezeigt, dass die Menschen dazu neigen, relativ große Risiken, wie Herzleiden und Herzinfarkt zu unterschätzen und gleichzeitig relativ kleine Risiken überzuberwerten, wie beispielsweise Botulismus, eine durch in Lebensmitteln vorkommende Bakterien verursachte Krankheit. Die öffentliche Fehlwahrnehmung kann durch das, was man hört und liest, begründet sein, aber auch durch mangelndes Verständnis für Risikogrößen und die Bewertung von Informationen über Risiken.

Die Bewertung der Wahrscheinlichkeit eines Risikos, das in Zusammenhang mit einer bestimmten Aktivität wie beispielsweise dem Essen steht, kann verständlicher sein, wenn man dieses Risiko mit anderen, bekannteren, vergleicht. Beispielsweise lag im Jahre 1996 das Risiko in Frankreich bei einem Verkehrsunfall zu sterben bei 19,4 : 100.000. Das heißt, dass in jeder Gruppe von 100.000 Menschen in diesem Jahr 19 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen.

Ist dies ein großes Risiko? Tabelle 2 zeigt, dass jedes Jahr die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, in Frankreich bei einem Verkehrsunfall zu sterben, mehr als 12 mal größer war als das Risiko, zu ertrinken. Im Gegensatz dazu war diese Wahrscheinlichkeit allerdings 14 mal kleiner als das jährliche Risiko, einem Herzleiden zu erliegen, und fast 16 mal kleiner als das Risiko, an Krebs zu sterben. Ein Auto zu fahren stellt also im Vergleich mit anderen Gesundheitsgefahren ein beträchtliches Risiko dar, doch liegt es noch weit hinter den Haupttodesursachen.

Das Risiko ins rechte Licht rücken

Obwohl die Datengrundlagen für Lebensmittelrisiken begrenzt sind, schätzt man, dass die meisten der mit Lebensmitteln in Zusammenhang stehenden Krankheiten von krankheitserregenden Bakterien wie Campylobacter und Salmonellen ausgelöst werden - und die meisten Lebensmittelvergiftungen haben ihre Ursache im unangemessenen Umgang mit Lebensmitteln im Haushalt.

Daten aus den USA belegen, dass die jährliche Wahrscheinlichkeit an einer Lebensmittelvergiftung zu sterben etwa bei 3,6 zu 100.000 liegt. Diese Wahrscheinlichkeit ist 7 mal größer als das jährliche Risiko, in den USA an Tuberkulose zu sterben und 100 mal größer als das Risiko, bei Überschwemmungen zu sterben. Andererseits ist dieses Risiko 78 mal kleiner als das, einem Herzleiden zu erliegen, 57 mal kleiner als das, an Krebs zu sterben und 4 mal kleiner als das Risiko, bei einem Verkehrsunfall tödlich zu verunglücken. Sogar der reine Verzehr von Lebensmitteln birgt ein Erstickungsrisiko von 5 zu 1 Million. Wenn man gar nichts isst liegt das Risiko zu sterben natürlich bei 100 %!

Ein Blick auf die Folgeerscheinungen

Neben der Betrachtung von Risiken in einem erweiterten Kontext ist es auch wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, von welchen Risiken die Rede ist. Risiken können mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Folgeerscheinungen in Zusammenhang stehen, wie beispielsweise Tod, Krebs, aber auch weniger schwerwiegenden Verletzungen oder leichten Krankheiten, und die Risikostatistiken unterscheiden sich abhängig davon, welche Folgeerscheinung zugrunde gelegt wird. Beispielsweise ist das Risiko an einer Lebensmittelvergiftung zu sterben, relativ niedrig, aber bei 20 bis 50 von 100.000 Menschen könnte Durchfall als Folgeerscheinung auftreten.

Gedankenfutter

Alles, was wir im Leben tun, stellt auf die eine oder andere Art ein Risiko dar. Die Einstellung gegenüber von Lebensmitteln verursachten und anderen Risiken sollte das Resultat einer Entscheidungsfindung auf Basis guter Information und Wissenschaft sein, und nicht unter dem Einfluss von Sensationsberichten in den Medien stehen, die glauben machen, ein Risiko sei größer als es in Wahrheit ist.

RISIKOVERGLEICH

Jährliche Sterberisiken von Männern in Frankreich, Italien und Großbritannien pro einhunderttausend Personen

  MÄNNER ALLER ALTERSKLASSEN
Frankreich 1996 Italien 1996 Großbritannien 1997
Todesfälle gesamt (000) 28,423 27,804 28,990
  Todesfälle pro 100.000 pro Jahr
Herzkreislauferkrankungen 280.2 401.2 430.0
Krebs 306.8 311.0 275.0
Hirngefässerkrankungen 63.5 102.7 85.9
Lungenentzündung 27.9 12.2 84.0
Diabetes 10.1 24.0 10.5
Mangelernährung 2.6 0.1 0.1
Unfälle (gesamt) 57.2 45.6 24.8
Verkehrsunfälle 19.4 21.9 9.1
Ertrinken 1.6 1.3 0.7
Feuer 1.1 0.7 1.1

(Basierend auf Daten zur Sterblichkeit in 'World Health Statistics, 1997-1999 edition. World Health Organization. www.who.int) www.who.int)

WOVOR HABEN WIR ANGST?

Forschungen darüber, wie Risiken von den Menschen eingeschätzt werden, kamen zu interessanten Ergebnissen. Beispielsweise hat man herausgefunden, dass:

 

  • Menschen dazu neigen, die Gefahren seltener Ereignisse überzubewerten und die Gefahren alltäglicher Dinge, wie beispielsweise das Autofahren, zu unterschätzen .
  • Menschen zur Annahme neigen, sicher zu sein, wenn sie eine Situation unter Kontrolle haben. Die große Zahl an Verkehrstoten zeigt, wie falsch diese Annahme ist.
  • Menschen das Risiko eines ungesunden Lebenswandels weniger fürchten als Pestizidrückstände in Lebensmitteln. Allerdings zeigen die Statistiken, dass weitaus mehr Menschen an Krankheiten sterben, die in Zusammenhang mit ungesundem Lebenswandel stehen, wie beispielsweise Herzkreislaufkrankheiten und Krebs.
  • Menschen meist mehr Angst vor Naturkatastrophen haben - wie Wirbelstürme, Erdbeben und Überschwemmungen - als vor von Menschen ausgelösten Unglücken.
  • Menschen sich durch dramatische, aber seltene Ereignisse eher beunruhigen lassen als durch „langweilige" Risiken, wie auf nassem Fußboden ausrutschen

    H.A Cohl, "Are We Scaring Ourselves to Death?" St Martins Griffin, 1997

Literatur

  • Supermarket Research Institute market research, 1997
  • World Health Statistics, 1997-1999 edition. World Health Organization. http://www.who.int/)
  • H.A Cohl, "Are We Scaring Ourselves to Death?" St Martins Griffin, 1997

FOOD TODAY 03/2002

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

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