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Salz, Kalium und die Kontrolle des Blutdrucks

Big future for the science of the smallSalz ist der gebräuchliche Begriff für Natriumchlorid (NaCl). Es ist lebensnotwendig und essenziell für eine gute Gesundheit. Hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor für Herz- und Gefäßkrankheiten sowie Schlaganfälle. Er steht in Zusammenhang mit hoher Natrium- und geringer Kaliumzufuhr. Aber: können Empfehlungen, weniger Salz aufzunehmen, etwas daran ändern?
 

Die Bedeutung von Salz

Salz oder Natriumchlorid wird genutzt, um Essen zu konservieren und zu würzen. Es ist ebenso  in jedem Lebensmittel enthalten. Als grober Richtwert dient: ein Gramm Natrium ist mit 2,5 Gramm Salz gleichzusetzen.
 
Natrium und Chlorid helfen den Blutdruck zu regulieren, kontrollieren den Flüssigkeitshaushalt und halten die richtigen Bedingungen für Muskel- und Nervenfunktionen aufrecht. Natrium fördert zudem die Aufnahme von Nährstoffen wie Glukose und Aminosäuren.
 
Im Durchschnitt enthält der Körper eines erwachsenden Mannes zirka 90 Gramm Natrium, wovon sich die Hälfte im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten befindet. Über ein Drittel ist in die Knochen eingebunden und der Rest innerhalb der Blutzellen zu finden.
 
Die durchschnittliche Natriumaufnahme reicht von 2 bis 6 Gramm pro Tag, auch wenn die Gesundheit bei Erwachsenen mit weniger als 0,5 Gramm aufrechterhalten werden kann. Der Bedarf steigt bei großen Verlusten wie etwa während der Menstruation, der Stillzeit und bei starkem Schwitzen.
 
In der Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens auf das Thema Bluthochdruck spielt die Salzzufuhr eine äußerst wichtige Rolle, weil sie das Potenzial aufweist, die durchschnittlichen Blutdruckwerte – bezogen auf die Gesamtbevölkerung – zu senken.
 

Kalium

Kalium ist naturgemäß in den meisten Lebensmittel enthalten. Besonders gute Quellen sind Früchte und Gemüse.
 
In unserem Körper befindet sich Kalium hauptsächlich in den Zellen. Es spielt überall im menschlichen Organismus eine wichtige Rolle und ist in dieselben Körperfunktionen wie Natrium involviert, aber mit entgegensetzter Wirkung. Dabei ist die Balance zwischen den beiden Elementen entscheidend.
 

Blutdruck – entgegengesetzte Effekte von Natrium und Kalium

Die Leistungsfähigkeit der Niere, Natrium auszuscheiden beziehungsweise zu konservieren, ist ein Schlüsselfaktor für die Regulierung des Blutdrucks.
 
Die meisten Studien zeigen, dass eine Reduzierung der Salzzufuhr den Blutdruck senkt. Der Effekt ist bei Personen  mit hohem Blutdruck, wie fettleibigen und älteren Menschen, am größten. Die Reaktion auf Salzreduktion unterscheidet sich stark zwischen einzelnen Individuen und dürfte keine messbaren Vorteile für Menschen bringen, die bereits Normalwerte aufweisen.
 
Analog dazu steht ein gesenkter Blutdruck in Zusammenhang mit gesteigerter Kaliumaufnahme, was sich auf die Fähigkeit des Kaliums zurückführen lässt, die Natriumausscheidung zu erhöhen. Zudem übt es vasoaktive Effekte auf die Blutgefäße aus.
 

Lebensmittel mit hohem Kalium- und niedrigem Natriumgehalt

Die beste Kaliumquelle sind frische, möglichst wenig behandelte Früchte, da die Verarbeitung den Kaliumgehalt beeinflussen kann. Andererseits haben rohe Früchte naturgemäß einen geringen Natriumgehalt und verarbeitete Lebensmittel zählen zu den Hauptnatriumquellen der menschlichen Ernährung. Tabelle eins gibt einen Überblick über Nahrungsquellen, die reich an Kalium und arm an Natrium sind.
 
Tabelle 1 : Eine Auswahl an kaliumreichen und natriumarmen Lebensmitteln (sofern unbehandelt)
 
Avokado, Aprikose & andere Steinfrüchte
Bananen
Bohnen wie Linsen, Kidney Bohnen, Erbsen
Datteln, Rosinen & andere Trockenfrüchte
Kräuter und Gewürze
z.B. Petersilie und Chilli : frisch oder getrocknet
Kohl, Spinat, Salat und andere grüne  Blattgemüse
Fisch wie Kabeljau, Sardinen, Forelle und Thunfisch
Pilze: frisch oder getrocknet
Orange und andere Zitrusfrüchte und -Säfte
Melone, Wassermelone, Äpfel und andere gesüßte Früchte
Erdnüsse, Walnüsse und andere Nüsse
Kartoffeln und süße Kartoffeln
Rotes und weißes Fleisch
Sojabohnen, Quark, Milch
Tomaten und Tomatenprodukte
Joghurt und wenig fetthaltige Produkte (ausgenommen Käse)
 

Den größten Effekt auf den Blutdruck hat unser Lebensstil

Fettleibigkeit, geringe körperliche Bewegung und geringe Zufuhr von Kalium haben größere Auswirkungen auf den Blutdruck als eine hohe Natriumaufnahme. Eine geringe Zufuhr von Calcium und Magnesium sowie einer hoher Anteil an gesättigten zu einem niedrigen Anteil an n-3 mehrfach ungesättigten Fetten werden ebenfalls einbezogen. In letzter Zeit bestand vielfach Interesse an der DASH-Ernährungsweise (DASH: Dietary Approaches to Stop Hypertension) und ihrem Nutzen. Der Speiseplan ist dabei reich an Früchten, Gemüse und Getreideprodukten (um die Kalium- und Ballaststoffaufnahme zu erhöhen) und schließt Milchprodukte mit geringem Fettanteil, Fisch, Gemüse, Geflügel sowie mageres Fleisch ein. Wenn dabei die Salzzufuhr konstant gehalten wurde, fiel der Blutdruck signifikant. Tabelle zwei illustriert den potentiellen Nutzen verschiedener Veränderungen des Lebensstils für den Blutdruck.
 
