Welche Rolle spielen gesundheitsbezogene Angaben und Symbole für das Verbraucherverhalten?

Last Updated : 31 August 2016

Gesundheitsbezogene Angaben und Symbole auf Lebensmitteletiketten sollen Hilfen für den Verbraucher sein, Lebensmittel zu bestimmen, die gesündere Alternativen darstellen, es ist aber wenig darüber bekannt, wie groß ihre Auswirkungen auf das Verständnis der Verbraucher sowie auf ihr Einkaufs- und Konsumverhalten ist. CLYMBOL (“Role of health-related claims and symbols in consumer behaviour” [Die Auswirkungen gesundheitsbezogener Angaben und Symbole auf das Verbraucherverhalten]) - ein von der Europäischen Kommission finanziertes Projekt, das auf den Zeitraum 2012 bis 2016 ausgelegt ist - zielt darauf ab zu untersuchen, wie Verbraucher gesundheitsbezogene Informationen auf Lebensmitteln und Getränken interpretieren. 

Gesundheitsbezogene Angaben und Symbole

Gesundheitsbezogene Angaben können definiert werden als Angaben, die auf einer Lebensmittelverpackung eine Beziehung zwischen einem bestimmten Lebensmittelprodukt – oder einer seiner Zutaten – und der Gesundheit erklären, suggerieren oder auch nur mittelbar zum Ausdruck bringen. Die Feststellung „Vitamin A trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ ist ein Beispiel für eine gesundheitsbezogene Angabe. Gesundheitsbezogene Symbole andererseits werden Lebensmittelprodukten verliehen, die bestimmte Ernährungsanforderungen erfüllen; sie stellen üblicherweise innerhalb einer Produktkategorie eine besonders gesunde Wahlmöglichkeit dar. Die Logos „Choices International” und “Swedish Keyhole” sind gut bekannte Beispiele.

Viele verschiedene Faktoren beeinflussen die Verbraucherakzeptanz gesundheitsbezogener Angaben und Symbole. Als wichtigste Bestimmungsfaktoren erscheinen Vertrautheit mit dem Produkt, der gesundheitsbezogenen Angabe oder der verwendeten funktionalen Zutat, sowie persönliche Relevanz (z. B. die Motivation, gesund zu leben, eine Lebensmittelallergie, sonstige ernährungsbezogenen Anforderungen).1 Es ist allerdings unklar, welche Wirkungen gesundheitsbezogene Angaben und Symbole auf das Verbraucherverhalten bei der Auswahl von Lebensmitteln tatsächlich haben. Aufbauend auf den Ergebnissen des FP7-Projekts FLABEL (Food Labelling to Advance Better Education for Life [Lebensmittelkennzeichnung zur Förderung einer besseren Bildung für das Leben]) zielt CLYMBOL darauf ab zu beleuchten, wie gesundheitsbezogene Angaben und Symbole wahrgenommen und verstanden werden und wie sie sich auf die Auswahl von Lebensmitteln und deren Verzehr auswirken.

CLYMBOL-Forschung

Mit der CLYMBOL-Forschung wurde im September 2012 begonnen, sie kommt gut voran. Die ersten Aktivitäten betreffen die Erstellung eines Status der gesundheitsbezogenen Angaben und Symbole durch Kartierung ihrer Verbreitung im Markt und durch Überprüfung der Bedürfnisse und Wünsche der europäischen Verbraucher in Bezug auf solche Informationen. Interviews mit Interessengruppen (nationalen Lebensmittelbehörden, Verbraucherorganisationen und Vertretern der Industrie) wurden in den 28 Mitgliedsstaaten der EU durchgeführt, um die Geschichte der Verwendung gesundheitsbezogener Angaben und Symbole zu erforschen. Es wurde eine vorläufige Systematik entwickelt, die helfen wird, gesundheitsbezogene Angaben und Symbole zu bestimmen und zu klassifizieren. Darüber hinaus werden Daten zu Lebensmittel- und Getränkeprodukten in fünf EU-Ländern gesammelt (Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Slowenien und Spanien), um zu untersuchen, welche Angaben und Symbole verwendet und in welchem Kontext sie auf der Produktverpackung erscheinen werden. Die ernährungsmäßige Zusammensetzung von Lebensmitteln, die mit gesundheitsbezogenen Angaben und Symbolen versehen sind, sowie Ernährungsprofile hinter bestehenden gesundheitsbezogenen Symbolen werden weiter analysiert mit dem Ziel, einen umfassenden Überblick des aktuellen Stands der Verwendung gesundheitsbezogener Angaben und Symbole in der EU zusammenzustellen.

