Nährwertkennzeichnung Fragen & Antworten

Last Updated : 29 March 2017

Wenn wir die auf Nahrungsmittelverpackungen abgedruckten Nährwertangaben verstehen, können wir bessere Entscheidungen darüber treffen, welche Produkte den Bedürfnissen unseres Lebensstils und Aktivitätsgrades entsprechen.1

Warum die Nährwertkennzeichnung lesen?

Seien Sie sich über die Inhaltsstoffe bewusst

Nährwertkennzeichnungen helfen uns zu verstehen, was in verpackten Nahrungsmitteln enthalten ist. Nach dem Gesetz muss das Etikett den Energiegehalt in Kilokalorien (kcal) und Kilojoule (kJ), Fette, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz pro 100 Gramm (g) oder Milliliter (ml) beinhalten.2 Diese Informationen müssen zusammen aufgeführt werden und befinden sich meist auf der Rückseite der Verpackung. Oft befinden sich auch einige Informationen auf der Vorderseite der Verpackung. Nährwertangaben können auch pro Portion angegeben werden und können zudem den Ballaststoffgehalt enthalten. Sobald das Etikett Nährwertangaben enthält, müssen hier auch relevante Inhaltsstoffe, wie Vitamine und Mineralien, ausgewiesen sein. Bitte beziehen Sie sich auf die unten aufgeführten Links für weitere Informationen über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben.

Erfüllung des Nährstoffbedarfs

Wir alle haben unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse, die basierend auf unserem aktuellen Gesundheitszustand, Alter, Geschlecht und Energiebedarf variieren.3 Die Nährwertkennzeichnung ermöglicht es uns, Produkte auszuwählen, die unseren gesundheitlichen Bedürfnissen und Zielen entsprechen. So kann zum Beispiel einem Erwachsenen das Lesen und Verständnis von Nährwertkennzeichnungen dabei behilflich sein, seine Salzaufnahme auf weniger als 5-6 g pro Tag (der empfohlene Grenzwert für einen Erwachsenen) zu reduzieren.4 Es ist im Allgemeinen wichtig, auf die Portionsgröße zu achten, um unsere Gesundheitsziele zu erreichen. Es ist stets ratsam, sich folgende Frage zu stellen: Wie groß sollte die Portion sein, wenn ich die Nährwertangaben des zu verzehrenden Produktes berücksichtige? Seien Sie sich darüber bewusst, dass die von uns verzehrte Menge von der auf dem Etikett als eine Portion angegebenen Menge abweichen kann.

Machen Sie sich schlau, wie ein Produkt zu unserem täglichen Nährstoffbedarf beiträgt

„Referenzmengen“ (Reference Intakes - RIs) bieten uns einen Anhaltspunkt für die Menge an Nährstoffen und Energie, die wir jeden Tag für eine gesunde und ausgewogene Ernährung benötigen.

Referenzmengen (Reference Intakes - RIs)

  Pro 2.000 kcal / 8.400 kJ
GESAMTFETT 70 g
davon gesättigte Fette 20 g
KOHLENHYDRATE 260 g
davon Zucker 90 g
PROTEIN 50 g
SALZ 6 g

Aktuelle RIs basieren auf den Anforderungen für eine durchschnittliche Frau mit einer Ernährung von 2.000 kcal am Tag.2 Diese RIs wurden in der europäischen Gesetzgebung festgelegt und beruhen auf wissenschaftlichen Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). RIs haben den Begriff „Guideline Daily Amount (GDA)“ ersetzt, obwohl die Grundsätze ihrer Bedeutung unverändert bleiben.

Ein Etikett kann zudem den Nährstoffgehalt eines Produkts als Prozentsatz des RI auszeichnen, z.B. wenn ein Produkt 4,9 g Fett enthält, entspricht dies 7% des RI für die Gesamtfettaufnahme pro Tag, nämlich 70 g. Die RIs befinden sich auf der Rückseite des Produktes und einige Hersteller geben sie zusätzlich auf der Vorderseite der Packung an. Da Produktgrößen unterschiedlich sind, kann es zudem hilfreich sein, Produkte in Bezug auf Energie und Nährstoffe pro 100 g zu vergleichen. Pro Portion-Informationen können auch hilfreich sein, um Einzelpackungen zu vergleichen, die für eine Person ausgelegt sind.

Da sich Ernährungsbedürfnisse von Mensch zu Mensch unterscheiden, sind RIs nicht als Zielvorgaben gedacht. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen Bezugswert (eine durchschnittliche Frau mit durchschnittlicher körperlicher Aktivität), der als Leitfaden für Entscheidungen von Einzelpersonen dienen soll.

Weitere Arten der Kennzeichnung

 Zusätzlich zu den oben erwähnten obligatorischen Nährwertkennzeichnungen können wir in einigen Ländern die Verwendung zusätzlicher Formen der Darstellung der Nährwertinformation beobachten, wie z.B. die Verwendung von Farbkodierungen.2 Im Jahr 2017 wird die Europäische Kommission einen Bericht über die Verwendung derartiger zusätzlicher Kennzeichnungen vorlegen, der ihre Auswirkungen auf den Markt untersucht und eine Stellungnahme abgibt, ob diese harmonisiert werden sollten oder nicht. Das Codex Committee on Food Labelling befasst sich zudem mit der Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Verpackungen.2,5

Was sind nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben?

