Etiketten auf Lebensmitteln sollen uns dabei helfen, eine informierte Wahl über unser Essen zu treffen. Um sich gesund zu ernähren, ist das Wissen um die Nährstoffzusammensetzung unserer Lebensmittel von grundlegender Bedeutung. Eine neue Untersuchung von EUFIC weist jedoch daraufhin, dass Nährwertkennzeichnung nicht die vom Verbraucher gewollten Informationen liefert und sie deshalb oft nicht beachtet wird. Müssen die derzeitigen Anforderungen an die Nährwertkennzeichnung geändert werden? Nimmt man dabei auf die Verbraucherwünsche Rücksicht? Und was erwarten die Verbraucher von den Nährwertangaben?
Appetit auf Ernährung?
Die Focusgruppen, die kürzlich für EUFIC in Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien untersucht wurden, brachten gute Nachrichten an den Tag: Es scheint, dass die Verbraucher die gesundheitlichen Nutzen einer Ernährung verstehen als diesen positiv gegenüber eingestellt sind. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass die Menschen zwar über bestimmte Ernährungsgrundlagen Bescheid wissen, sie aber die Fachausdrücke auf den Etiketten nicht wirklich verstehen. Es ist ziemlich sicher, dass die Verbraucher die üblicherweise auf den Etiketten gedruckte Werte und Zahlen nicht benutzen, um eine gesunde Ernährung zusammenzustellen.
Es ist keine Vertrauensfrage - die Verbraucher verlassen sich auf die Richtigkeit der Etiketteninformationen. Es ist eher eine Frage der Kommunikation. Die Funktion der Etiketten ist nicht klar; Nährwertinformationen werden oft mit der Zutatenliste durcheinandergebracht. Und in vielen Fällen verstehen die Verbraucher nicht, wie sie die angebotenen Informationen in ihrer täglichen Essenswahl verwenden sollen.
Etiketten entmystifizieren
Unsere Verbraucherforschung zeigte, dass gängige Nährwertkennzeichen weder zum Gebrauch einladen noch anregen. Wie kann man das ändern? Allgemein betrachtet teilt sich die Antwort in drei Teile.
Präsentation
Es überrascht nicht, dass die Verbraucher Wert auf verständliche, überzeugende und gut strukturierte Etiketten legen. Die Informationen müssen für sie klar herauskommen. Obwohl sie es scheinbar nicht gut heißen, verstehen sie doch die Limitierungen, die kleine Abpackungen und Mehrsprachigkeiten mit sich bringen. Sie wünschen sich Hinweise auf weiterführende Informationen (zum Beispiel Webseiten mit Ratgebern zum Lebensstil) sowie übereinstimmende und einheitliche Kennzeichnung auf allen Produkten.
Verständnis
Viele Verbraucher fühlen sich durch die Fachausdrücke auf den Nährwertetiketten verunsichert. Um das Wichtige herausfiltern zu können, brauchen sie bekannte Begriffe. Ernährung ist eine Wissenschaft, aber die meisten Verbraucher sind keine Wissenschaftler. Was ist „Natrium“? Ist es das gleiche wie Salz? Was sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren? Was sind trans-Fettsäuren? Sind sie beide gleich schlecht oder gut für einen? Wie können wir das vermitteln? Während die Verbraucher verstehen, dass nicht alles auf dem Etikett stehen kann, benötigen sie den Zugang zu weiterer Informatione, die ihnen hilft, die Nährwertkennzeichnung zu verstehen und in die Kaufentscheidung mit einzubeziehen. Auch hier sind Verständlichkeit, Struktur und Einheitlichkeit sehr wichtig.
Vertrauen
Verbraucher müssen Vertrauen haben, dass die Informationen auf den Etiketten von einer glaubwürdigen Quelle stammen. Es muss eindeutig sein, woher die Informationen stammen und wer sie zur Verfügung stellt und/oder bestätigt.
Eine neue Richtung?
Es scheint daher, dass die derzeit geführten Diskussionen über Nährwertkennzeichnung die Verbraucherbedürfnisse größtenteils nicht berücksichtigen. Unsere Untersuchung ergab keinen Hinweis darauf, dass mehr Zahlen, längere Listen und dichtere Informationen, Einfluss auf die Förderung einer gesunden Ernährung nehmen würden. Die Verbraucher müssen mehr wissen, bevor sie weitere Fakten verstehen können. Und sie brauchen die Fähigkeit, dieses Wissen vernünftig anzuwenden.
Die Verbraucher benötigen eine verständliche und handhabbare Auskunft, die von einer geeigneten vertrauenswürdigen Behörde bestätigt wird. Sie brauchen Informationen, die im Zuge der täglichen Nahrungsaufnahme einfach und leicht zu gebrauchen sind.
FOOD TODAY 02/2005