Die Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher – darunter die Gesundheitsmotivation und Fähigkeit, bestimmte Informationen (Angaben und Symbole) bei der Auswahl von Lebensmitteln anzuwenden – werden weiter analysiert. Durch Kombination der Ergebnisse von der Marktseite und der Verbraucherseite werden die CLYMBOL-Partner einen Satz Methoden erarbeiten, die sich als am besten geeignet herausstellen, die Verwendung und Wirksamkeit von Angaben und Symbolen auf Lebensmittelprodukten zu messen und zu überwachen.

Kernstück dieses Projekts wird eine Reihe empirischer Verbraucherstudien in den EU-Ländern sein mit dem Ziel, Ergebnisse herauszufinden, die verallgemeinert werden können und zwischen verschiedenen Verbrauchergruppen vergleichbar sind. Die Reihe dieser Studien wird paneuropäische Befragungen, Interviews, Experimente in Geschäften und im Labor und Analysen der Bevölkerungsdaten umfassen. Die Forscher werden unter anderem das unterbewusste Verhalten beobachten und analysieren, und zwar durch Nachverfolgen der Augenbewegungen und der Reaktionszeit im Geschäft. Diese Daten können dann mit tatsächlichen Einkäufen verknüpft werden, aber auch mit Verbraucherinterviews über ihre Lebensmitteleinkäufe.

Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse wird CLYMBOL Richtlinien entwickeln, wie der Gebrauch der von der Europäischen Lebensmittelbehörde genehmigten gesundheitsbezogenen Angaben und Symbole bei Lebensmittelprodukten anzuwenden, wirkungsvoll zu analysieren und kontinuierlich zu überwachen ist, wobei landestypische und individuelle Unterschiede unter den Verbrauchern berücksichtigt werden. Das wird für Verbrauchsforscher, nationale Behörden und politische Entscheidungsträger nützlich sein, aber auch für die Lebensmittelindustrie, damit die gesundheitsbezogenen Angaben und Symbole in einer Weise verwendet werden, die sowohl für die Verbraucher als auch für die Lebensmittelindustrie vorteilhaft sind. 

Das CLYMBOL-Konsortium

Unter der Koordination des European Food Information Council (EUFIC) [Europäisches Informationszentrum für Lebensmittel] sind in dem CLYMBOL-Konsortium 14 Partner aus 9 europäischen Ländern zusammengeführt. Wissenschaftlicher Berater ist Prof. Klaus Grunert von der Universität Aarhus. Alle Partner sind anerkannte Experten auf verschiedenen Gebieten wie kognitive Verbraucherpsychologie, Ökonomie, Marketing, Ernährung und Öffentliches Gesundheitswesen. Zu der Gruppe gehört auch ein Einzelhändler, was gewährleistet, dass die Forschungen unter realen Einsatzbedingungen durchgeführt werden können.

Weitere Informationen

CLYMBOL - Role of health-related claims and symbols in consumer behaviour - receives research funding from the European Community's Seventh Framework Programme (Contract n°311963).

Literatur

  1. Wills JM, Storcksdieck genannt Bonsmann S, Kolka M, et al. (2012). European consumers and health claims – attitudes, understanding, and purchasing behaviour. Proceedings of the Nutrition Society 71(2):229-236.