Körperliche Aktivität und Sicherheitsbedenken

Last Updated : 31 May 2009

Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden, ausgewogenen Lebensweise. Sie hilft uns, unser Gewicht zu halten, ist gut für die Gesundheit von Knochen und Muskulatur, trägt zum psychischen Wohlbefinden bei und reduziert außerdem das Risiko für gewisse Erkrankungen wie Krebs, Herzkrankheiten oder Diabetes. Dennoch sollte auch an mögliche Gesundheitsrisiken gedacht werden, die im Zusammenhang mit sportlicher Tätigkeit durchaus bestehen können.

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Es ist allgemein bekannt, dass körperliche Aktivität das Risiko für gewisse Krankheiten, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verringert. Dennoch zählen kardiovaskuläre Probleme wie Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen zu den Risiken, die in Verbindung mit vermehrter körperlicher Betätigung auftreten können. Während manche vielleicht meinen, die meisten Herzinfarkte würden sich während anstrengender Aktivität ereignen, treten in Wahrheit etwa 90 % aller Herzinfarkte in Ruhe, und nicht bei Anstrengung, auf.1

Für gesunde Personen ohne bestehende Herzkrankheit beträgt das Risiko für ernste Komplikationen während körperlicher Aktivität 1 je 400 000 – 800 000 Trainingsstunden, während das Risiko für Menschen mit bereits bestehender Herzerkrankung bei 1:62 000 liegt.1 Zum Vergleich: Bei einer Person, die fünfmal die Woche je 1,5 Stunden sportlich tätig ist, sammeln sich im Laufe von über 30 Jahren insgesamt 11 700 Stunden körperliche Aktivität an. Dies bedeutet grundsätzlich, dass selbst Personen mit regelmässiger und intensiver körperlicher Betätigung ein sehr geringes Risiko für ein ernstes Herzproblem haben. Zudem hat sich für inaktive Menschen, die körperlich aktiv werden, gezeigt, dass sie zwar gegenüber Personen, die fünfmal pro Woche trainieren, ein um 50 % erhöhtes Herzanfallrisiko haben. Allgemein bedeutet dies jedoch ein nach wie vor sehr geringes Risiko.

Obwohl das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen gering ist, sollte man die Warnsignale, die einem Herzinfarkt vorausgehen, kennen. Dazu zählen ein Engegefühl in der Brust (eventuell mit Schmerzen, die von der Brust in Arme, Rücken und Schulterbereich ausstrahlen), Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen, starkes Herzklopfen oder Herzstolpern (Extrasystolen), ungewöhnliche Atemnot oder Kurzatmigkeit sowie Benommenheit.

Gelenk- und Mobilitätsrisiken

Die Gelenke unseres Körpers, vor allem die Knie- und Sprunggelenke, tragen bei jeder körperlichen Aktivität eine große Last; dies gilt insbesondere für übergewichtige bzw. fettleibige Menschen. Das Ausmaß der Belastung des einzelnen Gelenks ist somit vom Körpergewicht abhängig, aber auch von der Art der Aktivität und der Mechanik der Bewegung.2 Laufen ist zum Beispiel für die Gelenke belastender als Radfahren, und dieser Effekt wird durch zunehmendes Körpergewicht verstärkt.

Auch eine schwache Muskulatur ist ein Faktor, der zu Gelenkproblemen führen kann. Die Belastung der Gelenke bei übergewichtigen Personen lässt sich bereits durch geringe Gewichtsreduktion signifikant reduzieren.2,3Forschungsergebnisse belegen jedoch, dass für gesunde Personen ohne bestehende Gelenkprobleme durch ein mäßiges Low-Impact-Training (wie Gehen, Schwimmen, Rudern) kein erhöhtes Risiko besteht, später eine degenerative Gelenkerkrankung wie Osteoarthritis zu entwickeln. Sehr viel höher kann dieses Risiko hingegen bei Leistungssportlern sein, die sehr kraftvolle Sportarten wie z. B. Laufen, Squash oder Tennis ausüben, da hier aufgrund der starken Belastung der Gelenke ein höheres Risiko besteht, z. B. eine Osteoarthritis im Knie zu entwickeln.4

So ist sportliche Aktivität sicher

Körperliche Aktivität ist für einen gesunden Körper sowie einen gesunden Geist von grundlegender Bedeutung, und obwohl gewisse Sicherheitsbedenken zulässig sind, ist der Nutzen einer sportlichen Betätigung doch im Allgemeinen sehr viel höher als der mögliche Schaden. Bereits die richtige Wahl des geeigneten Umfelds für seine körperlichen Aktivitäten trägt wesentlich zur Sicherheit bei. Folgende Tipps können hierbei eine Hilfe sein5:

  • Wählen Sie für Ihre körperliche Betätigung einen Bereich, der vom Autoverkehr sicher getrennt ist (Gehwege, Radwege, etc.).
  • Suchen Sie sich am besten verkehrsberuhigte Zonen aus.
  • Sicherer sind Orte bzw. Wege, die gut ausgeleuchtet und gut gepflegt sind (kein Müll, keine Glasscherben, etc.) und wo auch andere Personen anwesend sind.
  • Spiel- bzw. Sportplätze sollten einen stoßdämpfenden Boden haben.
  • Die Sportanlagen und Spielfelder sollten gepflegt sein und keine Löcher im Boden oder irgendwelche Hindernisse aufweisen.
  • Auf Sportplätzen für Fußball und ähnliche Mannschaftsballspiele sollten die Tore und Pfosten sicher verankert und gepolstert sein.

In jedem Fall gilt die Empfehlung, entsprechende Sportbekleidung zu tragen und vor Aufnahme einer sportlichen Aktivität oder eines Trainingsprogramms professionellen Rat einzuholen, damit das Training auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmt werden kann.

Weitere Informationen unter:

EU-Leitlinien für körperliche Aktivität 2008

Literatur

  1. Myers J (2003) Exercise and cardiovascular health. Circulation 107:e2-e5
  2. Hunter DJ, Eckstein F (2009) Exercise and osteoarthritis. Journal of Anatomy 214:197-207
  3. Messier SP, Gutekunst DJ, Davis C et al (2005) Weight loss reduces knee-joint loads in overweight and obese older adults with knee osteoarthritis. Arthritis and Rheumatism 52:2026–2032
  4. Cooper C, Snow S, McAlindon TE et al (2000) Risk factors for the incidence and progression of radiographic knee osteoarthritis. Arthritis and Rheumatism 43:995–1000
  5. U.S Department of Health and Human Services (2008) 2008 Physical Activity Guidelines for Americans.