Ein genauerer Blick auf Clean-Eating

Last Updated : 10 August 2018

Die Clean-Eating-Bewegung ist seit einiger Zeit ein beliebter Ernährungstrend. Obwohl nicht klar definiert, fördert es im Allgemeinen mehr Vollwertkost, Obst und Gemüse, unraffinierte und unverarbeitete Lebensmittel. Klingt gut, oder? Obwohl es gut ist, dass diese Diät eine vermehrte Verzehr von Obst und Gemüse fördert, ist bei genauerem Hinsehen klar, dass sauberes Essen nicht immer so gesund ist, wie es scheint. Diese Diät-Strategie dreht sich schwerwiegend um restriktive Essgewohnheiten und den Ausschluss von Lebensmitteln, die als ‘ungesund’,‘unrein’ und ‘schmutzig’ angesehen werden, wie Zucker, Milchprodukte oder glutenhaltige Lebensmittel.1 Das Konzept teilt Lebensmittel auf ‘gute’ und ‘schlechte’ und schafft die Vorstellung, dass Essen etwas ist, das Schuldgefühle verursachen sollte. Diese Wahrnehmungen werden häufig durch Medienüberschriften verstärkt, die Lebensmittel oder Zutaten mit emotionaler Sprache beschrieben (z.B. superfood, giftig usw.)

Die Clean-eating Diät kann oft nationalen Richtlinien für eine gesunde Ernährung widersprechen. Das Weglassen bestimmter Lebensmittelgruppen wie Kohlenhydraten und Proteine kann gesundheitsschädliche Folgen haben. Die Vermeidung glutenhaltiger Lebensmittel oder das Ausscheiden von Kohlenhydraten können zum Beispiel zu einem niedrigen Vollkornkonsum führen, der mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs, Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes verbunden ist.2 Die Eliminierung von Milchprodukten, ohne adäquate pflanzliche Ersatzstoffen, könnte zu einer unzureichenden Calciumaufnahme führen, was sich negativ auf die Knochengesundheit auswirken kann.3 Es besteht keine Notwendigkeit, Nahrungsmittel aus unserer Ernährung auszuschließen, es sei denn, Sie wurden medizinisch dazu beraten, zum Beispiel um eine Allergie oder Intoleranz zu behandeln. Diese Ernährungsstrategie kann auch eine negative Beziehung zu Nahrungsmitteln hervorrufen, die im Extremfall zu Essstörungen wie Orthorexia nervosa führen kann; eine ungesunde Besessenheit, gesund zu essen, in der Leute ihre Diät häufig auf eine beschränkte Anzahl von Nahrungsmitteln beschränken, die sie für “rein” und “sauber” halten. Dieses Verhalten, das sich in den letzten jahren immer mehr durchgesetzt hat, hat sich als schädlich für die Gesundheit, die Karriere und das soziale Funktionieren gezeigt.4

Sind verarbeitete Lebensmittel schlecht für unsere Gesundheit?

Verarbeitete Lebensmittel werden auch von Befürwortern der Clean-Eating-Bewegung heftig kritisiert. Obwohl wir uns bemühen sollten, weniger raffinierte und verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt zu essen, werden nicht alle verarbeiteten Lebensmittel in den gleichen Verfahren hergestellt.5 Die Lebensmittelverarbeitung umfasst jede Methode, die auf frische Nahrungsmittel angewandt wird, um sie zu Nahrungsmittelprodukten zu machen.6 Dies kann eine oder eine Kombination aus Folgendem beinhalten: Waschen, Hacken, Pasteurisieren, Gefrieren, Fermentieren, Verpacken, Anreicherung, Verwendung von Additiven und noch viel mehr.7 Während frische Lebensmittel zweifellos eine wichtige Rolle bei einer gesunden Ernährung spielen, neigen Trends wie die Bewegung für sauberes Essen dazu, die Vorteile der Lebensmittelverarbeitung in Bezug auf Lebensmittelsicherheit und –verfügbarkeit zu überschätzen. Zum Beispiel, Gemüsekonserven bleiben jahrelang sicher zu essen, und sind eine praktische und kostengünstige Möglichkeit, Gemüse zu Ihrer Ernährung hinzuzufügen.

