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Ernährung und Schwangerschaft – Zusammenfassung

Claire Williamson, Ernährungswissenschaftlerin, British Nutrition Foundation
Zusammenfassung des Papiers der British Nutrition Foundation (BNF)

Eine gesunde und vielfältige Ernährung ist in allen Lebensphasen, aber ganz besonders während der Schwangerschaft wichtig. Die Nahrung muss ausreichend Energie und Nährstoffe enthalten, um sowohl die normalen Bedürfnisse der werdenden Mutter als auch die Bedürfnisse des wachsenden Fötus zu erfüllen. Außerdem müssen Nährstoffvorräte angelegt werden, die für die Entwicklung des Fötus und für das Stillen notwendig sind. Die Ernährungsempfehlungen für Schwangere sind denen für andere Erwachsene sehr ähnlich. In einigen Bereichen gibt es jedoch wichtige Unterschiede. So sollten sich Schwangere unbedingt gesund und ausgewogen ernähren und zudem besonders darauf achten, viel eisen- und folatreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen.

Derzeit gibt es im Vereinigten Königreich England keine offiziellen Empfehlungen für die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. Bei Frauen mit einem gesunden Gewicht vor der Schwangerschaft kann eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 12 kg (Spanne von 10-14 kg) mit dem geringsten Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt und mit einem geringeren Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes in Verbindung gebracht werden. In der Praxis treten allerdings bei gut ernährten Frauen mit Normalgewicht vor der Schwangerschaft starke Variationen in Bezug auf die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft auf. Bei einer geringen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft erhöht sich die Gefahr für ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes, bei einer sehr hohen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft steigt die Gefahr von Übergewicht und Adipositas bei der Mutter nach der Geburt.

Es hat sich gezeigt, dass ein Geburtsgewicht von 3,1 - 3,6 kg für ein voll ausgetragenes Kind mit einem optimalen Verlauf für die Mutter und das Kind in Verbindung gebracht werden kann. Ein niedriges Geburtsgewicht (LBW, low birthweight < 2,5 kg) ist mit einer erhöhten Säuglingsmorbidität und –mortalität sowie mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen im Erwachsenenalter, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, verbunden. Bei der Hypothese des fötalen Ursprungs bestimmter chronischer Erkrankungen im Erwachsenenalter wird davon ausgegangen, dass diese Erkrankungen die Folge einer „fötalen Programmierung“ sein können, bei der bestimmte Reize oder negative Impulse in einer kritischen, empfindlichen Entwicklungsphase eine permanente Auswirkung auf die Struktur, Physiologie oder Funktion einer Person haben. Allerdings gibt es wenig Belege dafür, dass bei gesunden, gut ernährten Frauen die Ernährung beeinflusst werden kann, um ein geringes Geburtsgewicht und die Gefahr von chronischen Krankheiten im Erwachsenenalter auszuschließen.

Der Ernährungszustand der Mutter zum Zeitpunkt der Konzeption ist ein wichtiger Faktor für das Wachstum und die Entwicklung des Fötus. Deshalb ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung vor und während der Schwangerschaft wichtig. Es ist ebenfalls wichtig, vor der Konzeption ein gesundes Körpergewicht anzustreben und zu erzielen (BMI 20-25), da sowohl Untergewicht als auch Übergewicht die Fertilität und das Geburtsergebnis beeinflussen können. Heute wird allgemein anerkannt, dass durch die Einnahme von Folsäure in der Zeit vor der Konzeption das Auftreten von Neuralrohrdefekten verringert werden kann. In einigen EU-Ländern wird Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen, eine Folsäure-Ergänzung vor der Schwangerschaft und bis zur 12. Schwangerschaftswoche einzunehmen.

Während der Schwangerschaft ist ebenfalls der Bedarf an Thiamin, Riboflavin, Folat, den Vitaminen A, C und D und an Energie und Proteinen erhöht. In einigen Ländern, wie im Vereinigten Königreich, wird ein Vitamin-D-Supplement (10 µg/Tag) während der Schwangerschaft empfohlen.

Der Energieverbrauch einer Schwangerschaft wird auf der Grundlage von theoretischen Berechnungen und Daten aus Längsschnittstudien auf rund 321 MJ (77 000 kcal) geschätzt. In der Praxis unterscheiden sich die Stoffwechselrate, die Fettdeposition und der Grad der körperlichen Aktivität von Schwangeren jedoch stark, so dass der individuelle Energiebedarf während der Schwangerschaft sehr variieren kann. Den Empfehlungen im Vereinigten Königreich zufolge sind zusätzliche 200 kcal pro Tag nur während des dritten Trimesters erforderlich. Dem wird allerdings eine Verringerung der körperlichen Aktivität während der Schwangerschaft zugrunde gelegt. Untergewichtige Frauen oder Frauen, die ihr Aktivitätsniveau nicht verringern, können einen höheren Bedarf haben.

Man geht davon aus, dass physiologische Anpassungen, wie die erhöhte Absorption von Kalzium und Eisen, eine bessere Deckung des erhöhten Mineralbedarfs erleichtern. Gleichwohl haben bestimmte Personen einen höheren Kalziumbedarf, insbesondere Teenager, deren Knochengerüst noch in der Entwicklung begriffen ist. Bis zu 50 % der Frauen im gebärfähigen Alter im Vereinigten Königreich haben niedrige Eisenwerte und laufen deshalb Gefahr, in der Schwangerschaft eine Anämie zu entwickeln. Zudem haben viele Frauen im Alter zwischen 19 und 34 Jahren heute eine sehr geringe Eisenaufnahme. Schwangeren wird deshalb empfohlen, während der Schwangerschaft viele eisenreiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. In einigen Fällen kann eine Ergänzung erforderlich sein.

