Lebensmittelherstellung 3: Nachhaltige Nahrungsversorgung

Last Updated : 02 June 2015

Die Sicherung einer nachhaltigen Nahrungsversorgung für die rapid anwachsende Weltbevölkerung stellt eine der großen Herausforderungen dar. Die Lebensmittelherstellung ist neben Fragen des Lebensmittelkonsums, der Ernährungsweise und der Lebensmittelsicherheit eines der zentralen, handlungsbedürftigen Themen.

Schätzungen zufolge wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen anwachsen (34 % mehr als heute). Die Lebensmittelherstellung muss um 70 % steigen um diese höhere und höchstwahrscheinlich städtische Bevölkerung zu ernähren.1 Mehr Lebensmittel müssen auf weniger Land produziert werden. Wasser und Energie werden zu limitierenden Faktoren.

Erschwerend kommt hinzu, dass nachhaltige Lebensmittelprodukte reich an Nährstoffen sein müssen um Menschen eine abwechslungsreiche und gesundheitsfördernde Ernährung mit einer ausgewogenen und ausreichenden Mischung an Energie und Nährstoffen zu ermöglichen.2

Was ist nachhaltige Lebensmittelherstellung?

Nachhaltige Lebensmittelherstellung ist „eine Produktionsweise, deren Prozesse und Systeme keine Verschmutzung erzeugen, nicht-erneuerbare Energien und natürliche Ressourcen sparen, ökonomisch effizient sowie sicher für Arbeiter, Gemeinden und Verbraucher sind, und die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht beeinträchtigen“.3

Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt

Die Lebensmittelherstellung weltweit muss sich ändern um Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren und auch in Zukunft Lebensmittel produzieren zu können. Wie andere menschliche Tätigkeiten trägt die Lebensmittelherstellung zu Klimawandel, Wasserknappheit, Verlust der Bodenqualität und Artenvielfalt bei.3,4

Schätzungen zufolge entstehen 25 % aller weltweiten Treibhausgasausstöße als direkte Folge der Nutzpflanzen- und Nutztierproduktion sowie durch die Forstwirtschaft.5 Die Nutzpflanzen- und Nutztiersektoren verwenden 70 % der Süßwasserressourcen und, zusammen mit der Forstwirtschaft, 60 % der Landfläche der Erde.2

Wie stark sich die Lebensmittelproduktion auf die Umwelt auswirkt hängt sowohl von Produktionsort und –weise der Lebensmittel als auch von der örtlichen Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen wie Wasser und Boden ab. Zwischen verschiedenen Umweltfaktoren muss oft abgewogen werden, und bislang gibt es keine einfach handhabbaren Leitsätze mit denen sich bestimmen ließe, ob ein Lebensmittelprodukt nachhaltiger ist als das andere.

Maßnahmen zur nachhaltigeren Gestaltung der Lebensmittelherstellung

Die Europäische Kommission prüft im Moment wie sich die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt am besten verringern und Verschwendungen entlang der Nahrungsmittelversorgungskette am besten begrenzen lassen.6 Ziel der Kommission ist es, bis zum Jahr 2020 den Ressourcenverbrauch der Nahrungskette durch Anreize zu nachhaltigerer Lebensmittelproduktion und nachhaltigerem Lebensmittelkonsum um 20 % zu reduzieren.

Ein Fortschritt in diese Richtung ist mit der Technologie und dem Wissen von heute bereits möglich. Maßnahmen zur nachhaltigeren Gestaltung der Lebensmittelherstellung umfassen laut Europäischer Kommission und Nachhaltigkeitsplänen von Lebensmittelfirmen folgende Punkte:

Effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen

  • Verwendung fossiler Brennstoffe verringern und Wassernutzung in der Produktion optimieren
  • Landnutzung optimieren und Flächenumwandlung für die Landwirtschaft reduzieren
  • Energie- und wassereffiziente Lebensmittelfertigungsstätten konzipieren

