Wissenswertes über Lebensmittelverpackungen

Last Updated : 15 September 2016

Lebensmittelverpackungen haben eine bedeutende Schutzfunktion und spielen beim Hinauszögern des chemischen, physikalischen und biologischen Verfalls eine große Rolle. Auf diese Weise kann selbst einfache Verpackung (wie Glas, Metall, Kunststoff und Papier) die Haltbarkeitsdauer eines Produkts verlängern, die Qualität und Sicherheit verbessern, Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren und die Verfügbarkeit fördern.

Eine wichtige Aufgabe von Materialien für Lebensmittelverpackungen besteht darin, als physische Barriere zum Schutz des Inhalts gegen Mikroorganismen, Schädlinge und Geruchsannahme zu dienen. Sie verhindern Schäden durch mechanische Einwirkung, Vibration oder Erschütterungen und schützen vor möglichen Verschmutzungen oder Manipulation während Transport und Lagerung.1

Außerdem reagieren die meisten Lebensmittel auf Feuchtigkeit (z. B. werden Kekse weich oder Brot trocknet aus), so dass sie durch die entsprechende Verpackung geschützt werden müssen. Des Weiteren sind Sauerstoff und Licht an der Oxidation des Lebensmittels beteiligt, ein Prozess, der zu Geschmacksveränderungen, Verfärbungen bei Fleisch und einem Verlust des Vitamin-C-Gehalts bei Fruchtsaft führen. Bei der MAP-Technik, dem Verpacken mit modifizierter Atmosphäre, wird die Luft in der Verpackung durch ein einziges Gas oder ein Gasgemisch ersetzt, das die Haltbarkeitsdauer dieser Lebensmittel verlängert. Beispielsweise lässt sich durch die Verringerung des Sauerstoffgehalts der Verpackung das Wachstum von Bakterien verlangsamen. Eine Kombination dieser Technik mit Verpackungsmaterialien, die den Gastransfer aus der Umgebungsluft begrenzen (z. B. um den Eintritt von Sauerstoff zu verhindern), und Lagerung bei niedrigen Temperaturen verhindert auch das Verderben und sorgt dafür, dass die Lebensmittel länger sicher sind.2 Die Verpackung besteht häufig aus mehreren Schichten verschiedener Materialien, wobei jedes von ihnen eine nützliche Funktion hat. Beispielsweise lassen sich Behälter aus Pappe oder Karton zur Beibehaltung der Form mit einem harzbeschichteten Folienbeutel kombinieren, um das Produkt frisch zu halten, da er als eine Feuchtigkeits- oder Luftbarriere dient.

Lebensmittelverpackung und -technologie

In den letzten 50 Jahren wurden in diesem Bereich viele bedeutende bahnbrechende Technologien entwickelt, zum Beispiel: sterile (frei von Bakterien oder anderen Mikroorganismen) Verarbeitung und Verpackung, flexible und wiederverwendbare Behälter, Gasabsorber, mikrowellengeeignete Materialien, Originalitätsverschlüsse (man sieht wenn die Packung geöffnet wurde) und aktive, intelligente und recyclingfähige Verpackungssysteme.1 In diesem Zeitraum hat sich auch die Anzahl der Lebensmittelhersteller verringert, was zu längeren Lebensmittellieferketten führte, die sich oft über mehrere europäische Länder erstrecken.2 Dies bedingt insbesondere für frische und gekühlte Lebensmittel eine längere Haltbarkeitsdauer.

Außerdem gewinnt die Verlängerung der Haltbarkeitsdauer von Lebensmittelprodukten immer mehr an Bedeutung und die Verringerung von Abfall hat in letzter Zeit zugenommen. Die Europäische Kommission hat als Ziel vorgegeben, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung um 50 % zu reduzieren3 und das Recycling auf 75 % der Verpackungen4 zu steigern. Nachhaltige Alternativen für petrochemische (Kunststoff) Verpackungen können zum Umweltschutz beitragen; Materialien aus Nebenprodukten der Lebensmittelverarbeitung sind leicht recycelbar oder biologisch abbaubar und tragen zur Reduzierung von Abfall und Verpackungsmüll bei.5 Zu den jüngsten Erfindungen bei nachhaltigen Lebensmittelverpackungen zählen beispielsweise Kartons aus Kartoffeln und Molke 5, ein biologisch abbaubarer Ersatz für Styropor aus Pilzkulturen,6 und Flaschen auf Zuckerrohrbasis.7 Es werden Zusatzstoffe für Verpackungen entwickelt, die die Kompostierdauer oder den biologischen Abbau von Verpackungsmaterialien steuern oder beschleunigen können. Essbare Beschichtungen und Überzüge (aus Inhaltsstoffen wie Kasein, Molke, Kollagen, Ei oder Mais), die sich direkt auf die Lebensmittelprodukte auftragen lassen, um Verpackung einzusparen, werden ebenfalls entwickelt.8 Auf lange Sicht dürften die nachhaltigen Verpackungsmaterialien die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit der Verpackungshersteller und des Agrar- und Nahrungsmittelsektors steigern.