Eine nährwert- und gesundheitsbezogene Angabe deutet darauf hin, dass ein bestimmtes Produkt auf Grundlage eines oder mehrerer vorhandener Inhaltsstoffe über vorteilhafte Eigenschaften verfügt. Diese Angaben müssen den europäischen Vorschriften entsprechen, die uns vor falschen Werbeversprechen schützen und einen fairen Vergleich zwischen Produkten ermöglichen.

  • Nährwertbezogene Angaben: erklären, suggerieren oder bringen mittelbar zum Ausdruck, dass ein Nahrungsmittel über bestimmte Nährwerte verfügt. Verbraucher können sich für weitere Informationen auf eine festgelegte Liste der nährwertbezogenen Angaben beziehen.6 Zum Beispiel:
    • „kalorienarm“ bedeutet, dass das Produkt nicht mehr als 40 kcal pro 100 g (fest) oder 20 kcal pro 100 ml (flüssig) enthält;
    • „reduzierter (Name des Nährstoffes)-Gehalt“ bedeutet, dass das Produkt 30% weniger Nährstoffe gegenüber einem vergleichbaren Produkt enthält.
  • Gesundheitsbezogene Angaben: erklären, suggerieren oder bringen mittelbar zum Ausdruck, dass eine Verbindung zwischen einem Nahrungsmittel oder einem Inhaltstoff und einer gesundheitsfördernden Wirkung besteht, z.B. „Enthält für das Knochenwachstum notwendiges Kalzium“. Hersteller können Nachweise für gesundheitsbezogene Angaben vorlegen, die daraufhin von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft werden. Zulässige Angaben werden zusammen mit entsprechenden Kriterien für die Verwendung einem Register hinzugefügt (z. B. die für den gesundheitlichen Nutzen erforderliche Menge an Inhaltsstoffen).7

In der EU sind auf Etiketten nur wissenschaftlich erwiesene Angaben zulässig. Lesen Sie die Nährwertkennzeichnungen dennoch sorgfältig durch. Ein Produkt, das fettarm ist oder Vollkorn enthält, könnte dennoch viele Kalorien oder zu viel Salz für die individuellen Bedürfnisse einer Person enthalten.

Was ist mit Ernährungs- und Gesundheitssymbolen?

Gesundheitsbezogene Logos und Symbole sollen die Nährwertangaben erläutern und die Aufmerksamkeit der Verbraucher sowie die Verwendung der Nährwertkennzeichnung erhöhen, insbesondere in Situationen unter Zeitdruck.8 Diese sind zwar nach EU-Recht nicht erforderlich, werden jedoch in einigen Ländern vorgeschrieben.

Nordic Keyhole (Schlüsselloch-Symbol) (SE, DK, NO, IS, LT, MK)
Das Schlüsselloch-Symbol wurde entwickelt, um Verbraucher dabei zu unterstützen, das gesündeste Produkt in einer Lebensmittelkategorie zu wählen und wird derzeit in Schweden, Dänemark, Norwegen, Island, Litauen und Mazedonien verwendet. Alle mit dem Schlüsselloch versehenen Lebensmittel enthalten weniger Zucker und Salz, mehr Ballaststoffe und Vollkorn und in der Regel weniger Fette als andere gleichwertige Produkte.9 Hierbei handelt es sich um ein Gesundheits-Logo, das auf freiwilliger Basis angebracht werden kann und es liegt bei den Herstellern selbst, sicherzustellen, dass ihr Produkt die nationalen Vorgaben der Lebensmittelbehörde erfüllt.

"Choices"-Logo (NL, BE, PL, CR, SK)
Das Choices-Logo befindet sich auf Lebensmittelprodukten, die den von der Choices International Foundation vorgegebenen Qualifikationskriterien für gesündere Nahrungsmittel entsprechen, die unabhängig von renommierten wissenschaftlichen Experten festgelegt werden. Das Logo ist beliebt und kann auf Produkten in den Niederlanden, Belgien, Polen, Tschechien und der Slowakei gefunden werden.10 Kriterien der Choices International Foundation basieren auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Bitte besuchen Sie für weitere Informationen über die Rolle gesundheitsbezogener Angaben und Symbole für das Verbraucherverhalten die Website des CLYMBOL-Projekts: www.clymbol.eu.

Es ist hilfreich, Nährwertinformationen lesen und verstehen zu können. Nicht alle Lebensmittel sind mit einem Etikett versehen (z. B. lose verkaufe Ware). Daher ist es wichtig, die Grundlagen für gesundes Essen und Leben zu verstehen:

 

References

  1. Cecchini M & Warin L (2016). Impact of food labelling systems on food choices and eating behaviours: a systematic review and meta-analysis of randomized studies. Obesity Reviews 17(3):201-210.
  2. Regulation (EU) No 1169/2011 of the European Parliament and of the Council of 25 October 2011 on the provision of food information to consumers.
  3. EUFIC (2009). Nutrition information on food labels – is it read and understood. EUFIC Food Today n° 68.
  4. EUFIC website, Salt.
  5. CODEX Committee on Food Labelling (2016). Proposal for New Work on Front of Pack Nutrition Labelling. Ottawa: FAO/WHO.
  6. European Commission website, Nutrition claims.
  7. European Commission, Health claims.
  8. EUFIC (2012). New insights into nutrition labeling in Europe. EUFIC Food Today EU Projects Supplement n° 2.
  9. The Nordic Council of Ministers website, About keyhole.
  10. The Choices Programme, Choices factsheet May 2013.