Folate gehören zu der Gruppe der B-Vitamine und sollten täglich verzehrt werden. Als Reaktion auf die anhaltende Diskussion, ob Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert werden sollten oder nicht, untersuchen Forscher weitere Strategien, mit denen die Folataufnahme der Europäer verbessert werden kann.
Warum wir Folate brauchen
Folate werden für die Bildung, Erneuerung und die Arbeit der DNA und RNA, den Grundbausteinen des Lebens, benötigt. Auf diese Weise sind Folate an der Bildung und Entwicklung neuer Zellen beteiligt und sind deshalb in Zeiträumen schnellen Wachstums, wie beispielsweise während der frühen Kindheit oder Schwangerschaft, besonders wichtig. Sowohl Erwachsene als auch Kinder benötigen Folate, um rote Blutkörperchen zu bilden und Anämien vorzubeugen(1). Geringe Folatmängel werden zudem mit einem erhöhten Auftreten der Aminosäure Homocystein im Blut in Zusammenhang gebracht, was als Risikofaktor für die Entwicklung von Herzerkrankungen und Herzinfarkten gilt(2). Da Folate helfen, Schädigungen der DNA zu verhindern, gibt es zudem einige Indizien dafür, dass sie auch bei verschiedenen Krebsarten, insbesondere Darmkrebs vorbeugend wirken können(3).
Lebensmittelquellen für Folate
Die Empfehlung für die Folataufnahme eines Erwachsenen liegt bei 200 Mikrogramm am Tag. Zu den Nahrungsquellen gehören insbesondere Orangensaft, dunkle grünblättrige Gemüsesorten, Erdnüsse, Bohnen und Hülsenfrüchte. Um Folatmängeln vorzubeugen, sollten wenigstens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag verzehrt werden (nähere Informationen unter www.5amtag.de).
Folsäure-Supplemente
Folsäure ist eine einfache und leicht aufnehmbare künstlich hergestellte Form von Folaten. Zu Beginn der 90er Jahre gab es vermehrt Beweise dafür, dass Frauen, die in der Zeit ihrer Empfängnis vermehrt Folsäure zu sich nahmen, ein mehr als halbiertes Risiko hatten, Kinder mit Neuralrohr-Defekten, wie beispielsweise einem offenen Rücken (Spina bifida) zu gebären(4). Europaweit wurden Gesundheitskampagnen gestartet, um Frauen im gebärfähigen Alter zu ermutigen, ihre Aufnahme an folatreichen Lebensmitteln zu erhöhen und Folsäure-Supplemente (400 Mikrogramm am Tag) einzunehmen. Diese Kampagnen hatten allerdings nur einen mittelmäßigen Erfolg. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt, dass Frauen erst dann dazu tendieren die eigene Ernährung umzustellen, wenn sie ihre Schwangerschaft bemerken, in der Regel erst einige Wochen nach der Empfängnis. Zu diesem Zeitpunkt ist es allerdings schon zu spät.
Anreicherung von Lebensmitteln
Eine alternative Möglichkeit ist die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln, wie Mehl, mit Folsäure. Auf diesem Weg könnten alle Frauen im gebärfähigen Alter und Personen mit einem erhöhten Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen ausreichend mit Folsäure versorgt werden. Allerdings wurde diese Form der Anreicherung in Europa noch nicht eingesetzt, hauptsächlich aus Sorge, hohe Dosen an Folsäure könnten für weite Teile der Bevölkerung nicht vorteilhaft sein. So kann Folsäure die Symptome eines Vitamin B12 Mangels überdecken. Dazu gehören Veränderungen im Nervensystem, die auf Dauer zu einem permanenten Nervenschaden führen können(4). Folsäure-Supplemente könnten zudem die Behandlung einiger Krebsarten beeinträchtigen(5).
Erhöhung des Folatgehaltes in Lebensmitteln
Deshalb suchen Wissenschaftler nach anderen Wegen, um die Folataufnahme zu verbessern. Für das für die EU gegründete "FolateFuncHealth"-Team(6) ist die verbesserte Aufnahme von natürlichen Folaten durch Lebensmittel ein Gebiet von besonderem Interesse. Nachfolgend einige Resultate ihrer Arbeit(7):
- Der Gehalt an Folaten in fermentierten Produkten wie Brot, Bier und Wein kann durch den Einsatz folatreicher Hefestämme erhöht werden.
- Andere Fermentationsbakterien, wie Laktosebakterien, synthetisieren ebenfalls Folate. Die richtige Auswahl der Startkulturen kann hierbei einen 20 mal höheren Folatgehalt in fermentierten Milchprodukten wie Käse oder Jogurt erzeugen.
- Der Folatgehalt von verarbeiteten Lebensmitteln wie Suppe und Fruchtsäften kann durch die Wahl folatreicher Früchte- und Gemüsesorten verbessert werden. Die Verwendung schonender Verarbeitungstechniken kann dazu beitragen, den Folatverlust zu verringern.
- Folate befinden sich konzentriert in den äußeren Schichten von Getreidekörnern. Daher kann durch den Einsatz von bestimmten Mahltechniken der Folatgehalt im Mehl erhöht werden.
Noch immer nicht ausreichend
Es wird geschätzt, dass Fortschritte bei Technologien in der Lebensmittelverarbeitung und eine selektive Auswahl an folatsteigernden Bestandteilen unsere derzeitige Folataufnahme verdoppeln könnten. Dies wäre allerdings noch nicht ausreichend! Dr. Paul Finglas vom UK Institute of Food Research (Institut für Lebensmittelforschung) und Koordinator des "FoodFuncHealth"-Projektes glaubt "...es ist sehr schwierig, ausreichend natürliche Folate aus einer ausgewogenen Ernährungsweise zu beziehen, um so chronischen Krankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen. Einige Formen geringer Anreicherungen in Lebensmitteln oder gezielte Nahrungsmittelergänzungen werden nötig sein." Ein ausführlicher Bericht über die auf den Ergebnissen des "FoodFuncHealth"-Projektes basierenden Empfehlungen werden in Kürze veröffentlicht8 und danach im Internet nachlesbar sein(6).
Literatur
- UK Food Standards Agency at www.eatwell.gov.uk/healthydiet/nutritionessentials/ vitaminsandminerals
- Strain JJ. Dowey L. et al (2004) B-vitamins, homocysteine metabolism and CVD. Proceedings of the Nutrition Society. 63; 597-603
- Duthie SJ. Narayanan S. et al (2004) Folate, DNA stability and colo-rectal neoplasia. Proceedings of the Nutrition Society. 63; 571-578
- MRC Vitamin Study Research Group (1991) Prevention of neural tube defects; results of the Medical Research Council Vitamin Study. The Lancet 338; 131-137
- Peters GJ, Hooijberg JH, et al (2005) Folates and anti-folates in the treatment of cancer; role of folic acid supplementation on efficacy of folate and non-folate drugs. Trends in Food Science and Technology 16;289-297
- FolateFuncHealth and EU funded pan EU project. For details visit www.ifr.ac.uk/Folate.
- Jägerstad M. Piironen V. et al (2005) Increasing natural food folates through bioprocessing and biotechnology. Trends in Food Science and Technology 16: 298-306
- Finglas PM de Meer K. et al (2005) Research goals for folate and related B-vitamins in Europe. European Journal of Nutrition in press
FOOD TODAY 01/2006