Detox-Diäten: Verdienen sie ihren Namen?

Last Updated : 10 August 2018

Detox-Diät ist seit einiger Zeit beliebt. Der Begriff bezieht sich gewöhnlich auf kurzfristige Interventionen, die angeblich Giftstoffe aus dem Körper beseitigen, die Gesundheit verbessern, einen schnellen Gewichtsverlust verursachen und die Haut zum Glühen bringen. Zu diesen Diäten gehören Hungerfasten, Saftfasten oder Monodiäten (z.B. die Kohlsuppendiät). Einige Diäten legen den Schwerpunkt auf “saubere” Nahrungsmittel, wie Obst und Gemüse (normalerweise organisch) und andere unverarbeitete Nahrungsmittel mit wenigen Zutaten, während bestimmte Bestandteile wie Zucker oder Koffein beseitigt werden. Manchmal fördern sie auch die Verwendung von Diuretika, Abführmitteln oder anderen Produkten, wie z.B. Entgiftungstees oder –ergänzungen, obwohl oft Unklarheiten darüber bestehen, welche spezifischen “Toxine” diese Diäten abbauen.1

OK, also was sind die Fakten?

Eine kürzlich durchgeführte kritische Überprüfung zeigte, dass es keine Beweise für die Wirksamkeit von Entgiftungsdiäten auf Gewichtsverlust oder Toxinausscheidung gibt.2 Bei Menschen werden Giftstoffe von der Leber und den Nieren aus dem Körper entfernt, die diese Toxine als Teil ihrer normalen Körperfunktion abbauen und ausscheiden, unabhängig von der Ernährung. Bisher hat die Europäische Union die Zulassung von gesundheitsbezogenen Angaben zur Entgiftung von zehn Lebensmitteln oder Zutaten aufgrund fehlender Beweise abgelehnt.3

Außerdem, obwohl es großartig ist, dass einige dieser Diäten den Verzehr von viel Obst und Gemüse fördern, kann uns kein Obst oder Gemüse einzeln mit allen Nährstoffen versorgen, die wir brauchen, um eine optimale Gesundheit zu erhalten. Mit anderen Worten, der Verzehr einer Frucht oder eines Gemüses, beispielweise eine reine Kohl-Diät, kann uns nicht alle Nährstoffe liefern, die wir brauchen.

Müssen wir von Zucker entgiften?

Das Entgiften von Zucker, insbesondere das Entfernen aller Quellen von zugesetztem Zucker aus der Nahrung, ist zu einer ziemlich beliebten Diät geworden. Das liegt vor allem daran, dass Zucker in den Medien keinen so guten Ruf erlangt hat, wo er häufig als giftig und suchterzeugend beschrieben wird. Während Zucker in den durchschnittlichen Mengen, die in Europa konsumiert werden, nicht toxisch ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass sich viele Europäier nicht an die Aufnahmeempfehlungen halten.4 Überkonsum von Zucker wurde mit Fettleibigkeit und Karies (Zahnfäule) in Verbindung gebracht. Obwohl eine Zuckerentgiftung nicht notwendig ist, sollte man Zucker am Besten in Maßen genießen. 5

Was die Sucht betrifft hat die Forschung wenige Hinweise gefunden, die die Zuckersucht bei Menschen unterstützen.6,7 Die ‘Sucht’ bezieht sich auf die physiologischen und psychologischen Prozesse, die Abhängigkeit- und Entzugssymptome beim Absetzen verursachen, so dass die betroffene Person das Material aktiv sucht, das die Entzugssymptome verhindert. Es ist wichtig, der Unterschied zwischen den starken Zwang, den einzelne Menschen zum (Über-)Essen empfinden, und der Vorstellung, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Nährstoffe selbst süchtig machen, zu machen. Unsere Umwelt spielt auch eine wichtige Rolle bei der Mehrheit der Menschen, die zu viel essen. Zum Beispiel, die Verfügbarkeit von sehr schmackhaften (mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt) Lebensmitteln und Getränken verbunden mit einer Konsumkultur fördert den Überessen.8