Nanotechnologie wird ebenfalls als ein wichtiger Bereich der Entwicklung von innovativen Lebensmittelverpackungen erachtet. Diese angewandte Wissenschaft beinhaltet die Kontrolle von Materie im Atombereich, wobei Nanopartikel in der Regel eine durchschnittliche Größe von 100 Nanometer oder weniger aufweisen.9 Diese neuen Materialien haben einzigartige physikalische und chemische Eigenschaften wie größere Belastbarkeit, geringeres Gewicht, antimikrobielle Eigenschaften oder gesteigerte Beständigkeit bei Hitze, Gasen, UV-Bestrahlung und Feuchtigkeit.10 Zu den spannenden Forschungsbereichen zählen die Gestaltung von farbverändernden Nanosensoren zur sofortigen Aufdeckung von undichten Stellen bei vakuumverpackten oder mit Schutzgas verpackten Lebensmitteln, Temperaturschwankungen im Laufe der Zeit und mikrobiellem Wachstum (z. B. das Vorkommen und Wachstum von Bakterien, Viren oder Schimmelpilzen, die Lebensmittel verderben lassen). Außerdem wurde eine aktive Verpackung entwickelt, die Konservierungsstoffe enthält, die nur dann kontrolliert abgegeben werden, wenn ein Lebensmittel zu verderben beginnt.11

Es gibt auch immer mehr sogenannte intelligente Verpackungsmaterialien; sie können den Zustand des verpackten Lebensmittels überwachen und den Verbraucher oder die an der Lieferkette beteiligten Personen darüber informieren. Beispielsweise können Indikatoren an der Verpackung die Farbe wechseln, um den Verbrauchern mitzuteilen, ob das Produkt über die kritische Temperatur erhitzt oder gekühlt wurde, was die Qualität oder Sicherheit des Produkts beeinträchtigen könnte (z. B. Einfrieren-Auftauen-erneutes Einfrieren).12

Verordnung für Lebensmittelverpackungen

Verordnung für Lebensmittelverpackungen 
In der EU wird jedes Material als ein Lebensmittelkontaktmaterial definiert, das dafür vorgesehen ist, während Produktion, Transport, Lagerung oder Verbrauch von Lebensmitteln mit diesen in Kontakt zu kommen oder bei dem von einem Kontakt mit ihnen auszugehen ist, z. B. Verpackung, Besteck, Behälter, Maschinen etc. Die europäischen Verordnungen gewährleisten, dass die in der EU hergestellten und verwendeten Lebensmittelkontaktmaterialien für ihre vorgesehene Nutzung ungefährlich sind.13,14 Beispielsweise dürfen Verpackungsmaterialien, die die Lebensmittel umgeben, weder Zusammensetzung, Geschmack noch Geruch der Lebensmittel auf inakzeptable Weise beeinträchtigen. Die Hersteller müssen auch dafür sorgen, dass Chemikalien und Partikel des Verpackungsmaterials nicht in das Lebensmittel gelangen und zu Gesundheitsschäden führen. Darüber hinaus gibt es bestimmte Maßnahmen (mit detaillierteren Beschränkungen), die bestimmte Materialien wie recycelte Kunststoffe, aktive und intelligente Lebensmittelkontaktmaterialien, regenierte Cellulose und Keramik regulieren.15

Quellenangaben

  1. Trinetta V (2016). Definition and Function of Food Packaging. Reference Module in Food Science Published online 1 Dec 2015.
  2. Dixon J (2011). Packaging Materials: 9. Multilayer Packaging for Food and Beverages. ILSI Europe Report Series. Brussels. Retrieved 5th August 2016.
  3. European Commission. EU Actions on Food Waste.
  4. European Commission. Press release on Circular Economy Package: Questions & Answers
  5. European Commission. Sustainable food packaging from food waste
  6. European Commission. Sustainable packaging from “mushroom materials”.
  7. Chief Packaging Officer, USDA Program Promotes Sustainable Packaging Including Plant-based Bottles.
  8. Robinson DKR & Propp T (2011). Innovation-Chain Approach to prospecting technology embedment in society: An illustration for potential nano-enabled agrifood sector transformations. Fourth International Seville Conference on Future-Oriented Technology Analysis (FTA), Seville, 12-13 May 2011.
  9. Food Safety Authority of Ireland Nanotechnology and Food
  10. RIKILT and Joint Research Centre (2014). Inventory of Nanotechnology Applications in the Agricultural, Feed and Food Sector. EFSA Supporting Publication: EN-621, 125pp.
  11. FAO (2010) Report from FAO/WHO expert meeting on the application of nanotechnologies in the food and agriculture sectors: potential food safety implications
  12. Ghaani M et al. (2016). An overview of the intelligent packaging technologies in the food sector. Trends in Food Science & Technology 51:1-11.
  13. Regulation (EC) No 1935/2004 of the European Parliament and of the Council of 27 October 2004 on materials and articles intended to come into contact with food and repealing Directives 80/590/EEC and 89/109/EEC
  14. Commission Regulation (EC) No 2023/2006 of 22 December 2006 on good manufacturing practice for materials and articles intended to come into contact with food
  15. Food Safety Authority of Ireland (2014) Food Contact Materials