Bestimmte Aspekte der Lebensmittelsicherheit sind insbesondere für Frauen vor und während der Schwangerschaft wichtig. So ist es empfehlenswert, während der Schwangerschaft ganz besonders auf Lebensmittelhygiene zu achten und bestimmte Lebensmittel zu vermeiden (wie schimmelgereiften Käse oder Blauschimmelkäse), um die Gefahr eines Kontakts mit potenziell schädlichen Lebensmittelpathogenen, wie Listerien und Salmonellen, zu verringern. Schwangeren und Frauen im gebärfähigen Alter wird außerdem empfohlen, Lebensmittel mit einem hohen Retinolgehalt (wie Leber und Lebererzeugnisse) zu vermeiden, da eine überhöhte Aufnahme für den in Entwicklung begriffenen Fötus schädlich ist. Es ist ebenfalls ratsam, den Genuss von Alkohol und Koffein auf die empfohlenen Werte zu begrenzen.

Schwangere sollten, wie andere Personen auch, mindestens zwei Portionen Fisch pro Woche (eine davon Fettfisch) zu sich nehmen. Allerdings veröffentlichte das britische Amt für Lebensmittelstandards 2004 neue Leitlinien für den Konsum von Fettfisch und empfiehlt jetzt eine Obergrenze von zwei Portionen pro Woche für Schwangere (und Frauen im gebärfähigen Alter). Fettfische sind eine gute Quelle langkettiger n-3-Fettsäuren, von denen man annimmt, dass sie beim Schutz vor Herzkrankheiten hilfreich sein können. Außerdem ist diese Art von Fettsäuren auch für die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems des Fötus erforderlich. Die Begrenzung des Konsums von Fettfisch dient dazu, eine Gefährdung durch die Umweltschadstoffe Dioxin und PCB (Polychlorierte Biphenyle) zu vermeiden. Schwangeren wird ebenfalls geraten, Marlin, Hai und Schwertfisch zu meiden und nur begrenzt Thunfisch zu sich zu nehmen. Grund hierfür ist die Gefahr einer Methylquecksilber-Exposition, die bei hohen Werten die Entwicklung des Nervensystems des Fötus beeinträchtigen kann. Auf EU-Ebene empfahl ein Expertenausschuss vor kurzem, dass schwangere und stillende Frauen mindestens 200 mg der langkettigen Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) in ihre tägliche Ernährung aufnehmen sollten.

Bei bestimmten Ernährungsgruppen müssen während der Schwangerschaft besondere Aspekte berücksichtigt werden. So können Vegetarierinnen und Veganerinnen beispielsweise Schwierigkeiten haben, ihren Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere von Riboflavin, Vitamin B12, Kalzium, Eisen und Zink, zu decken. Dennoch müssten die meisten Veganerinnen und Vegetarierinnen in der Lage sein, ihren Nährstoffbedarf während der Schwangerschaft bei sorgfältiger Planung zu decken. Bei einer sehr eingeschränkten Ernährungsweise kann es allerdings erforderlich sein, zusätzlich angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungen zu sich zu nehmen.

Schwangerschaften bei jungen Mädchen werfen eine Reihe ernährungsspezifischer Probleme auf. Teenager haben selbst noch einen hohen Nährstoffbedarf für das Wachstum und die Entwicklung, wodurch eine potenzielle Nährstoff-Konkurrenzsituation entsteht. Außerdem nehmen viele junge Mädchen nur wenige von einer Reihe von Nährstoffen auf, die während der Schwangerschaft wichtig sind. Dies gilt insbesondere für Folat, Kalzium und Eisen. Schwangere Teenager nehmen oft keine Folsäureergänzungen zu sich, da die Schwangerschaft nicht geplant war oder sie nicht wissen, dass die Folsäureaufnahme wichtig ist. Bei Teenager-Schwangerschaften sehen sich Berufsanghörige des Gesundheitswesens daher besonderen Herausforderungen gegenüber.

Ebenso wichtig wie die Einhaltung einer gesunden, ausgewogenen Ernährung während der Schwangerschaft ist es, körperlich aktiv zu bleiben, um die Gesundheit und das generelle Wohlbefinden zu fördern und dazu beizutragen, eine übermäßige Gewichtszunahme der werdenden Mutter zu vermeiden. Studien, die sich mit den Auswirkungen einer von körperlicher Aktivität der Mutter auf das Ergebnis der Schwangerschaft befassten, sind von unterschiedlicher Qualität. Es gibt jedoch sehr wenig Belege dafür, dass gemäßigte körperliche Aktivitäten negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Fötus haben können. Studien belegen vielmehr, dass regelmäßiges aerobes Bewegungstraining während der Schwangerschaft dazu beiträgt, die physische Fitness und das Körperbild von Schwangeren zu verbessern oder zu erhalten. Daher ist es empfehlenswert, dass Schwangere ihren üblichen körperlichen Aktivitäten so lange wie möglich nachgehen und versuchen sollten, zum Beispiel durch tägliche Spaziergänge aktiv zu bleiben. Schwimmen eignet sich ganz besonders für die körperliche Bewegung, anstrengende und intensive körperliche Aktivitäten sollten jedoch während der Schwangerschaft vermieden werden.

© British Nutrition Foundation 2006

Der vollständige Artikel ist in der Zeitschrift „Nutrition Bulletin (Ausgabe März 2006)“ veröffentlicht und ist online verfügbar unter:

http://www.blackwell-synergy.com/loi/nbu  

Quelle: Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel

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