Qualitätsschutz natürlicher Ressourcen

  • Dünger und Pflanzenschutzmittel angemessen anwenden, um eine Verschmutzung von Böden und Wasserläufen zu verhindern
  • Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren, um die Luftqualität zu bewahren
  • Bodenverluste rückgängig machen und Humusgehalt im Boden wiederherstellen
  • Artenvielfalt durch landwirtschaftliche Praktiken erhöhen welche Land-, Wasser- und Energieressourcen sowie Feucht- und Waldgebiete schützen

Schutz der Meeresressourcen

  • Nachhaltige Fischereipraktiken einführen, um Fischbestände wieder herzustellen und Beifang (zufällig mitgefangener Teil des Fanges) und Rückwürfe (in die See zurückgeworfener oder weggeworfener Fang) auszuschließen
  • Verschmutzung der Küstenregionen reduzieren (z. B. durch Dünger und Müll)

Bezug von Lebensmittelzutaten aus nachhaltigen Quellen, zum Beispiel:

  • Fischprodukte, die vom Marine Stewardship Council (MSC) zertifiziert sind. Der MSC arbeitet mit Fischereien, um nachhaltige Fischereipraktiken zu fördern. Solche Praktiken stellen sicher, dass die Fischerei auf einem dauerhaft aufrecht erhaltbaren Niveau betrieben wird und das Ökosystem bewahrt wird.
  • Palmölprodukte, die vom Roundtable on Sustainable Palm Oil (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl, RSPO) oder ähnlichen Organisationen zertifiziert sind. Solche Initiativen stellen sicher, dass Palmölprodukte ohne übermäßigen Umweltschaden, wie etwa die Umwandlung von Regenwald in Agrarland (Abholzung), hergestellt werden. Ähnliche Initiativen gibt es auch für andere Güter wie etwa Soja-Bohnen.

Verwendung umweltfreundlicher Lebensmittelverpackung

  • Die Verwendung von Verpackung optimieren
  • Werkstoffe mit geringeren Auswirkungen auf die Umwelt
  • Wiederverwendete Werkstoffe

Reduktion von Lebensmittelabfällen

  • Technische Strategien, wie etwa eine neue Produktrezeptur für verlängerte Haltbarkeit, oder die Verwendung funktionaler Verpackungen um Verderben und Verschwendung verderblicher Lebensmittel zu verringern
  • Abfall reduzieren, der in Mülldeponien landet (z. B. Lebensmittel-Verwertungsanlage, Spenden überzähliger Nahrungsmittel an Hilfsorganisationen, Verwendung als Tierfutter)

Die Europäische Kommission arbeitet zudem an Wegen zu einem ressourcen-effizienteren und nachhaltigeren Lebensmittelsystem. Wweitere Berichte werden voraussichtlich in Kürze veröffentlicht.7

Zusammenfassung

Beiträge in dieser Food Today Reihe erklären, wie die Lebensmittelherstellung den Bedarf an einer nährstoffreichen und sicheren Nahrungsversorgung erfüllen kann, der die Verbraucher auch vertrauen können. Dieser Beitrag zeigt, dass die Lebensmittelherstellung bereits nachhaltiger sein könnte. Weitere Anstrengungen sind daher dringend notwendig. Andauernde Investitionen in Forschung, Entwicklung und Innovation vonseiten der Industrie und Regierungen sind unabdingbar, um sicherzustellen, dass das Lebensmittelsystem den Bedarf und die Anforderungen der wachsenden Weltbevölkerung in nachhaltiger Weise erfüllen kann.

Literatur

  1. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (2009). How to Feed the World in 2050. Rome: FAO.
  2. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (2013). Healthy people depend on healthy food systems.
  3. Foresight (2011). The Future of Food and Farming: Challenges and Choices for Global Sustainability. Final Project Report. London: Government Office for Science.
  4. Food Chain Evaluation Consortium (2014). Scoping study. Delivering on EU food safety and nutrition in 2050 - Scenarios of future change and policy responses. Brussels, Belgium: European Commission.
  5. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (2014). Building a common vision for sustainable food and agriculture: principles and approaches. Rome, Italy: FAO.
  6. MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa. KOM/2011/0571 endgültig.
  7. European Commission website, Sustainable Food section.