Selbst Obst wurde wegen seines Zuckergehalts kritisiert. Obwohl Obst Zucker (Fruktose)enthält, enthält es auch viele andere wichtige Nährstoffe und Ballaststoffe. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, ballaststoffreiche Lebensmittel als Teil einer gesunden, ausgewogenen Ernährung zu verzehren, um die Gewichtskontrolle zu verbessern.9 Darüber hinaus hilft der hohe Ballaststoffgehalt von Früchten unserem Körper, die natürlichen Zucker in Früchten langsamer zu verdauen als bei Lebensmitteln mit hohem Zuckergehalt, was dazu beiträgt, einen Anstieg unseres Blutzuckerspiegels zu vermeiden.8

Die aktuellen Ernährungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen, dass wir unsere Aufnahme von freiem Zucker (jene, die in Nahrungsmitteln und Getränken zugesetzt sind und natürlich in Honig, Sirupen und Früchtsäften enthalten sind) auf weniger als 10% unserer Gesamtenergieaufnahme reduzieren sollten. Praktisch sind das ungefähr 50 g (12 Teelöffel) pro Tag für einen Erwachsenen (basierend auf 2000kcal pro Tag), oder 45 g (10 Teelöffel) für Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren, oder etwa 35 g (8 Teelöffel) pro Tag für ein Kind (4-8 Jahre, basierend auf 1400 kcal pro Tag). Diese Richtlinien gelten nicht für natürliche Zucker in frischem Obst oder Milch.10,11

Das Endergebnis: Lassen Sie die Entgiftung zu Ihrer Leber und Nieren!

Es ist wichtig, sich zu merken, dass ein übermäßiger Verzehr von Kalorien aus jeder Quelle, nicht nur Zucker, zu einer Gewichtszunahme führen kann. Während Detox-Diäten eine wirksame Methode für kurzfristige Gewichtsabnahme sein können, ist dies einfach auf eine kalorische Einschränkung zurückzuführen. Das verlorene Gewicht wird wahrscheinlich unmittelbar nach der Rückkehr zu früheren Ernährungsgewohnheiten zurückkommen. Eine erhebliche Kalorienrestriktion und die Eliminierung von Nahrungsmitteln in diesen Diäten können ebenfalls gefährlich sein, da sie keine ausreichende Energiezufuhr oder die Nährstoffe liefern, die für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden erforderlich sind. Dadurch können solche Diäten möglicherweise die körperliche und geistige Gesundheit beeinträchtigen. Also, fallen Sie nicht auf diese Modeerscheinung, streben Sie nach einer gesunden, ausgewogenen Diät und lassen Sie die Entgiftung zu Ihren Nieren und Leber!

References

  1. Allen J, et al., (2011) Detoxification in naturopathic medicine: a survey. J Altern Complement Med 17, 1175–1180.
  2. Klein AV, & Kiat H (2014) Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence. Journal of Human Nutrition and Dietetics, 28(6), 675-686.
  3. European Commission. EU Register on nutrition and health claims
  4. European Food Safety Authority (2017) Dietary reference values for nutrient intakes
  5. Weichselbaum, E. (2012) Is sugar really that bad for you? Nutrition Bulletin, 37, 135-137
  6. Westwater, M.L, et al. (2016) Sugar addiction: the state of the science. European Journal of Nutrition, 55(2), 55-69.
  7. Markus, C.R, et al. (2017) Eating dependence and weight gain; no human evidence for a ‘sugar-addiction’ model of overweight. Appetite, 114, 64-72.
  8. EUFIC (2013) Addressing common questions about sugars
  9. European Food Safety Authority (2010) Scientific Opinion on Dietary Reference Values for carbohydrates and dietary fibre
  10. The World Health Organisation (WHO, 2015) Sugars intake for adults and children
  11. Food and Agriculture Organization (FAO, 2013) Milk and dairy products in human nutrition