Weltweit steigt die Produktion und der Konsum von aus gentechnisch veränderten Pflanzen (GV-Pflanzen) gewonnenen Lebensmitteln. In Europa werden bisher jedoch nur etwa 58.000 Hektar einer einzigen Pflanze (insektenresistenter Mais in Spanien) angebaut.
Die öffentliche Diskussion in Europa zeigt, dass Sicherheitsbewertungen zwar notwendig sind, aber für eine gesellschaftliche Akzeptanz der Pflanzenbiotechnologie nicht ausreichen. Viele Naturwissenschaftler halten die derzeit zugelassenen GV-Pflanzen für genauso sicher wie herkömmliche Nutzpflanzen. Einige Kritiker glauben dagegen, dass die Verwendung dieser Pflanzen möglicherweise unbeabsichtigte schädliche Auswirkungen haben könnten; andere sind grundlegend besorgt darüber, dass der Mensch in das Erbgut eingreift. Die Herausforderung ist, Voraussetzungen für die Einführung von Produkten der Pflanzenbiotechnologie in einer Art und Weise zu schaffen, dass sie in einer Gesellschaft mit sehr unterschiedlichen Standpunkten allgemeine Akzeptanz findet..
Dieser Herausforderung hat sich das von der EU-Kommission finanzierte Forschungskonsortium ENTRANSFOOD gestellt, das Vertreter aus Wissenschaft, Behörden, Lebensmittelindustrie, Handel und Verbraucher aus ganz Europa zusammen bringt. Die wichtigsten Ergebnisse des Konsortiums werden im Folgenden diskutiert.
Sicherheitsbewertungen
Das Konsortium entwickelte einen systematischen Ansatz, um die Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen an die spezifischen Charakteristika der jeweiligen Pflanze und die neu eingeführten Eigenschaften anzupassen. Es ging zudem davon aus, dass Unsicherheiten bei der Bewertung von GV-Lebensmitteln ähnlich sind, wie bei der gesundheitlichen Bewertung anderer pflanzlicher Lebensmittel. Neue molekularbiologische Techniken werden Wissenschaftlern helfen, mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Lebensmitteln besser zu verstehen.
Gentransfer
Bei der Bewertung eines potenziellen Gentransfers empfiehlt ENTRANSFOOD, das Risiko eines Transfers modifizierter Gene von GV-Pflanzen auf Mikroorganismen oder menschliche Zellen mit dem Risiko ähnlicher natürlich stattfindender Ereignisse zu vergleichen. Gentransfer zwischen Organismen ist in der Natur ein normaler Vorgang und ist seit jeher eine entscheidende Antriebskraft für die Evolution. DNA-Übertragung zwischen Organismen ist mit keinem prinzipiellen Risiko verbunden, da DNA nicht toxisch ist. Die Risikobewertung sollte sich daher auf zwei Faktoren konzentrieren: erstens auf die Funktion der übertragenen DNA in der Empfängerzelle; und zweitens auf die Frage, ob die Empfängerzelle das gleiche Gen möglicherweise von einer anderen Quelle als der GV-Pflanze erworben haben könnte.
Gesetzliche und gesellschaftliche Aspekte
Verbrauchervertrauen ist der Schlüssel. Die im Konsortium vertretenen Sozialwissenschaftler halten die prozessbasierte Kennzeichnung aller Lebensmittel aus GV-Pflanzen für eine Grundvoraussetzung, um die Bedenken der EU-Bürger abzubauen. Das Konsortium wies jedoch auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung der neuen EU-Kennzeichnungsrichtlinie für GV - Lebensmittel hin. Da beispielsweise Agrarprodukte und Lebensmittel zwischen Unternehmen verschiedenster Länder gehandelt werden, wird es eine der größten Herausforderungen sein, internationale Vereinbarungen über einheitliche Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitsstandards für Lebensmittel aus GV-Pflanzen zu erzielen.
Summary
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse von ENTRANSFOOD wieder einmal die Vorzüge von Dialogplattformen zeigen, in denen eine Reihe unterschiedlicher Standpunkte zu einer neuen Lebensmitteltechnologie zusammen kommen. Das Projekt hat auch geholfen, die Problemfelder zu identifizieren, die für einen Vergleich der Vor- und Nachteile mit konventionellen Lebensmittel Produktionsmethoden wichtig sind.
SAFEFOODS, das Nachfolge-Projekt von ENTRANSFOOD, ist im Mai 2004 mit seiner ersten Sitzung gestartet. SAFEFOOD befasst sich mit den oben genannten Fragestellungen, mit dem Ziel, die vergleichende Bewertung unterschiedlicher Methoden der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion zu erleichtern. Die Debatte um GV-Pflanzen muss in den Gesamtzusammenhang der Diskussion verschiedener Systeme der Lebensmittelerzeugung eingeordnet werden. Dies ist die Voraussetzung, um Bürgern und Gesellschaften echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.
Quelle
- Kuiper, H. A., Kleter, G. A., Konig, A., Hammes, W. P., Knudsen, I. (Eds.). 2004. Safety Assessment, Detection and Traceability, and Societal Aspects of Genetically Modified Foods. European Network on Safety Assessment of Genetically Modified Food Crops (ENTRANSFOOD). Food and Chemical Toxicology 42(7, special issue): 1043-1202.
Weitere Informationen
FOOD TODAY 10/2004