Tabelle 2: Potenzieller Nutzen für den Blutdruck von verschiedenen Veränderungen des Lebensstils
 
Modifikation

Empfehlung

Annähernde systolische Blutdruckreduzierung (Variationsbreite)
Gewichtsreduzierung
Aufrechterhaltung des normalen Körpergewichts (Bodymaßindex 18.5 – 24.9 kg/m2)
5 -20 mmHg/10 kg Gewichtsverlust
Anwendung des DASH Essenplans
Ernährung reich an Früchten, Gemüse und fettarmen Milchprodukten mit reduziertem Gehalt an gesättigtem und Gesamtfett
8 – 14 mmHg
Natriumreduzierung
Reduktion der Einnahme von Natrium auf nicht mehr als 2,4g Natrium oder 6g Salz pro Tag
2 – 8 mmHg
Körperliche Aktivität
Regelmäßig aerobe körperliche Aktivitäten betreiben wie beispielsweise flottes Gehen (mind. 30 min pro Tag, an mehreren Tagen der Woche)
4 – 9 mmHg
Mäßigung des Alkoholkonsums
Konsumlimit maximal 3 Alkoholeinheiten pro Tag bei Männern und 2 Alkoholeinheiten pro Tag bei Frauen und leichtgewichtigeren
Männern
(1 Alkoholeinheit = 10 g reiner  Alkohol = 1 Glas Bier (25 cL) oder Wein (10 cL) oder Whiskey (3 cL))
2 – 4 mmHg
 

Experten empfehlen die Reduktion der Salzzufuhr

Der Nachweis, dass das Salz aus der Nahrung mit dem Blutdruck in Zusammenhang steht, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten in der wissenschaftlichen Literatur gründlich beleuchtet. Die Folgen, die sich daraus für die Gesundheitspolitik ergeben, wurden von Expertenkomitees in vielen Ländern der Welt, Großbritannien und USA eingeschlossen, sorgfältig geprüft.
Da die aktuell hohen Zufuhrraten nicht nötig sind, wird eine Reduktion auf 5-6g Salz (2-2.4g Natrium) pro Tag empfohlen. Es wird weiterhin geraten, 5 Portionen an Früchten und Gemüse pro Tag zu verzehren, was viele gesundheitlichen Vorteile, eine erhöhte Kaliumaufnahme eingeschlossen, mit sich bringt.
 

Praktische Folgerungen

Der Körper kann sich an eine reduzierte Natriumzufuhr über Salz anpassen; sich auf eine Natriumzufuhr einzustellen, die die Hälfte der gewöhnlichen Menge beträgt, dauert 2-3 Monate. Alternative Wege, das Essen zu würzen, sind: Pfeffereinsatz erhöhen sowie frische und getrocknete Kräuter und Gewürze verwenden. Salzersatzprodukte, basierend auf Kaliumpräparaten, sind ebenfalls hilfreich, solange sie auch zu einer erhöhten Kaliumaufnahme beitragen. Auch wenn der Geschmack und ein im Vergleich zu Salz niedrigerer Wert als Konservierungsmittel den Gebrauch limitiert haben, wurden jüngst von der Lebensmittelindustrie Produkte entwickelt, um diese Probleme zu überwinden.
 

Weiterführende Informationen

  1. Geleijnse, J.M., F.J. Kok, and D.E. Grobbee, Blood pressure response to
  2. changes in sodium and potassium intake: a metaregression analysis of randomised trials. Journal of Human Hypertension, 2003. 17: p. 471-480.
  3. Geleijnse, J.M., F.J. Kok, and D.E. Grobbee, Impact of dietary and lifestyle factors on the prevalence of hypertension in Western populations. European Journal of Public Health, 2004. 14: p. 235-239.
  4. Institute of Medicine, Dietary reference intakes for water, potassium, sodium, chloride, and sulfate. 2004, The National Academies Press: Washington.
  5. Sacks, F.M., et al., Effects on blood pressure of reduced dietary sodium and the dietary approaches to stop hypertension (DASH) diet. New England Journal of Medicine, 2001. 344: p. 3-10.
  6. U.S. Department of Health and Human Services, 7th Report of the US Joint National
  7. Committee on prevention, Detection Evaluation, Treatment of Hypertension, JNC 7 Express, 2003. p. 8
  8. Bertino, M., Beauchamp, G.K., Engelman, K., Long-term reduction in dietary sodium alters the taste of salt, American Journal of Clinical Nutrition, 1982. 36: p.1134-1144
  9. Blais, C.A., et al., Effect of dietary sodium restriction on taste responses to sodium chloride: a longitudinal study. American Journal of Clinical Nutrition, 1986. 44: p. 232-243.
  10. Geleijnse, J.M.,  Grobbee, D.E. and Kok, F.J., Impact of dietary and lifestyle factors on the prevalence of hypertension in Western populations. Journal of Human Hypertension, 2005. 19: p. S1–S4

FOOD TODAY 12/2006

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

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