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Neue Richtlinien zur Vermittlung
wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Ernährungsfragen

Die Themen Lebensmittel und Ernährung sind immer für hohe Auflagen gut. Der Hunger der Öffentlichkeit auf diesbezügliche Nachrichten ist fast unersättlich, und es vergeht kaum eine Woche, ohne daß eine Studie zum Thema Lebensmittel Schlagzeilen macht.

Wie diese von der Öffentlichkeit aufgenommen werden, welche Haltung letztere dazu entwickelt und welche Befindlichkeiten sie auslösen, hängt in großen Maße vom Wie in der Berichterstattung über neue wissenschaftliche Erkenntnisse ab. Obwohl die wissenschaftliche Welt die zunehmende Thematisierung ernährungsrelevanter Fragen begrüßt, hat das große Interesse der Medien nicht unbedingt zu einem besseren Verständnis von Ernährungsproblemen geführt, obwohl man das annehmen möchte. Die Verwirrung ist oft groß, auch weil die Medien dazu tendieren, bestimmte Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit wie eine Revolution darzustellen, während es sich in der Realität mehr um die Entdeckung eines weiteren Bausteins im Gesamtgefüge handelt. Wird dann noch die jeweils neueste Untersuchung als der Wahrheit letzter Schluß präsentiert, der alle früheren wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Kopf stellt, ist die Verwirrung perfekt.

Von der Voraussetzung ausgehend, daß es möglich ist, über ernährungswissenschaftliche Fragestellungen effektiv zu berichten, haben The Harvard School of Public Health und IFIC (International Food Information Council Foundation - das ist das amerikanische Gegenstück von EUFIC) unter der Überschrift Improving Public Understanding: Guidelines for Communicating Emerging Science on Nutrition, Food Safety and Health (Zur Verbesserung des Verständnisses der Öffentlichkeit: Empfehlungen für Veröffentlichungen zu neuen Erkenntnissen auf den Gebieten Ernährung, Lebensmittelsicherheit und Gesundheit) eine Reihe von Richtlinien entwickelt. Diese Richtlinien wurden von einem beratenden Gremium erarbeitet, in dem mehr als 60 Experten mitwirken, und haben das Ziel, sowohl das Verständnis der Verbraucher zu verbessern als auch die Interessen derjenigen zu schützen, die die Meldung herausgeben. Da Informationen zu Ernährung und Lebensmittelsicherheit eine Quelle zahlreicher Mißverständnisse sind, möchte man dem mit Hilfe von Richtlinien begegnen, indem man den Multiplikatoren bei der Identifizierung der Schlüsselfragen hilft, die wiederum spezifische Antworten nach sich ziehen, wodurch im Ergebnis eine bestmögliche Information der Öffentlichkeit zu erwarten wäre. Ein Mitglied dieses Gremiums, Harvey V. Fineberg, Dekan der Harvard Universität und früherer Dekan der Fakultät Öffentliche Gesundheit, führte dazu aus, daß "...diese Richtlinien den Multiplikatoren dabei helfen können, die Kerninformation zu erkennen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muß, damit diese eine klare Vorstellung über die Ergebnisse einer bestimmten Untersuchung erhält". Die mehrstufig aufgebauten Richtlinien zielen auf die fünf wichtigsten Multiplikatorengruppen ab, die allgemeinen Richtlinien sind für alle gedacht, und für Wissenschaftler, Herausgeber, Journalisten sowie Verbraucherorganisationen und andere Interessengruppen wurde eine spezielle Variante entwickelt.

Expressed as questions rather than imperative statements, the wording of the guidelines encourage self-inquiry and suggest measures of effective and responsible communication. One pertinent question related to the communication of food-related studies is whether single studies should be communicated to the general public. The information is often preliminary and not conclusive, consequently it does not always warrant a change in public policy or behaviour. Nonetheless, when given additional context and background, the average consumer can then judge a single report on its own merits.

Die Richtlinien selbst sind Fragelisten und keine starren Aussagen, die keinen Widerspruch dulden. Sie sollen zur Selbstkontrolle ermutigen und zu einer effektiven und verantwortungsvollen Kommunikation anregen. Es wird z. B. häufig diskutiert, ob eine aus dem Zusammenhang gelöste einzelne Studie überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Oft haben ihre Ergebnisse einen vorläufigen Charakter, die weder eine Verfahrens- noch eine Verhaltensänderung rechtfertigen würden. Werden jedoch Kontext und Hintergrundinformationen zusätzlich zur Verfügung gestellt, ist der durchschnittliche Verbraucher durchaus in der Lage, auch eine einzelne Studien zutreffend zu bewerten.

Die Richtlinien helfen bei der Vermittlung des entsprechenden Kontextes. Sie verweisen auf Daten, Fakten und Details, die für die Öffentlichkeit im Interesse einer zutreffenden Bewertung der Relevanz und Bedeutung der Studie wichtig sind. Schließlich will man erreichen, daß die Veröffentlichung einer rein wissenschaftlichen Erkenntnis zu einer Mobilisierung der Öffentlichkeit hinsichtlich der Schlüsselfragen von Ernährung, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führt. Solche Richtlinien liegen jetzt anwendungsbereit vor.

EUFIC schließt sich ihnen vorbehaltlos an und ermutigt alle anderen, die auf dem Gebiet der Information über Ernährung und Lebensmittelsicherheit arbeiten, ebenfalls ihre Annahme in Erwägung zu ziehen.

Allgemeine Richtlinien für den Kommunikationsprozeß

  • Ist Ihre Mitteilung geeignet, das Verständnis der Öffentlichkeit für Fragen der Ernährung und Gesundheit zu verbessern?
  • Haben Sie die Ergebnisse der Studie im richtigen Zusammenhang dargestellt?
  • Wurde die Studie bzw. ihre Ergebnisse sorgfältig geprüft?
  • Haben Sie die wichtigsten Punkte der Studie genannt?
  • Haben Sie alle wichtigen Informationen zur Finanzierung der Studie gegeben?
  • Haben Sie alle Geldgeber der Studie öffentlich benannt?

Wissenschaftler

  • Haben Sie den Journalisten oder anderen Interessenten die wesentlichen Hintergrundinformationen über die Studie schriftlich und in einer Sprache gegeben, die diese verstehen können?
  • Haben Sie Risiken und Vorzüge einer bestimmten Ernährungsweise klar dargestellt?
  • Haben Sie die Bedürfnisse der Medien berücksichtigt?

Herausgeber

  • Stellt die von Ihnen vorgenommene Filterung eine Verbesserung der öffentlichen Kommunikation dar?
  • Fördern Sie vertiefende Untersuchungen zu den Ergebnissen der Studie?
  • Haben Sie die Wirkung der Studienergebnisse auf die Verbraucher bedacht?
  • Erlaubt Ihre Submissionspolitik den Wissenschaftlern, die Ergebnisse ihrer Kurzpräsentationen in den Medien zu erläutern?

Journalisten

  • Ist Ihr Artikel gut recherchiert und ausgewogen?
  • Ist Ihr Artikel von gesunder Skepsis getragen?
  • Enthält er praktische Hinweise für die Verbraucher?
  • Gründet sich Ihr Artikel auf grundlegende Erkenntnisse wissenschaftlicher Prinzipien?

Industrie, Verbraucher und andere Interessengruppen

  • Haben Sie die Medien mit präzisen Informationen und entsprechendem Feedback versorgt?
  • Entsprechen Ihre Informationen über Ernährung und Gesundheit ethischen Standards?

J. National Cancer Institute, 4. Februar 1998, Band 90, Nr. 3; 194-99

FOOD TODAY 12/1998

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

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