Insbesondere sogenannte ‘ultra-verarbeitete Lebensmittel’ sind in diesem Jahr in den Medien viel spekuliert worden.8,9 Aber was macht ein ultra-verarbeitetes Lebensmittel aus? Typischerweise bezieht sich dieser Begriff auf Lebensmittel, die industriell hergestellt werden und 5 oder mehr Zutaten erhalten, z.B. kohlensäurehaltige Getränke, Eiscreme, massenproduziertes Brot, Säuglingsnahrung, Fertigprodukte wie Pizza.10 Die letzten wissenschaftlichen Untersuchungen haben zu sensationalisierten Schlagzeilen geführt, in denen behauptet wurde, dass die verarbeiteten Lebensmittel mit einem höheren Krebsrisiko verbunden und die Hauptursache für das zunehmende Problem der Fettleibigkeit seien. Die durch diese Beobachtungsstudien identifizierten Assoziationen können jedoch nicht beweisen, dass der Verzehr von ultra-verarbeiteten Lebensmittel Adipositas oder Krebs verursacht. Sie sind lediglich ein Hinweis darauf, dass es einige grundlegende Faktoren geben könnte, die hochverarbeitete Lebensmittel mit diesen gesundheitlichen Bedingungen verbinden, aber die Natur dieser Verbindung muss noch durch weitere Forschung identifiziert werden.

Das Fazit: Lebensmittel bieten verschiedene Nährstoffe und Vielfalt ist der Schlüssel

Die öffentlichen Gesundheitshinweise haben sich nicht geändert: sie lauten aktiv bleiben, eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse zu pflegen, sowie die Aufnahme von rotem und verarbeitetem Fleisch, energiereichen Lebensmitteln und Alkohol zu begrenzen. Nach solchen dramatischen Schlagzeilen ist es keine Überraschung, dass viele von uns ein wenig verwirrt über die Wirkung bestimmter Nahrungsmittel auf unsere Gesundheit sind!

Wenn es um saubere Ernährung und das Thema verarbeiteter Lebensmittel geht, merken Sie sich, dass kein Essen von Natur aus gut oder schlecht ist! Keine einzelne Nahrung ist ernährungsphysiologisch vollständig. Das Wichtigste ist die Kombination von Nahrungsmitteln, die unsere Gesamtdiät ausmachen. Also, vergessen wir diese Clean-eating-Modeerscheinung und anstatt Lebensmittel zu fürchten, streben wir nach einem integrativen Essgewohnheiten, der viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und ungesättigte Fette enthält, unabhängig davon, ob in verarbeiteter oder unveränderter Form.

References

  1. Koven NS & Abry AW (2015) The clinical basis of orthorexia nervosa: emerging perspectives. Neuropsychiatr Dis Treat. 11:385–394.
  2. Nevin, SM & Vartanian, LR (2017) The stigma of clean dieting and orthorexia nervosa. Journal of Eating Disorders, 5(37) doi: 10.1186/s40337-017-0168-9.
  3. Craig WJ (2009) Health effects of vegan diets. The American Journal of Clinical Nutrition, 89(5), 1627S-1633S.
  4. Tremelling, K, et al. (2017) Orthorexia Nervosa and Eating Disorder Symptoms in Registered Dietitian Nutritionists in the United States. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 117(10), 1612-1617.
  5. Weaver C, et al. (2014) Processed food: contributions to nutrition. The American Journal of Clinical Nutrition (AJCN), 99(6), 1525-1542.
  6. Monteiro C, et al. (2010) A new classification of foods based on the extent and purpose of their processing. Cad Saude Publica, 26(11), 2039-2049.
  7. Floros J, et al. (2010). Feeding the world today and tomorrow: the importance of food science and technology. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety, 9(5), 572–599
  8. The British Medical Journal (BMJ, 2018) Consumption of ultra-processed foods and cancer risk: results from NutriNet-Santé prospective cohort
  9. Monteiro, C, et al. (2018) Household availability of ultra-processed foods and obesity in nineteen European countries. Public Health Nutrition, 21(1), 18-26.
  10. Monteiro, C, et al. (2016) NOVA. The star shines bright. World Nutrition, 7(1-3), 28-38.