Die Sicherheit abgefüllten Trinkwassers

Zuletzt aktualisiert : 03/03/2015

Egal ob Trinkwasser aus der Leitung oder aus der Flasche kommt, seine Sicherheit ist von herausragender Bedeutung. Hersteller abgefüllten Wassers müssen gewährleisten, dass das produzierte und abgefüllte Wasser strengen Qualitäts- und Sicherheitsstandards entspricht.

Einleitung

Der Großteil des abgefüllten Wassers in Europa kommt aus Grundwasserquellen wie etwa natürlichem Mineral- und Quellwasser, das in verschlossene Plastik- und Glasbehälter verpackt wird.1 Es unterscheidet sich vom Leitungswasser durch seine Herkunft: Leitungswasser kommt zum Großteil aus Oberflächenquellen (z. B. Flüssen und Seen) und bedarf der Aufbereitung, um seine mikrobiologische und chemische Sicherheit zu gewährleisten.2-3

Welche Rechtsvorschriften betreffen abgefülltes Wasser?

In der Europäischen Union müssen alle Nahrungsmittelfirmen, die abgefülltes Wasser herstellen, die EU-Verordnung 852/2004/EC über Lebensmittelhygiene einhalten.4 Weitere Vorschriften regeln die Definition verschiedener Kategorien abgefüllten Wassers, ihrer Gewinnung und Aufbereitung, speziellen Sicherheitsanforderungen, ihres Verkaufs, ihrer Kennzeichnung und ihrer Verpackung.5-7

Welche Wassertypen können abgefüllt werden?

Es existieren drei Arten abfüllbaren Wassers: natürliches Mineralwasser, Quellwasser und alles übrige Trinkwasser.

Natürliches Mineralwasser ist vor Verunreinigung geschützt und mikrobiologisch sicher. Es unterscheidet sich von dem restlichen Trinkwasser durch seine stabilen Minerale und die enthaltenen Spurenelemente. In der EU sind nur sehr eingeschränkte Aufbereitungsmethoden für natürliches Wasser zugelassen; eine oft angewandte Aufbereitung ist der Zusatz von Kohlenstoffdioxid zur Herstellung von „sprudelndem“ Wasser.5 Bevor Wasser offiziell als natürliches Mineralwasser anerkannt wird, müssen bestimmte Informationen über die Quelle und das Wasser den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden (z. B. muss die Stabilität der Wasserzusammensetzung nachgewiesen werden). Eine Liste aller anerkannten natürlichen Mineralwasser in Europa ist auf der Webseite der Europäischen Union veröffentlicht.8

Der Begriff 'Quellwasser' bezieht sich auf Wasser aus einer Untergrundquelle, das ohne Aufbereitung mikrobiologisch sicher ist. Quellwasser muss viele derselben Bedingungen wie Mineralwasser erfüllen, beispielsweise für Quellschutz (also den Schutz der Quelle vor Verunreinigungsrisiken), Kennzeichnung und Aufbereitung. Die Anforderung an eine stabile und typische Mineralzusammensetzung muss jedoch nicht erfüllt werden – diese ist nur für natürliche Mineralwasser nötig.5-6​​​​​​​

Anderes Trinkwasser ist die Beschreibung für abgefülltes Wasser, das weder Quell- noch natürliches Mineralwasser ist. Dieses Trinkwasser kommt aus verschiedenen Quellen, einschließlich Oberflächengewässern und Leitungswasser. Aufbereitung ist erlaubt und ermöglicht dem Wasser somit die Einhaltung mikrobiologischer und die Zusammensetzung betreffenden Anforderungen.3​​​​​​​

Wie gewährleisten Hersteller die Sicherheit?

Es ist wichtig, dass Hersteller alle notwendigen Vorkehrungen treffen, um die Sicherheit des abgefüllten Wassers unabhängig von seiner Quelle zu gewährleisten.4 Gute Herstellungs- und Hygienepraktiken beinhalten:

  • den Schutz der Quelle vor externer Verunreinigung vor dem Abfüllen;
  • den Schutz abgefüllte Wassers während der Auslieferung und Lagerung;
  • die Einhaltung aller rechtlichen Anforderungen für abgefülltes Wasser, einschließlich dessen Kennzeichnung.

Der Codex Alimentarius (Lebensmittelkodex) hat eine Reihe von Leitfäden zu guten Praktiken für die Herstellung abgefüllten Wassers veröffentlicht und auf seiner Webseite zur Verfügung gestellt.9​​​​​​​

Ist abgefülltes Wasser für Kleinkinder oder Menschen mit speziellen Gesundheitszuständen geeignet?

Abgefülltes Wasser wird nicht für die Nutzung mit Säuglingsanfangsnahrung empfohlen, da es zu viel Salz (Natrium) oder Sulfat enthalten kann. Manche abgefüllten Wasser enthalten ausreichend niedrige Mengen (also weniger als 200 mg Natrium und weniger als 250 mg Sulfat pro Liter Wasser) und sind als geeignet für die Zubereitung von Babynahrung gekennzeichnet. Das Wasser sollte still sein (nicht sprudelnd). Unabhängig davon, ob das Wasser aus der Flasche oder der Leitung kommt, sollte es vor der Verwendung für Säuglingsanfangsnahrung abgekocht werden.10​​​​​​​

Patienten mit Nierenkrankheiten müssen möglicherweise auf den Mineralgehalt auf dem Produktetikett achten und sollten individuellen medizinischen Rat einer qualifizierten Gesundheitsfachkraft einholen.

Zusammenfassung - abgefülltes Wasser oder Leitungswasser?

robleme der öffentlichen Gesundheit sind im Zusammenhang mit Trinkwasser in Europa selten, sei es aus der Flasche oder aus der Leitung, da die Standards der Wasserqualität, -herstellung und -verpackung hoch sind. In Studien aus Großbritannien und Frankreich war der persönliche Geschmack der Verbraucher der ausschlaggebende Faktor in ihrer Wahl zwischen Leitungswasser und abgefülltem Wasser.11-12 Ob man Leitungswasser oder abgefülltes Wasser trinkt, bleibt demnach der persönlichen Vorliebe überlassen.

Literatur

  1. Reimann C & Birke M (eds.) (2010).Geochemistry of European Bottled Water. Stuttgart, Germany: Borntraeger Science Publishers.
  2. EUFIC (2015). Use of water in food production. Food Today n° 96
  3. Directive 98/83/EC on the quality of water intended for human consumption.
  4. Regulation (EC) No 852/2004 on the hygiene of foodstuffs.
  5. Directive 2009/54/EC on the exploitation and marketing of natural mineral waters.
  6. Directive 2003/40/EC establishing the list, concentration limits and labelling requirements for the constituents of natural mineral waters and the conditions for using ozone-enriched air for the treatment of natural mineral waters and spring waters.
  7. Regulations (EC) No 115/2010 laying down the conditions for use of activated alumina for the removal of fluoride from natural mineral waters and spring waters.
  8. European Commission (2015). List of Natural Mineral Waters Recognised by Member States, last updated 18 September 2015.
  9. WHO & FAO (2007). Codex Alimentarious Waters (1st Edition).
  10. NHS (2014). Formula feeding. How to feed your baby safely. Edinburgh, Scotland: NHS Health Scotland.
  11. IFEN (Institut Francais de L’Environnement) (2000). La préoccupation des français pour la qualité de l’eau. Les Donneés de L’Environnement 57:1–4.
  12. Ward LA et al. (2009). Health beliefs about bottled water: a qualitative study. BMC Public Health 9:196.